Wurmerkrankungen

Würmer – medizinisch als Helminthosen bezeichnet – gehören zu den Parasiten. Es gibt einige Wurmarten, die auch den Menschen befallen können. In Europa können das Madenwürmer (Oxyuren), Spulwürmer (Ascariden) oder Bandwürmer (Zestoden) sein.

Die Ansteckung erfolgt etwa über mit Eiern verunreinigte Lebensmittel (zum Beispiel rohes beziehungsweise halbgares Fleisch) oder Gegenstände beziehungsweise Finger, die anschließend in den Mund genommen werden. Auf diese Weise gelangen die Eier in den Verdauungstrakt.

In tropischen Gebieten kann es außerdem zu einer Infektion mit Fadenwürmern – sogenannten Filarien – kommen. Die als Filariosen bezeichneten Wurmerkrankungen werden durch unterschiedliche Arten von Fadenwürmern verursacht. Diese können sich unter der Haut, im Bindegewebe oder in Blut- und Lymphgefäßen festsetzen. Filariosen werden meist durch Mücken- oder Bremsenstiche übertragen. Der sogenannte Medinawurm, Auslöser der Dracontiasis, die mit Geschwürbildung einhergeht, verbreitet sich über das Trinkwasser.

Symptome und Krankheitsverlauf bei Wurmerkrankungen

Es können aufgrund der verschiedenen Infektionsarten unterschiedliche Beschwerden und Krankheitsbilder auftreten. Infektionen mit Madenwürmern verlaufen normalerweise harmlos – und oft unbemerkt. Denn außer einem Jucken am Po, verursacht durch am After abgelegte Eier, zeigen sich meist keine Beschwerden. Möglich sind außerdem durch das nächtliche Jucken bedingte Schlafstörungen sowie Tagesmüdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.

Beschwerden, die bei einem Befall mit Spul- und Bandwürmern auftreten können, sind beispielsweise Appetitlosigkeit oder Heißhungerattacken, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen, Übelkeit, Husten, Atembeschwerden, Fieber, Kopfschmerzen sowie allgemeines Unwohlsein. Bei Spulwürmern kann es in schweren Fällen auch zu einer Blinddarmentzündung oder einem Darmverschluss kommen. Besonders gefährlich können der Hundebandwurm (Echinoccocus granulosus) und der Fuchsbandwurm (Echinoccocus alveolaris) werden: Ihre Larven können in Gehirn, Lunge und Leber eindringen – das kann zum Beispiel zu einem tödlichen Leberversagen führen. Tückisch: Zwischen Infektion und den ersten Krankheitssymptomen können zehn Jahre vergehen.

Bei Infektionen mit Fadenwürmern treten wiederum andere Symptome auf: So schwellen bei einer Lymphatischen Filariose – auch Elephantiasis genannt und durch Wuchereria bancrofti oder malayi hervorgerufen – Gliedmaßen, Genitalien und auch andere Körperteile grotesk an. Der Grund: Die Fadenwürmer verstopfen die Lymphgefäße, wodurch der Lymphabfluss behindert wird. In einem anderen Fall treten durch die sogenannte Flussblindheit (Onchozerkose, durch Onchocerca volvulus ausgelöst) Hautknoten und andere Hautveränderung auf. Im weiteren Verlauf kann es zu Augenstörungen und Blindheit kommen.

Diagnose und Behandlung bei Wurmerkrankungen

Manche Wurmarten wie etwa Spulwürmer lassen sich mithilfe einer Stuhlprobe nachweisen. Eine weitere Möglichkeit ist, mit einem gewöhnlichen Klebestreifen einen Abstrich von der Afterhaut zu nehmen. Dieser lässt sich anschließend unter dem Mikroskop auf mögliche Wurmeier untersuchen. Der Hunde- beziehungsweise Fuchsbandwurm lässt sich mithilfe einer Blutuntersuchung und Ultraschall nachweisen.

Konnte der Arzt feststellen, um welche Wurmart es sich handelt, setzt er gezielt Medikamente zur Abtötung der Parasiten und deren Larven im Körper ein. Die toten Würmer und Larven werden dann einfach ausgeschieden. Beim Hunde- oder Fuchsbandwurm kann eine Operation erforderlich sein.

Bei Filariosen kann es auch zu offene Wunden kommen. Diese werden mit ausreichender Hygiene und Desinfektion behandelt, um eine weitere bakterielle Infektion zu verhindern. Zudem können Druckbandagen zur Minderung von Schwellungen angelegt werden.

Wurmerkrankungen vorbeugen

Es gibt keine Schutzimpfung gegen Wurmerkrankungen. Jedoch lässt sich durch bestimmte andere Maßnahmen vorbeugen:
  • Mehrmals täglich – vor allem vor dem Essen und nach dem Stuhlgang – die Hände waschen
  • Salat, Gemüse und Obst immer gründlich waschen
  • Fleisch und Fisch möglichst nicht roh oder halbgar essen
  • Haustiere regelmäßig entwurmen
  • Spielsachen von Kindern, die sie auch im Freien benutzen, regelmäßig mit heißem Wasser und Spülmittel oder in der Spülmaschine reinigen
In den Tropen hilft als Prävention zum einen ein effektiver Mückenschutz: Dazu zählt das Tragen von langen Oberteilen und Hosen sowie ein geeignetes Mückenschutzmittel für die Haut. Ein Moskitonetz für das Bett ist empfehlenswert. Zum anderen eine gründliche Wasserhygiene: Verwenden Sie Wasser nur aus abgepackten und ungeöffneten Flaschen und verzichten Sie auf Eiswürfel im Getränk. Das Baden in ausgewiesenen Filariosegebieten sollten Sie unterlassen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.06.2015
  • Autor/in: vitanet.de; Nina Prell, Medizinredakeurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: Wurmerkrankungen (http://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/wurmerkrankungen/#c694)
  • Graefe, Karl Heinz/ Lutz, Werner K./Bönisch, Heinz (2011): Duale Reihe Pharmakologie und Toxikologie
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Spulwürmer (http://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/wuermer/spulwuermer/)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Madenwürmer bei Kindern (http://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/wuermer/madenwuermer/)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Hunde- und Fuchsbandwurm (http://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/wuermer/hunde-und-fuchsbandwurm/)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Rinderbandwurm (http://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/wuermer/rinderbandwurm/)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Die wichtigsten Informationen zu Wurmerkrankungen (http://www.kindergesundheit-info.de/themen/krankes-kind/contentbox/vorbeugen-behandeln/)
  • Etlik, Ömer et al.: Coincidence of echinococcus alveolaris and granulosus infections in the same liver (http://www.ejgm.org/upload/sayi/1004/EJGM-00037.pdf)
  • Robert Koch-Institut: Steckbriefe seltener und importierter Infektionskrankheiten (http://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/Steckbriefe/Steckbriefe_120606.pdf?__blob=publicationFile)
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