Der Hirntod: Definition und Diagnostik

Was ist der Hirntod?

Eine – von Spendern und Angehörigen – häufig gestellte und zentrale Frage bezüglich der Organspende ist, wann der sogenannte Hirntod eingetreten ist und wie dieser festgestellt wird. Ärzte müssen sich bei der Hirntod-Diagnose an die 1997 von der Bundesärztekammer überarbeiteten Richtlinien und an das Transplantationsgesetz halten. Als Hirntod definieren die Medizin und der Gesetzgeber den „endgültigen, nicht behebbaren Ausfall der Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms“.

Wer stellt den Hirntod eines Patienten fest?

Laut Transplantationsgesetz (§5 Nachweisverfahren) müssen zwei qualifizierte Ärzte den Organspender unabhängig voneinander untersuchen, die weder an der Entnahme noch an der Übertragung der Organe beteiligt sind. Stellen beide den Hirntod fest, kann die Transplantation durchgeführt werden. Zudem müssen sie die Untersuchungsergebnisse genau dokumentieren. Diese Unterlagen dürfen bestimmte Personen einsehen, darunter der nächste Angehörige des Patienten. Ziel der Hirntod-Diagnose bei einer möglichen Organspende ist es, ein zweifelsfreies Bild vom Zustand des Patienten zu bekommen. Patienten, bei denen auch nur der geringste Verdacht auf eine erhaltene Bewusstseinsleistung besteht, müssen von der Hirntod-Diagnose ausgeschlossen werden.

Wenn ein Stillstand von Herz und Kreislauf eingetreten ist, genügt nach Ablauf von mehr als drei Stunden auch ein Arzt, um den Tod festzustellen. Diese Diagnosestellung ist jedoch von der Hirntod-Diagnose zu unterscheiden.

Wie läuft die Diagnosestellung bei Hirntod ab?

Bei Verdacht auf Hirntod muss zunächst die Ursache der tiefen Bewusstlosigkeit (Koma) geklärt werden, denn nicht bei jedem Koma ist das Gehirn unwiderruflich geschädigt. Erst wenn eine primäre oder sekundäre Hirnschädigung zweifelsfrei feststeht, darf die Hirntod-Diagnose eingeleitet werden.
  • Primäre Hirnschädigung: Das Gehirn ist direkt betroffen – beispielsweise durch eine schwere Kopfverletzung, starke Einblutungen ins Gehirn, Tumore oder Entzündungen.
  • Sekundäre Hirnschädigung: Die Hirnschädigung kommt durch Sauerstoffmangel zustande – beispielsweise nach einem Kreislaufstillstand.
Hinzu kommt die Feststellung folgender klinischer Syndrome:
  • Koma: Der Patient zeigt keinerlei hirnbedingte Reaktionen auf äußere Reize.
  • Ausfall der Hirnstammreflexe: Dazu zählen die Pupillenreaktion, fehlender okulozephaler Reflex (die Augen bleiben trotz Kopfbewegung durch den Arzt starr), der Hornhautreflex (fehlende Augenreaktion bei Berührung der Hornhaut), fehlende Schmerzreaktionen im Gesicht, fehlender Tracheal- und Pharyngealreflex (der Arzt kann keine Würgereflexe durch Reizung hervorrufen).
  • Ausfall der Spontanatmung: Durch einen sogenannten Apnoe-Test wird als letzte klinische Untersuchung der Hirnfunktion die Fähigkeit zur Eigenatmung festgestellt. Bei gesunden Menschen setzt die Eigenatmung ein, wenn der paCO2-Wert 60 mmHg (Kohlendioxid-Wert im arteriellen Blut) erreicht oder übersteigt. Setzt jedoch bei Erreichen oder Übersteigen dieses Wertes die Eigenatmung nicht ein, so herrscht Atemstillstand – ein Zeichen für den Ausfall des Hirnstamms. Die untersuchenden Ärzte müssen allerdings ständig eine ausreichende Sauerstoffversorgung des Patienten gewährleisten.
Es folgt dann im nächsten Schritt entweder die Einhaltung der Beobachtungszeit oder ergänzende apparative Untersuchungen zur Feststellung der Unumkehrbarkeit des Verlustes der Hirnfunktion.

Richtlinien für die Beobachtungszeit zur Hirntod-Diagnose:
  • Primäre Hirnschädigung: Erwachsene, Kinder über zwei Jahre: 12h
  • Sekundäre Hirnschädigung: Erwachsene, Kinder über zwei Jahre: 72h
  • Unabhängig von den Ursachen: Kinder unter zwei Jahren: 24h
  • Neugeborene: 72 h
Die ergänzenden apparativen Untersuchungen zur Hirntod-Diagnose, die je fakultativ durchgeführt werden:
  • Null-Linien EEG
  • Erlöschen von evozierten Potentialen (evoziert = durch einen Reiz ausgelöst)
  • angiographischer Nachweis des Zirkulationsstillstandes im Hirn
  • transkranieller dopplersonographischer Nachweis des Zirkulationsstillstandes im Hirn
  • Perfusionsszintigrafie
Erst am Ende all dieser Schritte steht die Diagnose Hirntod fest.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 18.05.2015
  • Autor/in: vitanet.de
  • Quellen: Arbeitskreis Organspende
  • Deutsche Stiftung Organtransplantation
  • Bundesverband der Organtransplantierten e.V
  • Eurotransplant (http://www.eurotransplant.org/)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Kurz & knapp – die wichtigsten Informationen zur Organ- und Gewebespende (https://www.organspende-info.de/kurz-knapp)
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