Erste Vorsorgeuntersuchung: Blutuntersuchung

Bei der Blutuntersuchung im Rahmen der ersten Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft ist vor allem die Bestimmung folgender Faktoren und Werte wichtig:

  • Blutgruppe: Bei einem größeren Blutverlust ist durch die Blutgruppenbestimmung klar, welches Fremdblut die Schwangere benötigt.
  • Rhesus-Antikörper: Hierbei ist ein irregulärer Antikörper, der sogenannte Rhesusfaktor-Antigen „D“, entscheidend – ein Eiweißbaustein auf der Oberfläche der roten Blutkörperchen von Rhesus-negativen Menschen. Er bildet sich immer dann, wenn Rhesus-negative Menschen Kontakt zu Rhesus-positiven roten Blutkörperchen hatten – etwa bei Schwangerschaften oder Bluttransfusionen. Mithilfe eines Antikörpersuchtests wird festgestellt, ob sich im Blut der werdenden Mutter Antikörper gegen das Blut des Fötus nachweisen lassen. Dies würde für das Kind eine lebensbedrohliche Situation darstellen. Im Falle einer sogenannten Rhesus-Unverträglichkeit erhält die Rhesus-negative Schwangere ein Medikament, das verhindert, dass ihr Körper Antikörper gegen die Blutkörperchen ihres Rhesus-positiven Kindes bildet (Anti-D-Prophylaxe). Diese Maßnahme wird auch bei allen möglichen operativen Eingriffen während der Schwangerschaft durchgeführt.
  • Eisen- und Hb-Wert: Der Körper braucht unter anderem Eisen, um rote Blutkörperchen bilden zu können. Während der Schwangerschaft benötigt er mehr Eisen als sonst, weshalb es häufig zu einem Eisenmangel kommt. Wenn zu wenig Eisen verfügbar ist, hat das mit der Zeit eine sogenannte Eisenmangelanämie zur Folge. Mithilfe einer entsprechenden Blutuntersuchung kann der Arzt herausfinden, wie ausgeprägt diese Anämie ist. Ergibt die Blutuntersuchung einen Hb-Wert unter zwölf Gramm pro Deziliter (g/dl), sollte die werdende Mutter zum Schutz des Kindes ein Eisenpräparat einnehmen.
  • Immunität gegen Röteln: Besonders wenn sich eine Frau in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten mit Röteln ansteckt, kann das dem Fötus großen Schaden zufügen. Daher überprüft der Arzt gleich zu Beginn der Schwangerschaft oder bereits, wenn eine Frau plant, schwanger zu werden, ob bei ihr ein Schutz gegen Röten besteht. Von einer Immunität ist nach zweimaliger (dokumentierter) Impfung oder einem Nachweis von Antikörpern im Blut auszugehen. Solche Befunde werden auch in den Mutterpass eingetragen. Ansonsten ist es notwendig, den Immunstatus der Schwangeren zu bestimmen. Falls sie sich möglicherweise mit Röteln angesteckt hat, kann der Arzt noch binnen fünf Tagen eine passive Immunisierung mit Röteln-Immunglobulin durchführen. Während der Schwangerschaft sollte jedoch keine aktive Röteln-Impfung stattfinden.

Blutuntersuchungen: mit dem LSR-Suchtest der Syphilis auf der Spur

Mithilfe des sogenannten LSR-Suchtests, einem Suchtest für Syphilis, untersucht man, ob die werdende Mutter Antikörper gegen diese Erkrankung hat. Dies wäre ein Hinweis auf eine vorangegangene Infektion. Je nachdem wie weitere Tests – etwa der IgM-Antikörperbefund – ausfallen, wird der Schwangeren dann eine Therapie angeraten.

Zudem lässt sich – nur auf ausdrücklichen Wunsch der Schwangeren – ermitteln, ob eine HIV-Infektion besteht. Der HIV-Test ist stets anonym und wird von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Falls das Ergebnis positiv ausfällt, kann der Arzt das Kind davor schützen, sich über die Mutter anzustecken: Dies geschieht mittels entsprechender Therapie und weiteren Vorsichtsmaßnahmen wie etwa einer Geburt per Kaiserschnitt.  

Auch auf eine Hepatitis B wird das Blut untersucht, da eine infizierte Mutter den Erreger während der Geburt auf das Kind übertragen kann. Eine Impfung direkt nach der Geburt kann das Neugeborene schützen.

Blutuntersuchung: Besteht Immunität gegen Toxoplasmose?

Verursacher der Toxoplasmose ist ein Parasit, der in rohem oder halbrohem Fleisch sowie in Katzenkot vorkommt. In den meisten Fällen läuft eine Infektion mit diesem Einzeller unbemerkt ab und hinterlässt schützende Antikörper gegen den Parasiten im Blut. In Deutschland lassen sich bei ungefähr der Hälfte aller Schwangeren diese Antikörper nachweisen.

Wenn sich eine Frau in der Schwangerschaft erstmals mit Toxoplasmose-Erregern infiziert und diese auf das Ungeborene übertragen werden, kann es zu schweren Schädigungen kommen. Deshalb können werdende Mütter testen lassen, ob sie immun gegen Toxoplasmose sind. Jedoch wird der Toxoplasmose-Test, der in Form einer Blutuntersuchung erfolgt, nur bei schwangeren Frauen mit Verdacht auf eine Infektion von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt. Ohne Verdacht hat die Schwangere die Kosten selbst zu tragen.

Durch Hygiene und Vorbeugung vor Toxoplasmose schützen

Besonders für schwangere Frauen ohne Immunität ist es enorm wichtig, sich durch Vorbeugung und Hygiene vor einer Infektion mit Toxoplasmose zu schützen: Sie sollten kein ungegartes Fleisch essen. Nach Gartenarbeit oder Kontakt mit Katzen ist eine gründliche Reinigung der Hände notwendig. Infiziert sich eine werdende Mutter trotz der vorbeugenden Maßnahmen erstmals in der Schwangerschaft, kann eine konsequente Therapie mit Antibiotika das Infektionsrisiko des Kindes reduzieren.

Bei Veranlagung zu Schilddrüsenerkrankungen: Schilddrüsenscreening

Zum Schilddrüsenscreening in der Schwangerschaft gibt es noch keine eindeutigen Empfehlungen. Der Expertenvorschlag lautet hier: Wenn Frauen eine Veranlagung zu Schilddrüsenerkrankungen haben, sollten die Schilddrüsenwerte sowohl bei Kinderwunsch als auch in der frühen Schwangerschaft überprüft werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.06.2016
  • Autor/in: vitanet.de; Nina Prell, Medizinredakteurin
  • Quellen: Berufsverband der Frauenärzte: Schwangerenvorsorge: Mutterschaftsrichtlinien (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_schwangerenvorsorge-mutterschaftsrichtlinien_168.html)
  • Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen über die ärztliche Betreuung während der Schwangerschaft und nach der Entbindung (http://www.g-ba.de/downloads/62-492-591/Mu-RL_2011-12-15.pdf)
  • Murkoff, Heidi / Mazel, Sharon (2012): Schwangerschaft und Geburt: Alles, was Sie wissen müssen
  • Largo, Remo / Huch, Renate (2008): Schwangerschaft, Geburt & erste Baby-Monate
  • Stauber, Manfred / Weyerstahl, Thomas (2007): Gynäkologie und Geburtshilfe
  • Medical Tribune: Gefahren durch Hypothyreose in der Schwangerschaft (http://www.medical-tribune.de/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/gefahren-durch-hypothyreose-in-der-schwangerschaft.html)
  • Robert Koch- Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte: Toxoplasmose (http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Toxoplasmose.html)