Zungenschrittmacher bei Schlafapnoe

Ein Zungenschrittmacher verhindert die Atemaussetzer bei einer obstruktiven Schlafapnoe. Wie er funktioniert und welche gesundheitlichen Vorteile sich für Betroffene ergeben.

Mann schläft © iStock

Die Schlafstörung Schlafapnoe

Schlafapnoe – und die Atmung setzt aus. Millionen Deutsche leiden unter nächtlichen Atemaussetzern, dem sogenannten Schlafapnoe-Syndrom. Die Ursache ist eine Muskelschwäche im Rachenraum. Bei Betroffenen erschlafft im Schlaf die Zungenmuskulatur und das umliegende Gewebe. Die Zunge fällt zurück und verschließt die oberen Atemwege. Neben lautem Schnarchen gefährden die Atemaussetzer auf Dauer die Gesundheit, weil sie eine gleichmäßige Sauerstoffversorgung des Körpers verhindern. Die Folge: ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt, häufige Tagesmüdigkeit und Sekundenschlaf. Außerdem werden durch die Atemaussetzer Stresshormone ausgeschüttet, was den Blutzucker erhöht und damit auch das Diabetes-Risiko.

Die CPAP-Maske als Standardtherapie

Als Standardtherapie tragen Betroffene im Schlaf eine spezielle Maske, die ihnen kontinuierlich Umgebungsluft mit einem leichten Überdruck zuführt. Das Verfahren heißt CPAP, vom englischen „Continuous Positive Airway Pressure“. Der Überdruck stabilisiert das im Schlaf entspannte Gewebe im Nasen- und Rachenraum und hält ihn offen. Bei den meisten Patienten verbessert sich der Schlaf, bei einigen kommt es weiterhin zu den nächtlichen Atemaussetzern.

Viele Menschen stehen der Therapie mit den CPAP-Masken aus unterschiedlichen Gründen ablehnend gegenüber. Für sie könnte ein Zungenschrittmacher, eine neuere Therapieform des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms, eine Alternative sein. Wer für einen Zungenschrittmacher infrage kommt, prüfen HNO-Experten mit einer Schlafendoskopie. Dabei beobachten die Ärzte die Bewegungen von Zunge und Rachen beim Schnarchen.

Wie ein Zungenschrittmacher funktioniert

Ein Zungenschrittmacher wird im Brustkorb implantiert. Er besteht aus drei Elementen, die miteinander verbundenen sind und alle unter der Haut liegen. Ein Sensor am Brustkorb erkennt den Atemrhythmus des Patienten und gibt diesen an einen Neurostimulator mit integriertem Generator weiter. Dieses Modul verarbeitet die Atemsignale und sendet im passenden Takt elektrische Impulse an eine Stimulationselektrode, die auf dem Unterzungennerv (Hypoglossusnerv) platziert ist. Die leichte elektrische Anregung des Nervs aktiviert die Zungenmuskulatur, sodass die Zunge nicht mehr zurückfällt. Wenn der Patient zu Bett geht, schaltet er das System mit einer Fernbedienung ein und am Morgen wieder aus. Über eine Fernbedienung regelt er die Stärke der Stimulation.

Laut Hersteller nehmen die Patienten die Stimulation in der Regel nur gering oder gar nicht wahr. Für gewöhnlich fühlen sie ein leichtes Kribbeln oder eine leichte Kontraktion der Zungenmuskulatur. Die Batterie des Generators hält normalerweise acht bis elf Jahre und muss dann mit einer kurzen Operation gewechselt werden.

Reduzierte Gesundheitsgefahren – bessere Lebensqualität

Die Implantatträger profitieren nicht nur von einer nachhaltigen Reduktion der nächtlichen Atemaussetzer, sondern auch von einer dauerhaft verbesserten Lebensqualität sowie letztlich auch von einer höheren Lebenserwartung. Denn ohne Atemaussetzer verringert sich das Risiko für mögliche Folgeerkrankungen der Schlafapnoe. Außerdem fand eine Studie heraus, dass die Behandlung der Schlafstörung mit dem Zungenschrittmacher auch den Blutzuckerspiegel bessern und langfristig vor Diabetes schützen kann.

Studie: Auswirkungen auf den Zuckerstoffwechsel

Seit 2014 haben in Deutschland mehrere hundert Patienten einen Zungenschrittmacher erhalten. Ein Team des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein hat zwanzig dieser Patienten nach der Operation über ein Jahr lang begleitet. Die Ärzte befragten die Patienten und führten nach zwölf Monaten einen Blutzuckerbelastungstest durch. Hier wird der Anstieg des Blutzuckers nach dem Trinken einer Zuckerlösung bestimmt. Ein zu starker Anstieg weist auf einen bevorstehenden Typ-2-Diabetes hin, an dem viele Menschen mit Schlafapnoe leiden.

Bei Patienten mit einem Zungenschrittmacher hatten sich die Werte im Zuckerbelastungstest nach der Implantation gebessert. Die Laboruntersuchungen zeigten, dass die Patienten weniger Insulin benötigten, um den Blutzucker im Körper zu verteilen. Ein Rückgang der Hormonwirkung, Insulinresistenz genannt, ist die Ursache für den erhöhten Blutzuckerwert.

Abnehmen mit dem Zungenschrittmacher?

Die nächtliche Stimulierung der Zunge wirkte sich auch tagsüber auf das Essverhalten aus. Der sogenannte hedonistische Hunger, der Menschen auch dann essen lässt, wenn ihr Körper keine Kalorien benötigt, war vermindert. Möglicherweise kann ein Zungenschrittmacher deshalb helfen, dass Patienten langfristig ihre Gewichtsprobleme in den Griff bekommen. Denn die meisten Menschen mit Schlafapnoe sind übergewichtig oder fettleibig – und Übergewicht wiederum gilt als eine wichtige Ursache der Schlafstörung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.06.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Universitätsklinikums Würzburg vom 21.12.2018: Zungenschrittmacher als weitere Therapieoption bei obstruktiver Schlafapnoe
  • Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V., Bonn (DGHNO-KHC) vom 09. Mai 2019: Schlafapnoe: Zungenschrittmacher bessert Blutzucker und Essverhalten
  • Originalquelle: Steffen A, Chamorro R, Buyny L, Windjäger A, Wilms B, Hasselbacher K, Wollenberg B, Lehnert H, Schmid SM. Upper airway stimulation in obstructive sleep apnea improves glucose metabolism and reduces hedonic drive for food. Journal of Sleep Research 2018; doi: 10.1111/jsr.12794
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