PECH-Schema: Was in den ersten Minuten der Ersten Hilfe zu tun ist

Ist es zu einer akuten Verletzung gekommen, sind besonders die ersten Minuten nach dem Unfall entscheidend. Deshalb ist es notwendig, dass jeder Sportler die wichtigsten Regeln kennt, damit er die richtige Erstversorgung leisten kann.

Sportverletzung © Thinkstock
Nicht selten fühlen sich die Trainingspartner mit der Situation überfordert und unternehmen deshalb gar nichts – aus Angst, etwas falsch zu machen. Dabei ist eine gründliche und angemessene Wundversorgung nicht schwer. Und häufig kann sie die Folgen der Verletzung in erheblichem Maße reduzieren.
Hat sich der Betroffene eine stumpfe Verletzung zugezogen, sollten Sie das sogenannte „PECH-Schema“ anwenden. Wenn seine Haut verletzt ist, ist die richtige Wundversorgung wichtig, um die Infektionsgefahr zu reduzieren.

Die Sofortmaßnahmen, die dem sogenannten „PECH-Schema“ (Pause, Eis, Compression, Hochlagerung) folgen, können bei allen Verletzungen zum Einsatz kommen, bei denen die Haut nicht beschädigt wurde – zum Beispiel bei Prellungen, Verstauchungen, Blutergüssen, Verrenkungen und Muskel- oder Bandverletzungen.

Maßnahme 1: Pause (Ruhigstellung)

Zunächst muss der Verletzte die sportliche Betätigung sofort abbrechen. Wenn er unter Schmerzen das Spiel zu Ende bringt, besteht das Risiko, dass sich seine Verletzung noch verschlimmert. So kann zum Beispiel aus einer Zerrung ein Muskelfaserriss werden. Um innere Blutungen und somit Schwellungen so gut es geht zu begrenzen, sollte das betroffene Körperteil möglichst nicht mehr bewegt werden.

Maßnahme 2: Eis (Kälteanwendung)

Der zweite Schritt ist die Kühlung des betroffenen Körperteils, damit die Schmerzen gelindert und Schwellungen begrenzt werden können. Bei fast jeder Verletzung kommt es zur Beschädigung kleiner Blutgefäße: Es entstehen Einblutungen in das umgebende Gewebe (Bluterguss) und daraus eine Schwellung. Die Kälte bewirkt, dass sich die Gefäße zusammenziehen und weniger Flüssigkeit in das Gewebe eintritt. Auf diese Weise ist es möglich, eine weitere Schwellung zu verhindern.

Doch was ist das Mittel der Wahl für die Kühlung: Eiswasser, Eispackung oder doch Eisspray? Am besten kühlen Sie, indem Sie einen Verband mit Eiswasser tränken und dann um den betroffenen Körperteil wickeln. Sie können dafür auch fließendes kaltes Wasser verwenden. Wenn Sie Eiswürfel oder Eispackungen (sogenannte Cool Packs) zum Kühlen benutzen möchten, sollten Sie darauf achten, dass Sie diese nicht direkt auf die Haut legen. Es besteht die Gefahr von Erfrierungen. Deshalb ist es ratsam, Eis oder Eispackungen zum Beispiel in ein dünnes Handtuch zu wickeln.

Eissprays funktionieren über Verdunstungskälte. Wenn Sie Eissprays benutzen, sollten Sie vorsichtig sein, da es bei falscher Anwendung schnell zu lokalen Erfrierungen kommt. Insgesamt sollte die Kälteanwendung ungefähr 15 bis 20 Minuten dauern. Machen Sie bei längerer Kühlung alle 20 Minuten für fünf Minuten Pause, damit es nicht zu Durchblutungsstörungen kommt.

Maßnahme 3: Compression (Druckverband)

Mithilfe eines Kompressionsverbands wird das Gewebe zusammengedrückt und so verhindert, dass weiteres Blut austritt. Auf diese Weise soll vermieden werden, dass es zur Bildung oder Ausbreitung eines Blutergusses kommt, der den betroffenen Körperteil noch weiter anschwellen lässt. Achten Sie darauf, dass Sie den Verband Richtung Herz wickeln und nicht zu straff ziehen, um die Durchblutung nicht zu stören. Bevor Sie ein Gelenk mit einer elastischen Binde umwickeln, sollten Sie außerdem sichergehen, dass es sich in Normalstellung befindet. Legen Sie dem Verletzten den Druckverband am besten im Liegen an.

Sie können den Kompressionsverband auch gleich mit der Kühlung kombinieren. Dazu müssen Sie den Verband einfach immer wieder mit Eiswasser tränken. Alternativ können Sie auch einen Schwamm benutzen, den Sie mit Eiswasser tränken und anschließend auf die betroffene Stelle legen. Darüber wird dann die Binde gewickelt. Ein Vorteil des Schwamms liegt darin, dass er sich der Körperform anpasst und dadurch Hohlräume unter dem Verband vermieden werden können.

Maßnahme 4: Hochlagerung

Versuchen Sie, den verletzten Körperteil möglichst hoch zu lagern, optimal ist über Herzhöhe. Auf diesem Weg wird dem Blut ein besserer Rückfluss zum Herzen auf venösem Weg ermöglicht. Dadurch können weitere Einblutungen reduziert und die Abschwellung beschleunigt werden.

Wird nach einem Unfall das „PECH-Schema“ angewendet, können die Folgen der Verletzung häufig deutlich verringert werden, wodurch sich auch die Trainingspause verkürzt. Nach der Erstversorgung sollte der Verletzte zum Arzt gehen, der ihn untersucht, eine Diagnose stellt und die Therapie einleitet.

Verzichten Sie in den ersten 24 Stunden nach der Verletzung auf gerinnungshemmende Salben und blutverdünnende Medikamente wie Acetylsalicylsäure, damit die Blutstillung nicht behindert wird. Zudem sollten Sie in dieser Zeit keinen Alkohol trinken, da Alkohol die Gefäße erweitert, wodurch es zu einer vermehrten Schwellung kommt. Deshalb sind auch durchblutungsfördernde Maßnahmen wie Saunagänge, wärmende Salben, warme Bäder oder Wärmebehandlungen nicht zu empfehlen.

In jedem Fall sollten Sie die Verletzung vollständig auskurieren und Ihrem Körper ausreichend Zeit geben, um sich zu regenerieren. Denn oftmals fangen Sportler viel zu früh wieder an zu trainieren und gehen auf diese Weise ein Risiko für weitere Verletzungen ein. Außerdem können die Beschwerden chronisch werden, wenn die Verletzung nicht richtig auskuriert wurde.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 10.03.2015
  • Autor/in: Beatrix Deiß, Medizinredakteurin; Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätskontrolle: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Plesch, Christian/ Sieven, Rainer, Trzolek, Dieter: Handbuch Sportverletzungen. Meyer & Meyer Verlag, Aachen 2009.
  • Sportunfälle – Häufigkeit, Kosten, Prävention. Von Gläser, Heribert, (ARAG Allgemeine Versicherungs-AG), Henke, Dr. rer. nat. Thomas (Ruhr-Universität Bochum, Lehrstuhl für Sportmedizin). Herausgeber: ARAG Allgemeine Versicherungs-AG.
  • Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP): 10 Goldene Regeln für gesundes Sporttreiben, 2004.
  • Deutscher Olympischer Sportbund, www.richtigfit.de
  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V., www.dge.de