Zwangserkrankungen – Zwänge früh behandeln

Wer eine Zwangserkrankung hat, ist gefährdet, auch eine Depression zu entwickeln. Umso wichtiger ist es, die Krankheit früh zu therapieren.

Erbsen werden in eine Reihe gelegt © iStock
Eine Zwangserkrankung ist eine psychische Störung, deren wesentliche Kennzeichen wiederkehrende unerwünschte Gedanken oder zwanghafte Handlungen sind, die den Betroffenen über einen längeren Zeitraum beschäftigen. In den meisten Fällen treten die Zwangsgedanken gemeinsam mit Zwangshandlungen auf. Oftmals werden innere Zwänge auch von körperlichen Symptomen wie Anspannung, Schwitzen, Herzklopfen oder Zittern begleitet. Betroffene haben ein erhöhtes Risiko, zugleich an Depressionen zu erkranken – weshalb es besonders wichtig ist, die Erkrankung frühzeitig zu behandeln.

Rückzug aus dem Freundes- oder Familienleben

„Zwangsgedanken drängen sich Betroffenen immer wieder auf und haben oftmals aggressive, sexuelle oder belastende Inhalte. Die Inhalte drehen sich beispielweise um Infektionsängste oder die Vorstellung, sich oder andere zu verletzen“, berichtet Dr. Christa Roth‐Sackenheim, Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Psychiater (BVDP). „Typische Handlungen bei Zwangserkrankungen sind Kontrollzwang, Waschzwang, Ordnungszwang, Wiederholungszwang oder Zählzwang. Sowohl die Zwangshandlungen, als auch die Gedanken sind sehr zeitaufwändig und können viele Stunden am Tag in Anspruch nehmen. Dadurch kommt es zu einer deutlichen Abnahme der Leistungsfähigkeit und zu einem Rückzug aus dem Freundes‐ oder Familienleben. Dabei erhöht sich das Risiko, parallel eine Depression zu entwickeln – auch weil Zwangserkrankte in der Regel um die Unsinnigkeit ihres Handelns wissen, aber keinen ausreichenden Widerstand dagegen aufbringen können.“

Ursachen für Zwangserkrankungen noch nicht vollständig geklärt

Die Ursachen für Zwangserkrankungen sind noch nicht vollständig geklärt. Sie werden durch das Zusammenspiel unterschiedlichster Faktoren verursacht – etwa die Erziehung, genetische und biologische Einflüsse sowie die Art und Weise, wie ein Mensch gelernt hat, auf seine Umwelt zu reagieren. „Während gesunde Menschen in ihrem Gedankenfluss durch unangenehme oder unangebrachte Gedanken nicht weiter beeinflusst werden, berichten Zwangserkrankte von einem „Hängenbleiben“ an solchen Gedanken. Die persönliche Bewertung dieser Gedanken – beispielsweise als gefährlich – löst starke Ängste und Anspannung aus“, sagt die Psychiaterin und Psychotherapeutin. „Das Ausführen der Zwangshandlungen dient dann dazu, diese erlebte Angst und Anspannung zu reduzieren und ein Gefühl von Sicherheit oder Richtigkeit herzustellen. Aufgrund der dadurch eingetretenen Beruhigung erhöht sich in der Folge der Drang, das Zwangsverhalten wiederholt auszuführen, wodurch sich die Zwangsstörung verfestigt.“

Möglichst früh in ärztliche Behandlung begeben

Beim Großteil der Patienten treten erste Symptome bereits im Kindes‐ und Jugendalter auf. Aus Scham verbergen Betroffene in der Regel ihre Problematik, sodass die Störung häufig lange nicht einmal im engeren Freundeskreis auffällt. Menschen mit Zwängen leiden oftmals jahrelang an der Störung, bevor sie medizinisch behandelt werden. Personen, die unter Zwangshandlungen und ‐ gedanken leiden, sollten sich möglichst früh in ärztliche Behandlung begeben, da die Zwangsrituale sehr viel Zeit und Energie in Anspruch nehmen und dem Betroffenen ein normales Leben zunehmend unmöglich machen können. „Als Behandlungsmaßnahmen steht eine Verhaltenstherapie – gegebenenfalls unterstützt durch eine medikamentöse Behandlung – zur Verfügung. Die meisten Patienten profitieren langfristig davon und sind dadurch in der Lage, wieder selbstbestimmt leben zu können – selbst wenn manche Zwänge nicht vollständig verschwinden“, erklärt Dr. Roth‐Sackenheim.  

Zwangserkrankungen verlaufen ohne adäquate Behandlung meist chronisch, wobei die Intensität der Symptome schwanken kann. Bestimmte Zwänge können auch körperliche Folgen haben. So können sich durch einen Waschzwang etwa Hautekzeme bilden. Von der Zwangserkrankung sind zwei bis drei Prozent der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betroffen. Damit handelt es sich um die vierthäufigste psychische Störung.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.07.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de
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