Wundstarrkrampf (Tetanus)

Der Wundstarrkrampf ist eine durch Bakterien vom Typ Clostridium tetani beziehungsweise deren Giftstoffe (Toxine) ausgelöste Erkrankung. Diese Bakterien sind in der Umwelt weit verbreitet, zum Beispiel in Schmutz, Straßenstaub oder Erde, aber auch in Fäkalien von Menschen und Tieren. Daher ist es kaum möglich, ihnen aus dem Weg zu gehen.

Die Infektion erfolgt meist durch verschmutzte kleine Verletzungen oder im Gewebe verbliebene Fremdkörper wie zum Beispiel Dornen oder Splitter. Dabei müssen die Wunden nicht offen sein – auch Bagatellverletzungen, die äußerlich kaum sichtbar sind, können dazu führen, dass sich der Betroffene infiziert. Eine Infektion mit Tetanus-Bakterien kann nur über eine Verletzung der Haut oder Schleimhaut erfolgen: Ein Mensch, der an Tetanus erkrankt ist, kann also keinen anderen Menschen anstecken.

Symptome von Tetanus

Bei einer Tetanus-Infektion treten in der Regel bereits vier bis 14 Tage nach der Ansteckung schleichend erste Beschwerden auf – etwa ein allgemeines Krankheitsgefühl, Schweißausbrüche und Schlafstörungen. Anschließend kommt es zu Krämpfen der Muskulatur. Diese beginnen im Gesicht, meist in der Kaumuskulatur. Die Folge: Der Erkrankte kann den Mund nur noch begrenzt, manchmal sogar gar nicht mehr öffnen (Kieferklemme). Typisch ist ein charakteristischer Gesichtsausdruck, der einem starren Lächeln ähnelt (Risus sardonicus). Hinzu kommen Trink- und Schluckstörungen, die es dem Patienten zunehmend unmöglich machen, zu schlucken oder zu sprechen. Nach und nach breiten sich die Muskelanspannungen dann auf den gesamten Körper aus. Der Betroffene bekommt anfallartige, sehr schmerzhafte Muskelkrämpfe, die durch äußere Reize (zum Beispiel Berührungen oder Geräusche) ausgelöst werden können.

Komplikationen beim Wundstarrkrampf

Die außergewöhnlich starken Muskelkrämpfe bei einem Wundstarrkrampf können Knochenbrüche zur Folge haben – zum Beispiel im Bereich der Wirbelsäule. Bei Krämpfen der Darm- und Blasenmuskulatur kann es dazu kommen, dass der Patient Verstopfung bekommt und keinen Urin mehr lassen kann. Wenn die Atemwege betroffen sind, ist zum Beispiel eine Lungenentzündung, Sekretstau oder Atemnot möglich. Im schlimmsten Fall erstickt der Betroffene sogar. Tetanus kann auch zu Schädigungen des Herzens führen, sodass Rhythmusstörungen, Kammerflimmern oder ein Herzstillstand auftreten. Auch bei moderner Intensivtherapie endet ein Wundstarrkrampf in 10 bis 20 Prozent der Fälle tödlich. Bei schlechterer Versorgung sterben noch deutlich mehr Tetanus-Patienten.

Diagnostik bei Tetanus

Im Normalfall kann der Arzt die Diagnose Wundstarrkrampf bereits anhand der charakteristischen Krankheitszeichen stellen. Als eindeutige Symptome gelten steife Muskeln oder Muskelkrämpfe nach einer Wundverletzung. Der Arzt wird bei der Diagnostik auch versuchen, andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen – zum Beispiel eine beginnende bakterielle Hirnhautentzündung (Meningitis) oder tonische epileptische Anfälle.

Therapie eines Wundstarrkrampfs

Ziel der Therapie von Tetanus ist es, den Patienten durch eine intensivmedizinische Versorgung am Leben zu erhalten, die Vermehrung der Erreger und die Ausbreitung des Gifts zu verhindern sowie die Muskeln wieder zu entspannen.

Um das Gift zu neutralisieren, das noch in der Blutbahn kreist, spritzt der Arzt dem Patienten Tetanus-Antikörper, sogenanntes Tetanus-Immunglobulin (passive Immunisierung). Zudem schneidet er die Wunde großzügig aus, damit genug Sauerstoff darankommt. Denn in einer sauerstoffreichen Umgebung fühlen sich Clostridien unwohl. Antibiotika sollen die verbliebenen Tetanusbazillen abtöten. Zusätzlich erhält der Patient eine Tetanus-Impfung, die für die Bildung körpereigener Antikörper sorgen soll (aktive Immunisierung). Wichtig sind im Zuge einer intensivmedizinischen Versorgung auch die Beatmung des Betroffenen und die Gabe krampflösender Medikamente. Außerdem kann der Erkrankte Beruhigungsmittel erhalten.

Je nach Menge der Erreger in der Wunde und des von ihnen produzierten Gifts kann die Wirkung des Toxins vier bis zwölf Wochen anhalten – entsprechend lange dauert auch die Behandlung bei Tetanus.

Impfung: Tetanus vorbeugen

Wer einmal einen Wundstarrkrampf hatte, ist deshalb nicht immun gegen eine erneute Ansteckung. Dafür ist eine Schutzimpfung notwendig. In der Regel wird die Grundimmunisierung als Kombinationsimpfung zusammen mit Keuchhusten und Diphtherie durchgeführt und ab dem zweiten Lebensmonat begonnen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.04.2012
  • Autor/in: Dr. med. Silke Brüggemann, MSc, Fachärztin für Orthopädie und Medizinjournalistin; Dr. med. Patricia Hänel, Ärztin und Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO)
  • Paul-Ehrlich-Institut
  • Centrum für Reisemedizin
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber für Ärzte: Tetanus
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (www.kinderaerzte-im-netz.de): Tetanus (Wundstarrkrampf)
  • Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (2008): Tetanus
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