Zervikalsyndrom (HWS-Syndrom): Ursachen und Risikofaktoren

Wenn Ihre Halswirbelsäulenbeschwerden durch einen kühlen Luftzug entstanden sind, dann brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen: Die Schmerzen verschwinden, wie sie gekommen sind.

Anders ist es, wenn Sie unter wiederkehrenden Verspannungen leiden. Sie sollten sich Gedanken machen, wodurch Ihr Zervikalsyndrom ausgelöst wird.

Ein Zervikalsyndrom (HWS-Syndrom) kann unterschiedlichste Ursachen haben. Störungen der gelenkigen Wirbelverbindungen der Halswirbelsäule, einseitige Haltung oder Bewegungen bei der Arbeit, frühere Verletzungen wie beispielsweise ein Schleudertrauma oder psychischer Stress sind häufige Auslöser der Nacken- und Schulterschmerzen.
Ungünstig wirkt sich die Arbeit am Computer aus, die ohne Pausen verrichtet wird. Das Gleiche gilt für lange Autofahrten. Während eine gemischte Bürotätigkeit – beispielsweise Schreibtischarbeit mit Arbeiten am PC, Ablagen, Telefonaten, Besprechungen und Diktaten – die Wirbelsäule nicht übermäßig beansprucht, leiden Personen, deren Aufgabe darin besteht, Daten zu erfassen, ausschließlich Texte zu schreiben oder monotone Montagearbeiten zu verrichten, besonders häufig unter Schmerzen des Nackens und der Schultern. Eine Ursache ist die einseitig statische Körperhaltung.

Solange der einseitigen Belastung körperliche Bewegung – beispielsweise in einer Gymnastikgruppe oder einem Sportverein – gegenübersteht, lässt sich die berufliche Beanspruchung kompensieren. Fehlt der Ausgleich, dann nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, unter Muskelverspannungen zu leiden.
Ein ergonomischer Arbeitsplatz verhindert keine Schmerzen
Ergonomisch heißt nicht gleichzeitig orthopädisch einwandfrei. An einem ergonomisch optimalen Arbeitsplatz sind die Arbeitsabläufe ergonomisch (arbeitswissenschaftlich) gestaltet und weitgehend standardisiert. Scheinbar unnötige Handgriffe und Bewegungen wurden so weit wie möglich ausgeschaltet. Kurzfristig steigert diese rationale Arbeitsorganisation die Effizienz. Längerfristig ist die Beschränkung auf wenige Arbeitsgänge aus orthopädischer Sicht kritisch zu beurteilen, da das Bewegungsbedürfnis des Körpers ignoriert wird. Während einzelne Muskeln überbeansprucht werden, sind andere Muskelgruppen unterfordert. Als direkte Folge entstehen schmerzhafte Verkrampfungen.

Psychische Ursachen

Menschen, die unter starkem beruflichem Stress stehen, sind oft sehr angespannt. Innere Verspannung – auch in Kombination mit einer einseitigen Belastung am Arbeitsplatz – kann zu Verspannungen im Rücken und vor allem im Schulterbereich führen. Auch andere psychische Belastungen wie Sorge oder Trauer können Muskelverspannungen und Rückenschmerzen auslösen.
Info
Wenn Sie wegen Ihrer Rückenschmerzen in ärztlicher Behandlung sind, sollten Sie mit Ihrem Arzt offen über eventuelle psychische Belastungen sprechen. Nur so kann Ihr Zervikalsyndrom (HWS-Syndrom) zielgenau therapiert und eventuelle unnötige Behandlungen vermieden werden.

Weitere mögliche Ursachen

Nackenverspannungen können auch durch eine falsche Kopflagerung beim Schlafen aufgrund eines ungünstigen Kopfkissens oder Matratze ausgelöst werden. Ein gutes Nackenstützkissen, das den Kopf in eine natürlichere Haltung beim Schlaf bringt, kann Abhilfe verschaffen. Allerdings gibt es keine wissenschaftlich abgesicherten Daten, die eine Überlegenheit von Spezialkissen gegenüber normalen Kissen zeigen. Auch hier gilt: Benutzen Sie das Kissen, das Ihnen am bequemsten erscheint.

Ein HWS-Syndrom kann als Spätfolge von früheren Verletzungen wie beispielsweise nach einem Schleudertrauma (etwa nach einem Auffahrunfall mit dem Auto) oder Sportverletzungen auftreten. Die Beschwerden können sich erst Jahre nach dem eigentlichen Unfall einstellen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.09.2014
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
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