Erste Vorsorgeuntersuchung: Urintest

Ein Urintest ist einfach und dennoch sehr aufschlussreich. Im Rahmen der ersten Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft testet der Frauenarzt den Mittelstrahlurin auf Eiweiß und Zucker. Auch das sogenannte Sediment wird untersucht. Es besteht aus feinsten, für das bloße Auge unsichtbaren Teilchen im Urin. Durch Zentrifugieren entsteht aus diesen festen Teilchen der Bodensatz des Urins. Dieser kann unter dem Mikroskop untersucht werden. So lassen sich mögliche Gesundheitsgefahren erkennen.

Besonders wichtige Substanzen: Eiweiß und Zucker

Neben weißen Blutkörperchen und Bakterien, die auf eine Infektion hinweisen, interessiert sich der Arzt beim Urintest vor allem für zwei Substanzen:
  • Eiweiß: Wenn er beim Urintest Eiweiß im Urin nachweisen kann, könnte dies einerseits für eine Harnwegsinfektion sprechen. Jedoch auch eine Präeklampsie ist möglich – gerade ab etwa der 20. Schwangerschaftswoche. Beides sollte auf jeden Fall von einem Arzt behandelt werden: Bei einem Harnwegsinfekt verschreibt er der Patientin meist Antibiotika. Bei einer Präeklampsie ist eine regelmäßige Überwachung notwendig, um Komplikationen zu vermeiden.
  • Zucker: Zeigt sich beim Urintest, dass sich Zucker beziehungsweise Glukose im Urin befindet, kann das ein Hinweis auf Diabetes mellitus sein, dem auf jeden Fall nachgegangen werden muss. Wenn Frauen einen BMI (Body-Mass-Index) über 35 haben, wird ihnen häufig empfohlen, zusätzlich zur Urinuntersuchung einen Glukosetoleranztest durchzuführen. Auf diese Weise lassen sich eine Störung des Zuckerstoffwechsels in der Schwangerschaft sowie die mögliche Entwicklung eines Diabetes mellitus frühzeitig erkennen. Übrigens: Für Schwangere ohne Risikofaktoren gibt es ab der 24. Schwangerschaftswoche einen Screening-Test. Dieser Test dauert eine Stunde, die werdende Mutter muss nicht nüchtern sein und 50 Gramm Glukoselösung trinken. Nach einer Stunde lässt sich der Blutzucker bestimmen. Wenn das Ergebnis bei 135 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder höher liegt, wird anschließend ein Glukosetoleranztest gemacht.

Zusätzliche Untersuchung des Urins auf Chlamydia trachomatis

Zusätzlich führt der Arzt im Rahmen des Urintests eine Untersuchung auf eine Chlamydia trachomatis-Infektion durch. Denn bei einer Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis treten Probleme wie ein vorzeitiger Blasensprung, eine Frühgeburt, ein niedriges Geburtsgewicht und allgemeine Geburtskomplikationen gehäuft auf. Daher wird seit 1995 bei Frauen in der Frühschwangerschaft ein Screening (Urintest) gemacht. Wenn bei diesem Test Chlamydien nachgewiesen wurden, verschreibt der Arzt der werdenden Mutter und ihrem Partner Antibiotika.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.06.2016
  • Autor/in: vitanet.de; Nina Prell, Medizinredakteurin
  • Quellen: Berufsverband der Frauenärzte: Schwangerenvorsorge: Zeitplan der Untersuchungen (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_schwangerenvorsorge-zeitplan-der-untersuchungen_172.html)
  • Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (http://www.g-ba.de/downloads/62-492-591/Mu-RL_2011-12-15.pdf)
  • Murkoff, Heidi / Mazel, Sharon (2012): Schwangerschaft und Geburt: Alles, was Sie wissen müssen
  • Largo, Remo / Huch, Renate (2008): Schwangerschaft, Geburt & erste Baby-Monate
  • Stauber, Manfred / Weyerstahl, Thomas (2007): Gynäkologie und Geburtshilfe
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