Die Phasen der Geburt

Eine „normale“ Geburt besteht aus vier (beziehungsweise drei) Geburtsphasen:

  1. der Eröffnungsphase
  2. der Übergangsphase (kann auch zur Eröffnungsphase gezählt werden)
  3. der Austreibungsphase
  4. der Nachgeburtsphase

Im Folgenden werden diese Geburtsphasen für den Fall einer „idealtypischen“ Geburt beschrieben. Meistens folgt das Leben jedoch keinem bestimmten Ablaufschema, weshalb es hier eine große Variationsbreite gibt.

Erste Geburtsphase: die Eröffnungsphase

Diese Geburtsphase dauert bei jeder Entbindung unterschiedlich lang. Den Beginn der Phase stellen die ersten echten Wehen dar, bei denen sich die Gebärmutter in regelmäßigen Abständen zusammenzieht. Gerade bei Frauen, die ihr erstes Kind bekommen, kann sich die Eröffnungsphase über viele Stunden, gelegentlich sogar bis zu einen halben Tag hinziehen. Meistens spürt die Schwangere die immer intensiver werdenden Wehen besonders im Unterbauch, manchmal aber auch im unteren Rücken.

In dieser Geburtsphase erleben manche werdenden Mütter ein Gefühl von Hilflosigkeit und Ausgeliefertsein, denn sie meinen, die Wehen kontrollieren zu müssen. Das ist aber gar nicht notwendig – es ist auch nicht möglich, da der Körper Reflexen folgt, die sich nicht willentlich beeinflussen lassen. Am besten sollte die Gebärende versuchen, sich den Wehen einfach hinzugeben und nicht gegenzusteuern. In der Eröffnungsphase kann es sich die Schwangere auf dem Sofa oder im Bett gemütlich machen. Viele Frauen fühlen sich jedoch deutlich besser, wenn sie zwischen den einzelnen Wehen aufstehen und herumlaufen.

Der Gebärmutterhals verkürzt sich in dieser Geburtsphase und wird weich. Anschließend fängt der Muttermund an, sich zu öffnen – am Ende der Eröffnungsphase ist er etwa zehn Zentimeter weit. Während die Wehen anfangs etwa im Abstand von einer Viertelstunde kamen, treten sie inzwischen bereits alle zwei bis vier Minuten auf und werden immer intensiver.

Zweite Geburtsphase: die Übergangsphase

Die Übergangsphase ist für die Frau schwierig, da sich der Muttermund nun schon fast vollständig geöffnet hat und sie das Gefühl hat, mithelfen zu müssen. Andererseits sollte die Gebärende so lange mit dem Pressen warten, bis die Hebamme ihr das Signal dafür gibt. Die meisten Schwangeren nehmen diese Geburtsphase als besonders schmerzhaft war. Viele empfinden es so, als seien sie gar nicht sie selbst: Sie schimpfen, fluchen und schreien – oft ohne sich nach der Geburt daran erinnern zu können. Doch keine Sorge: Ärzte und Hebammen kennen solche Verhaltensweisen gut und nehmen es der Gebärenden nicht übel.

In der Übergangsphase fühlen sich die Wehen anders an als in der Eröffnungsphase: Während sie zuvor noch wellenartig angestiegen und wieder abgeebbt sind, können sie in der zweiten Geburtsphase mehrere Höhepunkte erreichen. Diese besonders intensive Phase der Geburt dauert in den meisten Fällen nur wenige Minuten, selten länger als eine halbe Stunde. Am Ende der Übergangsphase ist der Muttermund vollständig geöffnet und der Kopf des Babys tief in das Becken gesunken. Jetzt dauert es nur noch Minuten, bis das Baby zur Welt kommt.

Auch in der Übergangsphase muss die Gebärende nicht unbedingt im Bett liegen – es sei denn, sie möchte es. Alternativ kann sie herumlaufen, sich zwischen den Wehen auf der Bettkante ausruhen, in die Hocke gehen oder sich von ihrem Partner den Rücken massieren lassen, wie er es im Geburtsvorbereitungskurs gelernt hat. Manche Frauen empfinden es auch als angenehm, wenn sie sich im Vierfüßlerstand auf Knie und Ellenbogen stützen. Erfahrene Hebammen empfehlen werdenden Müttern, in dieser Geburtsphase besonders daran zu denken und darauf zu vertrauen, dass sie ihr Baby aus eigener Kraft zur Welt bringen können.

Dritte Geburtsphase: die Austreibungsphase

Nach der Übergangsphase, die sehr anstrengend war und an den Kräften gezehrt hat, empfinden Frauen die Austreibungsphase häufig als weniger intensiv und schmerzhaft: In dieser Geburtsphase kommen die Wehen wie Flutwellen und sind mit einem kraftvollen Drang verbunden, das Kind aus der Scheide herauszuschieben. Die Hebamme leitet die werdende Mutter an, wann sie pressen soll, damit der stark strapazierte Damm dem Druck standhält.

Ist ein Dammschnitt nötig, spüren die meisten Gebärenden diesen gar nicht, da der Schnitt genau am Höhepunkt einer Presswehe gesetzt wird. Wenn der Kopf des Babys erst einmal zu sehen ist, hat die werdende Mutter die schwerste Arbeit bereits hinter sich gebracht. Schnell folgen auch die Schultern, der Körper und die Beine. Dann schreit das Kind zum ersten Mal und fängt an, selbstständig zu atmen.

Vierte Geburtsphase: die Nachgeburtsphase

Wenn das Baby das Licht der Welt erblickt hat, ist die Geburt noch nicht ganz vorbei: Erst muss die Gebärmutter noch die Plazenta abstoßen, die das Kind im Mutterleib mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt hat. Das dauert meistens ein paar Minuten, gelegentlich auch eine halbe Stunde. Die Gebärmutter zieht sich dann wehenartig zusammen, die Plazenta löst sich von der Gebärmutterwand ab und rutscht anschließend durch die Scheide nach draußen.

Indem die Frau in die Hocke geht oder steht, kann sie diesen Prozess unterstützen. Durch letzte Wehen ziehen sich die Gebärmutter und die Blutgefäße, die sie versorgen, zusammen, damit es nicht zu Blutungen kommt. Wenn es bei der Entbindung zu Verletzungen gekommen ist oder ein Dammschnitt nötig war, wird die Wunde nun medizinisch versorgt.

Im Anschluss wird die Plazenta auf Vollständigkeit untersucht, um sicherzustellen, dass keine Teile davon in der Gebärmutter verblieben sind. Dann wird sie gewogen – das Gewicht der Plazenta beträgt ungefähr ein halbes Kilogramm und ihr Aussehen ähnelt dem eines großen Stücks Leber.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.06.2016
  • Autor/in: vitanet.de; Nina Prell, Medizinredakteurin
  • Quellen: Berufsverband der Frauenärzte: Geburt (http://www.frauenaerzte-im-netz.de/de_geburt_88.html)
  • Murkoff, Heidi / Mazel, Sharon (2012): Schwangerschaft und Geburt: Alles, was Sie wissen müssen
  • Largo, Remo / Huch, Renate (2008): Schwangerschaft, Geburt & erste Baby-Monate
  • Stauber, Manfred / Weyerstahl, Thomas (2007): Gynäkologie und Geburtshilfe