Masern, Mumps und Co.: Kinderkrankheiten im Überblick

Kinderkrankheiten sind Infektionserkrankungen. Da die Krankheitserreger (Viren oder Bakterien) in der Regel hoch ansteckend sind, erkranken Menschen meistens im Kindesalter. Die gute Nachricht: Nach einer Erkrankung sind Betroffene in der Regel ihr gesamtes Leben gegen die Erreger immun.

Krankes Kind mit Mutter © Thinkstock
Die schlechte Nachricht: Werden Menschen von den Erregern nicht im Kindesalter befallen, können sie auch als Erwachsene Kinderkrankheiten bekommen – und oft ist der Krankheitsverlauf dann dramatischer. Durch rechtzeitige Schutzimpfungen können diese Erkrankungen in der Regel zuverlässig vermieden werden. Erfahren Sie im Folgenden mehr über Masern, Mumps und Co.

Hämophilus influenzae Typ b (Hib)

Hämophilus influenzae ist ein Bakterium, das sich bei einem Großteil der Bevölkerung im Nasen-Rachen-Raum befindet. Ein Subtyp dieses Bakterienstammes, das Bakterium Hämophilus influenzae Typ b (Hib), ist besonders gefährlich, da es eine Schutzkapsel besitzt und so gegen das Immunsystem des Menschen geschützt ist.

Hib wird durch Tröpfcheninfektion, also zum Beispiel durch Husten oder Niesen, übertragen. Besonders Kinder vor dem fünften Lebensalter sind gefährdet, an einer Infektion mit Hämophilus influenzae Typ b zu erkranken.  

Eine Hib-Infektion kann Folgeerkrankungen auslösen. Dazu zählen nicht nur Entzündungen im Nasen-Rachen-Raum und Kehldeckelentzündungen (Epiglottitis), sondern auch eitrige Hirnhautentzündungen (Meningitis). Diese Erkrankungen können unter Umständen das Leben des Infizierten gefährden. Um sich vor Hib zu schützen, empfiehlt das Robert Koch-Institut, eine Impfung bei Säuglingen mit zwei Lebensmonaten zu beginnen.

Keuchhusten (Pertussis)

Keuchhusten wird durch das Bakterium Bordetella pertussis übertragen. In der Regel verläuft die Erkrankung in drei Stadien: Zunächst entwickeln sich beim Infizierten grippeähnliche Symptome, wie etwa Schnupfen und Husten (Stadium catarrhale). Dann, circa zwei Wochen später, plagen den Betroffenen starke Hustenattacken, durch die er in Luftnot gerät und dabei zu keuchen beginnt (Stadium convulsivum). Nach etwa vier bis sechs Wochen klingen die Hustenanfälle allmählich ab (Stadium decrementi).  

Erkranken Säuglinge an Keuchhusten, können lebensgefährliche Atemstillstände (Apnoen) ausgelöst werden. Um Kinder vor dem Bakterium zu schützen, sollten sie nach dem zweiten Lebensmonat eine Impfung erhalten.

Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Kinderlähmung ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren übertragen wird. Die Viren werden durch Tröpfchen- und Schmierinfektion weitergegeben, also zum Beispiel durch Niesen, Husten oder kontaminierte Gegenstände. Liegt die Infektion länger zurück, befallen Polioviren Mitmenschen durch Schmierinfektionen, zum Beispiel wenn eine mit Viren in Kontakt gekommene Hand zum Mund geführt wird.  

Ein bis zwei Wochen nach der Ansteckung können grippeartige Symptome und Rachenbeschwerden auftreten. Haben die Viren das Nervensystem befallen, lösen sie unter Umständen eine Hirnhautentzündung oder Muskellähmungen aus. Schutz vor Kinderlähmung bietet eine Impfung, die im zweiten Lebensmonat erfolgen sollte.

Masern (Morbili)

Masern werden durch Viren übertragen. Die Erreger verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion, also zum Beispiel durch Niesen oder Husten.  

Die Erkrankung verläuft in zwei Stadien: Etwa acht bis zehn Tagen nach der Infektion mit Masern-Viren treten grippeartige Symptome wie Fieber, Schnupfen und Abgeschlagenheit auf (Prodromalstadium). Beim Infizierten können weiße, kalkspritzerartige Flecken auf der geröteten Mundschleimhaut entstehen.

Im Folgenden breitet sich schließlich der typische Masernausschlag mit großen roten Flecken aus. Er beginnt meistens hinter den Ohren und kann den gesamten Körper befallen (Exanthemstadium). Nach etwa fünf bis sieben Tagen bildet sich der Ausschlag zurück.

Schutz gegen Masern bietet eine Impfung, die ab dem elften Lebensmonat erfolgen sollte.

Mumps

Mumps ist eine Infektionskrankheit. Die Viren werden durch Tröpfcheninfektion, also zum Beispiel durch Husten oder Niesen, weitergegeben.  

16 bis 18 Tage nach der Infektion tritt Fieber auf. Die Drüsen zwischen Ohr und Unterkiefer, die sogenannten Ohrspeicheldrüsen, schwellen an, sodass sich die für Mumps typischen „Hamsterbacken“ bilden. Die Erkrankung klingt in der Regel nach drei bis acht Tagen wieder ab. Um einer Erkrankung vorzubeugen, sollte ab dem elften Lebensmonat eine Schutzimpfung erfolgen.

Röteln

Röteln-Viren können durch Sekrettröpfchen aus den Atemwegen, zum Beispiel durch Niesen, übertragen werden. Etwa 80 bis 90 Prozent der Rötelninfektionen treten bereits im Kindesalter auf.  

Zwei bis drei Wochen nach der Ansteckung treten Husten, Schnupfen und Fieber auf. Auch die Lymphknoten schwellen in der Regel an. Ein Hautausschlag mit erbsengroßen, rosaroten Flecken breitet sich schließlich aus: Im Gesicht beginnend, kann er den gesamten Körper befallen. Nach zwei bis drei Tagen klingt der Ausschlag ab. Zwar verläuft die Erkrankung an sich in den meisten Fällen harmlos – erkrankt jedoch eine schwangere Frau an Röteln, können die Viren Herz, Augen, Innenohr und Nervensystem des Ungeborenen schädigen.  

Um Röteln vorzubeugen, sollten Kinder bis zum zweiten Lebensjahr gegen die Viren geimpft werden. Frauen im gebärfähigen Alter sollten auch gegen Röteln-Viren geimpft sein, um bei einer Schwangerschaft das Kind nicht zu gefährden.

Ringelröteln

Ringelröteln werden durch das sogenannte Parvovirus B 19 verursacht. Es wird durch Tröpfcheninfektion (zum Beispiel beim Husten, Niesen oder Sprechen) oder durch direkten Kontakt, etwa beim Händeschütteln, übertragen.

Vor allem treten Ringelröteln im Kindesalter zwischen dem 5. und dem 15. Lebensjahr auf. Häufig verläuft die Infektion unbemerkt – Symptome zeigen nur zirka 15 bis 20 Prozent aller Infizierten. Erste Anzeichen der Erkrankung sind beispielsweise Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen. Später zeigt sich ein charakteristischer Hautausschlag – vor allem auf Wangen und Nase. Nach ein bis zwei Tagen breitet sich der Ausschlag girlandenförmig auf Arme und Beine aus. Die Flecken entwickeln sich anschließend zu blassroten Ringeln, von denen die Virusinfektion ihren Namen hat.

Gefährlich kann die Erkrankung für das Ungeborene nicht-immuner Schwangerer werden, da es zu schweren Schädigungen des Babys kommen kann.

Scharlach

Verursacher von Scharlach sind Streptokokken der Gruppe A (Streptococcus pyogenes), also Bakterien. Sie verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion. Typische erste Anzeichen für die Infektion sind plötzliche Halsschmerzen und Fieber. Hinzu kommen oft Übelkeit und Erbrechen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost. Später erscheint der für Scharlach typische Ausschlag, der aus bis zu stecknadelkopfgroßen roten Flecken besteht. Ausgehend vom Oberkörper breitet er sich über den gesamten Körper aus. Als weiteres typisches Scharlach-Symptom zeigt sich die sogenannte Himbeerzunge.

Dreitagefieber

Beim Dreitagefieber handelt es sich um eine Viruserkrankung, von der vor allem Säuglinge und Kleinkinder bis drei Jahre betroffen sind. Die Krankheit wird durch das humane Herpesvirus Typ 6 (HHV-6) oder Typ 7 (HHV-7) ausgelöst, das sich durch Tröpfcheninfektion überträgt.

Als erstes Symptom tritt beim Dreitagefieber ganz plötzlich hohes Fieber auf, das über 40 Grad Celsius steigen kann. Meist dauert die Fieberphase drei Tage an, es können aber auch bis zu fünf Tage sein. Danach sinkt das Fieber schnell wieder ab und es tritt ein kleinfleckiger, blassroter Hautausschlag auf – besonders auf Rücken, Bauch und Brust. Weitere Symptome sind zum Beispiel Durchfall, Erbrechen oder Husten.

Eine mögliche Komplikation des Dreitagefiebers kann ein Fieberkrampf sein. Er tritt etwa bei jedem zehnten Patienten auf.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.05.2013
  • Autor/in: Charlott Drung, vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter;