Stillen – die gesündeste Form der Ernährung

Eine gesunde Ernährung schafft die besten Voraussetzungen für ein langes und gesundes Leben. Daher sollten Mütter bereits bei den Kleinsten auf die richtige Nahrung achten. Frauen, die ihr Baby stillen, können mit ihrer eigenen Ernährung ihren Beitrag leisten.

Baby wird gestillt © Thinkstock
Für das Kind ist Stillen nicht nur die gesündeste Form der Ernährung, es bewirkt noch einiges mehr: Durch das Stillen wird die Beziehung zwischen Mutter und Baby gefestigt und das Kind über die Muttermilch mit wichtigen Antikörpern gegen Infektionskrankheiten versorgt.

Durch das Stillen soll sichergestellt werden, dass Kinder eine optimale Nährstoffzusammensetzung erhalten und außerdem nicht zu früh mit sogenannten Fremdeiweißen in Kontakt kommen. Diese Eiweiße sind zum Beispiel in Kuhmilch enthalten und können bei einigen Kindern Auslöser für Allergien sein. Einer großen Studie zufolge haben gestillte Kinder beispielsweise ein geringeres Risiko, ein allergisches Asthma zu entwickeln. Dieser Effekt ist in den ersten beiden Lebensjahren am deutlichsten, lässt sich aber bis ins Schulalter nachverfolgen.

In den ersten sechs Monaten sollten Mütter normalgewichtige Babys ausschließlich stillen – so empfiehlt es die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Eine neuere Untersuchung deutet wiederum darauf hin, dass Kinder, die schon ab dem vierten Lebensmonat Kontakt zu bestimmten Allergenen – zum Beispiel Erdnuss und Ei – gehabt haben, später seltener Allergien gegen diese Lebensmittel entwickeln. Diese Ergebnisse lassen sich aber nicht auf andere Allergene übertragen.

Derzeit gibt es noch keine gesicherten Erkenntnisse, welcher Zeitpunkt für die Einführung welcher Lebensmittel in den Speiseplan optimal ist. In der deutschen Leitlinie „Allergieprävention“ wird zumindest festgehalten, dass es keine gesicherten Belege für den Nutzen einer Einführung von Beikost vor dem vierten Lebensmonat gibt.

Empfohlen wird, das Stillen mindestens bis zum sechsten Monat beizubehalten – es kann auf Wunsch von Mutter und Kind aber auch länger durchgeführt werden.

Speikinder sind Gedeihkinder?

Das alte Sprichwort „Speikinder sind Gedeihkinder“ greift die Beobachtung auf, dass viele Babys gleich nach dem Stillen oder dem Trinken aus dem Fläschchen spucken. Das ist jedoch nicht unbedingt ein Grund zur Besorgnis, denn in den meisten Fällen erbrechen die Kinder keine großen Mengen und leiden nicht unter dem Spucken. Eltern sollten aber aufmerksam werden, wenn ihr Baby regelmäßig größere Mengen erbricht und nicht richtig zunimmt. In diesem Fall kann es sich um eine Störung des Verdauungstrakts oder eine Nahrungsmittelallergie handeln.

Wenn Eltern ihrem Kind Muttermilchersatz geben und es danach oft spuckt, kann ein frühzeitiger Umstieg auf sogenannte hypoallergene Präparate (HA-Säuglingsnahrung) empfehlenswert sein. In dieser Ersatzmilch ist das Milcheiweiß so aufbereitet, dass es auch allergieempfindliche Kinder vertragen. HA-Milch schmeckt jedoch relativ bitter. Die Babys müssen sich erst an diesen Geschmack gewöhnen.

Ab dem fünften bis siebten Lebensmonat: Stillen und Beikost

Wenn das Baby fünf bis sieben Monate alt ist, sollte die Mutter schrittweise mit dem Zufüttern von Beikost anfangen. Zunächst genügen täglich zwei bis drei kleine Mahlzeiten. Hierfür eignen sich sowohl spezielle Babybreie, aber auch gekochtes Gemüse oder Obststücke. Jedoch bedeutet die Ergänzung mit Beikost nicht automatisch, dass die Mutter gleichzeitig abstillen sollte – dieser Zeitpunkt lässt sich nicht nach dem Kalender wählen. Vielmehr ist das Abstillen ein Prozess, dessen Verlauf sich bei jedem Mutter-Kind-Paar individuell gestaltet.

Durch Stillen späteres Übergewicht vermeiden

Die Ernährung in den ersten 1.000 Tagen hat lebenslange Effekte. Säuglingsnahrungen versuchen zwar die Muttermilch nachzuahmen, schaffen dies aber nicht. Ein zunehmend wichtiger Aspekt beim Stillen sind Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas): Kinder, die gestillt wurden, haben im Erwachsenenalter weniger Gewichtsprobleme als Kinder, die mit der Flasche ernährt wurden.

Stillen hat noch weitere gesundheitliche Vorteile: Laut Prof. Dr. Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung für Stoffwechsel und Ernährung am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Ludwig-Maximilians-Universität München, haben Kinder, die gestillt wurden, später ein geringeres Risiko für Ekzeme der Haut, chronische Darmerkrankungen, Mittelohrentzündung, plötzlichen Kindstod, akute lymphatische Leukämie, Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2. Außerdem wurde in Studien ein kleiner Vorteil bei der Intelligenzentwicklung nachgewiesen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.05.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin
  • Quellen: Berufsverband der Frauenärzte: Stillen – Natur pur für Mutter und Kind (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_stillen_1137.html)
  • Berufsverband der Frauenärzte: Stillen: Optimaler Schutz vor Krankheitserregern (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_stillen-optimaler-schutz-vor-krankheitserregern_190.html)
  • Berufsverband der Frauenärzte: Vorteile des Stillens für das Kind (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_vorteile-des-stillens-f-r-das-kind_1139.html)
  • Schweitzer, Dora (2012): Stillen
  • World Health Organization (WHO): Up to what age can a baby stay well nourished by just being breastfed? (http://www.who.int/features/qa/21/en/)
  • Dogaru, Cristian M. et al.: Breastfeeding and Childhood Asthma: Systematic Review and Meta-Analysis (https://academic.oup.com/aje/article/179/10/1153/2739200/Breastfeeding-and-Childhood-Asthma-Systematic)MD, PhD Ierodiakonou, Despo et al.: Timing of allergenic food introduction tot he infant diet and risk of allergic or autoimmune disease (http://jamanetwork.com/journals/jama/fullarticle/2553447)
  • MD, PhD Ierodiakonou, Despo et al.: Allergenic food introduction and childhood risk of allergic or autoimmune disease – Reply (http://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/2595520)
  • ÄrzteZeitung online: Schützt das Essen von Allergenen im Kindesalter? (http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/allergien/article/921187/studie-schuetzt-essen-allergenen-kindesalter.html)
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI) und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin: Allergieprävention (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/061-016l_S3_Allergiepr%C3%A4vention_2014-07.pdf)
  • Ärzteblatt online: Die ersten 1000 Tage entscheiden (https://www.aerzteblatt.de/pdf.asp?id=183216)
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