Weitere Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft

Jede werdende Mutter hat laut Gesetz Anspruch auf bis zu 14 Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft – meistens werden bis zur Geburt zehn bis zwölf durchgeführt.

Ärztin führt bei einer Schwangeren eine Ultraschalluntersuchung durch © Thinkstock
Nach der ersten Vorsorgeuntersuchung, bei der die Schwangerschaft festgestellt wurde, finden die folgenden Vorsorgeuntersuchungen in der Regel im Abstand von vier Wochen statt. In den letzten zwei Schwangerschaftsmonaten sehen die Mutterschaftsrichtlinien alle zwei Wochen eine Untersuchung vor. Steht die Geburt kurz bevor, können sich die Abstände zwischen den Vorsorgeuntersuchungen auch noch verkürzen.

Bei bestimmten Beschwerden zum Arzt

Wichtig: Treten in der Schwangerschaft zwischen den Vorsorgeuntersuchungen Beschwerden wie Schmierblutungen, Bauchkrämpfe oder Schwindelanfälle auf, sollte die werdende Mutter nicht erst den nächsten Untersuchungstermin abwarten, sondern gleich zum Arzt gehen.

Bei den Vorsorgeuntersuchungen werden einige Untersuchungen wiederholt, die bereits beim ersten Vorsorgetermin durchgeführt wurden – zum Beispiel die Kontrolle des Körpergewichts und des Blutdrucks sowie die vaginale Untersuchung.

Ultraschalluntersuchungen bei der Vorsorgeuntersuchung

In den Mutterschaftsrichtlinien sind drei Ultraschalluntersuchungen (sogenannte Screenings) während der Schwangerschaft vorgesehen, die jeder Frau zustehen. Die werdenden Eltern können dabei ihr Kind auf dem Monitor sehen. Der Arzt erhält durch die Ultraschalluntersuchung wichtige Informationen über die Entwicklung des Ungeborenen, seine Lage in der Gebärmutter, den Sitz der Plazenta sowie die Menge des Fruchtwassers.
Die drei Screenings haben alle ihren eigenen Informationswert:
  • Erstes Screening: Dieses Screening findet zwischen der neunten und der zwölften Woche statt und dient dazu, die Schwangerschaft zu bestätigen und festzustellen, ob sich das Ei in der Gebärmutterschleimhaut (und nicht zum Beispiel im Eileiter) eingenistet hat. Auch das Herz des Kindes kann man bei dieser Ultraschalluntersuchung schon schlagen sehen und erkennen, ob es sich um eine Mehrlingsschwangerschaft handelt.
  • Zweites Screening: Dieses Screening wird zwischen der 19. und der 22. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Hier kann die Schwangere entscheiden, ob sie eine Basis-Untersuchung oder eine erweiterte Basisuntersuchung wünscht. Bei der Basisuntersuchung werden die Größenentwicklung und die Lage der Plazenta untersucht. Entscheidet sich die werdende Mutter für die erweiterte Ultraschalluntersuchung, werden bestimmte Körperteile genauer auf Fehlentwicklungen oder Abnormitäten untersucht. Auf diese Weise kann der Arzt körperliche Anomalien wie zum Beispiel Herzfehler und einen offenen Rücken sowie Veränderungen des Gehirns, des Magens oder der Harnblase frühzeitig erkennen.
  • Drittes Screening: Dieses Screening macht der Arzt zwischen der 29. und der 32. Woche. Es gibt Auskunft darüber, ob sich das Ungeborene gut entwickelt hat und sein Wachstum dem Alter entspricht.
  • Zusätzlich zu den drei Screenings sind noch weitere Ultraschalluntersuchungen möglich. Diese werden jedoch nur bei medizinischer Indikation von den Krankenkassen bezahlt. Die Spezialultraschalluntersuchungen auf genetisch bedingte Auffälligkeiten wie die Nackentranzparenz-Untersuchung unterliegen dem Gendiagnostikgesetz und werden erst nach einer besonderen Aufklärung vom Gynäkologen durchgeführt.

Messen des Kindes bei der Ultraschalluntersuchung

Dank moderner Technik kann der Arzt das Kind beim Screening sogar „vermessen“:
  • BPD (biparietaler Kopfdurchmesser): Querdurchmesser des kindlichen Kopfs
  • FOD (fronto-occipitaler Durchmesser): Längsdurchmesser des kindlichen Kopfs (von der Stirn zum Hinterkopf)
  • KU: Kopfumfang
  • APD (Anterior-Posterior-Durchmesser): Durchmesser des kindlichen Bauchs – von vorne nach hinten gemessen
  • AU: Abdomen-Umfang, also Bauchumfang des Kindes
  • FL (Femurlänge): Länge des Oberschenkelknochens
  • HL (Humeruslänge): Länge des Oberarmknochens

Weitere Tests bei den Vorsorgeuntersuchungen

Das Screening auf Schwangerschaftsdiabetes können alle werdenden Mütter ab der 24. Woche durchführen lassen. Der Test dauert lediglich eine Stunde. Die Schwangere muss dafür nicht nüchtern sein und 50 Gramm Glukoselösung trinken. Es ist sehr wichtig, eine gestörte Blutzuckerregulation frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, um zu verhindern, dass Mutter und Kind geschädigt werden.

Bei allen schwangeren Frauen – sowohl Rhesus-positiv als auch Rhesus-negativ – wird zwischen der 24. und der 27. Schwangerschaftswoche ein weiterer Antikörper-Suchtest durchgeführt. Wenn bei Rhesus-negativen Frauen keine Anti-D-Antikörper nachgewiesen werden, bekommt sie Anti-D-Immunglobulin gespritzt, um so einer Sensibilisierung der Schwangeren in der Zeit bis zur Geburt vorzubeugen. Anschließend wird das Datum dieser sogenannten Anti-D-Prophylaxe in den Mutterpass eingetragen. 

Außerdem wird nach der 32. Woche, möglichst nahe am Geburtstermin, das Blut der werdenden Mutter auf Hepatitis B (HBs-Antigen) getestet. Es sei denn, sie kann einen Impfschutz nachweisen. Ist das Ergebnis positiv, ist es notwendig, das Kind direkt nach der Geburt sowohl passiv als auch aktiv zu impfen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.06.2016
  • Autor/in: vitanet.de; Nina Prell, Medizinredakteurin
  • Quellen: Berufsverband der Frauenärzte: Schwangerenvorsorge: Mutterschaftsrichtlinien (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_schwangerenvorsorge-mutterschaftsrichtlinien_168.html)
  • Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (http://www.g-ba.de/downloads/62-492-591/Mu-RL_2011-12-15.pdf)
  • Murkoff, Heidi / Mazel, Sharon (2012): Schwangerschaft und Geburt: Alles, was Sie wissen müssen
  • Largo, Remo / Huch, Renate (2008): Schwangerschaft, Geburt & erste Baby-Monate
  • Stauber, Manfred / Weyerstahl, Thomas (2007): Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Patienteninformation des Gemeinsamen Bundesausschusses: Ich bin schwanger. Warum werden allen schwangeren Frauen drei Basis-Ultraschalluntersuchungen angeboten? (https://www.g-ba.de/downloads/17-98-3476/2013-07-01_Merkblatt_Ultraschall_Heft.pdf)