Der Mutterpass: Dokumentation der Schwangerschaft

Jede Schwangerschaft ist anders. Deshalb legt der Frauenarzt oder die Hebamme bei der ersten Vorsorgeuntersuchung den Mutterpass an, um den Verlauf der Schwangerschaft genau verfolgen zu können. Darin sind alle wichtigen, die Schwangerschaft betreffenden Informationen zusammengetragen. Schwangere haben ihn am besten immer dabei, wenn sie das Haus verlassen.

Wichtiger Bestandteil des Mutterpasses: das Gravidogramm

Das sogenannte Gravidogramm ist ein wichtiger Bestandteil des Mutterpasses. Dabei handelt es sich um eine Tabelle, die bei jeder Vorsorgeuntersuchung vom Frauenarzt oder der Hebamme fortgeführt wird. Neben Datum und Schwangerschaftswoche werden folgende Daten in die einzelnen Spalten von links nach rechts eingetragen:
  • Fundusstand: Er besagt, wo der obere Rand der Gebärmutter zu ertasten ist. Der Arzt oder die Hebamme misst mit einem Querfinger (QF) als Maßeinheit den Abstand der Gebärmutter von Schambeinknochen (S), Nabel (N) oder Rippenbogen (Rb). So bedeutet „N+ 2QF“ im Mutterpass zum Beispiel „zwei Querfinger über dem Nabel“.
  • Kindslage: Den meisten werdenden Müttern ist das Gefühl bekannt, wenn sich ihr Kind in der Gebärmutter bewegt. Je näher die Geburt rückt, desto wichtiger wird die Bestimmung der Kindslage. Man unterscheidet zwischen SL=Schädellage, BEL=Beckenendlage und QL=Querlage.
  • Herztöne: Wie das kindliche Herz schlägt, ist entweder mit dem Stethoskop zu hören oder auf dem Ultraschall zu erkennen und zu hören: Und das tut es mit einer doppelt so hohen Frequenz wie bei einem Erwachsenen – etwa 120 bis 160 Schläge pro Minute.
  • Kindsbewegungen: Die werdende Mutter spürt die Bewegungen ihres Kindes meistens erst zwischen der 18. und der 24. Schwangerschaftswoche. Auf dem Ultraschallbild ist der Fötus jedoch schon früh gut zu erkennen.
  • Ödeme/Krampfadern: Treten in der Schwangerschaft Ödeme auf, also Wassereinlagerungen im Gewebe, wird das in das Gravidogramm im Mutterpass eingetragen – ebenso Krampfadern.
  • Gewichtskontrolle: Zwischen zehn und 15 Kilogramm beträgt eine normale Gewichtszunahme in der Schwangerschaft. In den ersten drei bis vier Monaten steigt das Gewicht nur langsam an, danach jedoch kontinuierlich immer stärker. Während untergewichtige Frauen während der Schwangerschaft etwas mehr zunehmen sollten, kann es bei Frauen mit Übergewicht ruhig ein bisschen weniger sein. Schlankheitskuren sind in dieser Zeit jedoch tabu.
  • Blutdruck: Indem der Blutdruck bei den Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig kontrolliert wird, soll die Entwicklung eines zu hohen Blutdrucks frühzeitig erkannt werden, um ihn – wenn nötig – mit Medikamenten behandeln zu können. Der Blutdruck gilt als zu hoch, wenn der obere (systolische) Wert über 140 oder der untere (diastolische) Wert über 90 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) liegt. Wenn eine Frau normalerweise einen niedrigen Blutdruck hat, müssen diese Werte für sie aber möglicherweise nach unten korrigiert werden.
  • Hämoglobin (Hb): Bei Frauen sollte der Wert des roten Blutfarbstoffs allgemein über 12 Gramm pro Deziliter (g/dl) liegen. Jedoch sinkt er in der Schwangerschaft häufig darunter. Dem kann entgegengesteuert werden, indem die werdende Mutter Eisenpräparate einnimmt. Werte unter 10 g/dl sollten auf jeden Fall vermieden werden, denn sie könnten sich negativ auf die Sauerstoffversorgung des Ungeborenen auswirken.
  • Sediment / bakteriologischer Befund: In diese vier Spalten kommen die Ergebnisse der Urinuntersuchung, die auf einen Harnwegsinfekt (Eiweiß, Nitrit, Blut) oder einen Schwangerschaftsdiabetes (Zucker) hinweisen können.
  • Vaginale Untersuchung: Hier stehen die Tastbefunde des Arztes. Er überprüft den Zustand des Muttermunds (Ist die Gebärmutter gut verschlossen oder hat sie sich schon leicht geöffnet?) und den Gebärmutterhals (Cervix). Im Mutterpass dokumentiert der Arzt Länge, Festigkeit und Stand des Gebärmutterhalses. Zudem kann er zur Bestimmung des Säuregehalts (pH-Wert) Sekret aus der Scheide entnehmen. Unter dem Mikroskop kann er außerdem prüfen, ob im Sekret Bakterien erkennbar sind, die nicht zur normalen Schleimhautflora gehören.
  • Risiko-Nummer nach Katalog B (rote Spalte): In dieser Spalte vermerkt der Arzt oder die Hebamme bestimmte Risiken, jeweils unterteilt in Nummer A (frühere Krankheiten oder Besonderheiten bei früheren Schwangerschaften) oder Nummer B (jetzige Schwangerschaft). Im Gravidogramm stehen nur Nummern, Erläuterungen dazu findet die Schwangere im Mutterpass.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.06.2016
  • Autor/in: vitanet.de; Nina Prell, Medizinredakteurin
  • Quellen: Berufsverband der Frauenärzte: Schwangerenvorsorge: Mutterpass (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_der-mutterpass-hintergrund_959.html)
  • Murkoff, Heidi / Mazel, Sharon (2012): Schwangerschaft und Geburt: Alles, was Sie wissen müssen
  • Largo, Remo / Huch, Renate (2008): Schwangerschaft, Geburt & erste Baby-Monate
  • Stauber, Manfred / Weyerstahl, Thomas (2007): Gynäkologie und Geburtshilfe