„Babyblues“ – das Tief nach der Geburt

Viele frisch gebackene Mütter leiden nach der Geburt mehr oder weniger stark unter dem sogenannten Babyblues. Die Hochstimmung, die sie kurz nach der Geburt spürten, schlägt auf einmal in ein Gemisch aus Befürchtungen, Verzweiflung und dem Gefühl um, den Anforderungen und Aufgaben nicht gewachsen zu sein.

Depressive Frau mit ihrem Baby © Thinkstock
Es kann sogar dazu kommen, dass die Mutter das Kind oder den Vater ablehnt. Frauen mit Babyblues werden von einer tiefen Traurigkeit geplagt, ohne eine Ursache dafür nennen zu können.

Beim Babyblues brechen Mütter manchmal grundlos in Tränen aus

Mütter, die mit dem Babyblues zu kämpfen haben, sind verletzlich, dünnhäutig und brechen manchmal scheinbar grundlos in Tränen aus. Diese Zeit wird auch als „Heultage“ bezeichnet und gehört wie eine Art „seelische Nachwehen“ zum Kinderkriegen dazu. In der Regel vergeht diese Stimmung nach ein paar Tagen von selbst.

Wenn der Zustand jedoch länger als zehn bis 14 Tage anhält, handelt es sich um eine sogenannte „postpartale Depression“ (auch als Wochenbettdepression bezeichnet), die behandlungsbedürftig ist. Sie kommt gar nicht so selten vor – die Häufigkeit liegt bei etwa zehn bis 15 Prozent. Es überrascht nicht, dass auch die soziale Unterstützung durch den Partner nach der Geburt einen entscheidenden Einfluss auf die Stimmungslage in der ersten Zeit mit dem Kind hat. Besonders Frauen, die schon einmal eine psychische Erkrankung hatten, sollten es als Warnsignal verstehen, wenn sich ihre Stimmung nachhaltig verändert.

Wie der Babyblues entsteht

Ist die Geburt vorbei, sinkt der Hormonspiegel im Blut, die Wirkung der Schwangerschaftshormone nimmt ab. Diese körperliche Veränderung hat Folgen für die Psyche der Mutter, denn die Botenstoffe sind eng an die Stimmung gekoppelt. Häufig bekommen die Frauen Zweifel, ob sie ihre Mutterrolle „richtig“ erfüllen können. Die daraufhin entstehenden Schuldgefühle, weil sie statt Freude Niedergeschlagenheit und Ängste empfinden, machen alles noch schlimmer.

Verständnis und Ablenkung können beim Babyblues helfen

Die gut gemeinte Aufforderung, sich zu freuen, nützt einer Mutter mit Babyblues am wenigsten, denn sie verstärkt das Gefühl des Versagens nur noch. Jetzt benötigen die meisten Frauen liebevolle Zuwendung, einfühlsames Verständnis und Ablenkung. Im Idealfall sollte der Partner oder eine Freundin dann viel Zeit mit der Mutter verbringen und sie unterstützen, wenn ihr zum Weinen zumute ist.

Eine gute Vorbereitung vor der Geburt kann helfen, Versagensängsten und dem Gefühl der Überforderung nach der Geburt vorzubeugen: Gemeinsam mit dem Partner oder einer guten Freundin kann die Schwangere ihr Zuhause so vorbereiten, dass sie sich wohlfühlt und durch keine Nebensächlichkeiten gestört wird. Gut ist, sich für die erste Zeit zu Hause mit dem Kind Unterstützung und Gesellschaft zu organisieren.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.05.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Dr. med. Susanne Segebrecht, Ärztin, Apothekerin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; Nina Prell, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Berufsverband der Frauenärzte: Wochenbett: Babyblues (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_wochenbett-babyblues_185.html)
  • Murkoff, Heidi / Mazel, Sharon (2012): Schwangerschaft und Geburt: Alles, was Sie wissen müssen
  • Largo, Remo / Huch, Renate (2008): Schwangerschaft, Geburt & erste Baby-Monate
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