Sport ist kein Ersatz für Schwangerschaftsgymnastik

Zwar schafft Sport in der Schwangerschaft eine gute Voraussetzung dafür, dass die Geburt gut und komplikationslos verläuft. Dennoch sollten werdende Mütter nicht auf die zusätzliche Schwangerschaftsgymnastik verzichten. Denn diese bereitet sie ganz gezielt auf die Geburt vor. Die sanften Übungen helfen zudem, Schwangerschaftsbeschwerden zu lindern, wenn sie regelmäßig durchgeführt werden – am besten dreimal die Woche. Sie können auch dazu beitragen, dass es erst gar nicht zu Schwangerschaftsbeschwerden kommt.

Kurse für Schwangerschaftsgymnastik leiten erfahrene Hebammen

Den Kurs leitet immer eine erfahrene Hebamme. Auch Frauen mit sogenannten Risikoschwangerschaften – etwa Drillingsschwangerschaften – können die Übungen der Schwangerschaftsgymnastik ohne Probleme durchführen. Dennoch sollten sie zuvor mit ihrem Frauenarzt darüber sprechen – auch wenn sich Frauen unsicher sind oder bei den Übungen nicht wohlfühlen.

Ein weiterer Pluspunkt der Schwangerschaftsgymnastik ist, dass Schwangere dabei mit anderen werdenden Müttern ins Gespräch kommen, die sich in einer ähnlichen Situation wie sie selbst befinden. Sie tauschen sich über die Freuden der Schwangerschaft aber auch mögliche Ängste vor der Geburt aus. Auch der Partner oder eine Freundin sind bei den Kursen willkommen. Denn ihnen tun die sanften Bewegungen der Schwangerschaftsgymnastik ebenfalls gut – und die Schwangere hat eine vertraute Person an ihrer Seite.

Positive Auswirkungen der Schwangerschaftsgymnastik:

  • Herz und Kreislauf müssen während der Schwangerschaft ungefähr 20 Prozent mehr Blut durch das Gefäßsystem pumpen – das entspricht mindestens einem Liter. Gezielte Bewegungsabläufe können unterstützend auf Herz und Kreislauf wirken und bei Frauen mit niedrigem Blutdruck für ein positives Befinden sorgen.
  • Die Beinvenen sind während der Schwangerschaft unter dem Einfluss des Hormons Progesteron geweitet und können das Blut deshalb weniger gut gegen die Schwerkraft in Richtung Herz leiten. Spezielle Übungen der Schwangerschaftsgymnastik können die Arbeit der Beinvenen unterstützen. Sie erleichtern den Blutfluss im Unterleib und beugen auf diese Weise der Entstehung von Krampfadern und Hämorrhoiden vor.
  • Die Zunahme der Brust ist eines der frühesten und deutlichsten Anzeichen für eine Schwangerschaft. Innerhalb weniger Wochen müssen viele Frauen von einem A- oder B-Körbchen auf ein C- oder D-Körbchen umsteigen. Natürlich sorgt die Zunahme der Brust auch für mehr Gewicht, das die Schwangere tragen muss. Das kann zu Verspannungen im Nacken-, Schulter- oder Rückenbereich führen. Hier können gymnastische Übungen die Muskulatur lockern und kräftigen.
  • Durch die veränderte Hormonsituation in der Schwangerschaft wird das Gewebe von Sehnen und Bändern im gesamten Organismus aufgelockert. Durch geeignete Übungen lässt sich vor allem die Muskulatur der Wirbelsäule kräftigen. Das kann nicht nur einem weitverbreiteten Schwangerschaftsleiden – den Rückenschmerzen – vorbeugen, sondern auch eine gute Haltung unterstützen und dem Rücken dabei helfen, den immer größer werdenden Babybauch zu tragen.
  • Viele Frauen merken erst bei der Schwangerschaftsgymnastik, dass sie überhaupt einen Beckenboden haben. Denn nicht alle Frauen schaffen es, dieses komplexe Muskelgeflecht, das den Körper nach unten hin abschließt und zugleich auch öffnet, bewusst zusammenzuziehen. Bereits vor der Geburt, vor allem aber auch danach kann gezielte Gymnastik den Beckenboden stärken. Auf diese Weise lässt sich Problemen wie Senkbeschwerden und Blasenschwäche vorbeugen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.06.2016
  • Autor/in: vitanet.de; Nina Prell, Medizinredakteurin
  • Quellen: Berufsverband der Frauenärzte: Sport in der Schwangerschaft: Schwangerschaftsgymnastik (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_sport-in-der-schwangerschaft-schwangerschaftsgymnastik_178.html)