Digitale Hilfe für die Seele: Wie Apps & Online-Angebote bei psychischen Problemen unterstützen

Depressionen, Ängste, Essstörungen – schätzungsweise jeder dritte bis vierte Erwachsene in Deutschland leidet im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Störung – doch die Wartelisten und -zeiten auf einen Therapieplatz werden immer länger. Wie digitale Angebote hier helfen können.

Frau auf Sofa mit Handy © iStock

Psychische Hilfe ohne Therapeut

Einige Krankenkassen übernehmen sie bereits: Online-Therapie-Angebote wie Online-Kurse oder Apps, die von Psychologen mitentwickelt wurden. Zum Beispiel Depressions-Apps, die auf der Methode der kognitiven Verhaltenstherapie basieren. Bei dieser Therapieform liegt der Fokus darauf, Gedanken- und Verhaltensmuster zu verändern, um die Symptome der Depression oder anderer psychischer Erkrankungen zu lindern. In der App findet der Betroffene dann unterstützende Übungen und Inhalte dazu.

Dass Internet-basierte Therapieplattformen bei psychischen Krankheiten helfen können, haben Studien bereits gezeigt. Forscher der amerikanischen Indiana Universität fanden beispielsweise heraus, dass Online-Therapieprogramme Depressionen effektiv mildern können – selbst bei mittleren bis schweren Verläufen der Krankheit.

Chancen von Online-Therapie-Angeboten

Psychische Erkrankungen können tückisch sein. Betroffene erkennen häufig ihre Erkrankung gar nicht also solche oder zögern, einen Facharzt oder Psychotherapeuten aufzusuchen – der Gang zum Therapeuten ist häufig noch mit Scham verbunden. In diesen Fällen können Online-Therapie-Angebote eine große Chance sein. Vielen Menschen fällt es leichter, zunächst über digitale Angebote – anonym –, Hilfe in Anspruch zu nehmen und so erste Schritte ihrer Genesung einzuleiten.

Außerdem: Online-Angebote können sofort und von überall – mittlerweile auch oft offline – genutzt werden. Betroffene finden dort jederzeit Hilfe und Unterstützung. Zudem bekommen Menschen, die Hilfe benötigen, aber kurzfristig keinen Therapeuten finden oder durch ihren Wohnort, gesundheitliche Einschränkungen oder ihren Beruf keinen Therapeuten aufsuchen können, trotzdem Zugang zu professioneller Hilfe. Digitale Angebote können folglich dabei helfen, Probleme schneller anzugehen und die Wartezeit auf einen Therapieplatz sinnvoll zu überbrücken.

Doch auch wer einen Therapieplatz hat, kann von Online-Therapie-Angeboten profitieren, denn sie können im Alltag zusätzlich unterstützen. Außerdem ist die Behandlung von psychischen Erkrankungen kostenintensiv. Depressive Menschen beispielsweise neigen dazu, häufiger Allgemeinärzte aufzusuchen und haben oft mehr medizinische Probleme. Wird die ursächliche psychische Erkrankung schneller und effektiver behandelt, können Gesundheitskosten verringert werden.

Unterstützung aber kein Ersatz

Online-Therapie-Angebote bieten mehr Menschen schneller Zugang zu professioneller Behandlung, weil sie nicht an bestimmte Zeiten und Orte gebunden und unbegrenzt verfügbar sind. Dennoch können sie die persönliche Behandlung nicht ersetzen. Persönliche Therapie und Medikamente wie Antidepressiva sind immer noch effektiver als Internet-basierte Therapie-Angebote.

Exkurs: Künstliche Intelligenz (KI) für die Seele

Auch Künstliche Intelligenz wird bereits bei psychischen und psychiatrischen Problemen angewendet. In diesen Fällen spricht man von verkörperter KI, weil bei diesen Anwendungen Menschen mit einem künstlichen Gegenüber interagieren. Beispielsweise können autistische Kinder mithilfe von Roboter-Puppen lernen, Menschen besser zu verstehen. Oder computergenerierte Avatare helfen, mit Halluzinationen umzugehen, virtuelle Chats unterstützen bei Depressionen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.06.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Lorenzo-Luaces L, Johns E, Keefe JR.: The Generalizability of Randomized Controlled Trials of Self-Guided Internet-Based Cognitive Behavioral Therapy for Depressive Symptoms: Systematic Review and Meta-Regression Analysis. J Med Internet Res 2018;20(11):e10113. doi: 10.2196/10113.
  • Pressemitteilung der Siemens-Betriebskrankenkasse vom 17.12.18: Mit digitaler Hilfe zurück ins Leben
  • Pressemitteilung der Technischen Universität München vom 15. Mai 2019: Roboter-Therapeuten brauchen Regeln. Verkörperte KI bei psychischen Erkrankungen: ethische Fragen durch neue Technologien
  • Originalpublikation: Fiske A, Henningsen P, Buyx A. Your robot therapist will see you now: Ethical implications of embodied artificial intelligence in psychiatry, psychology, and psychotherapy. Journal of Medical Internet Research (2019). DOI: 10.2196/13216.
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