Pflanzliche Mittel bei Wechseljahresbeschwerden: Traubensilberkerze, Soja, Rotklee

Seit einiger Zeit stehen die sogenannten Phytohormone – darunter Phytoöstrogene wie Isoflavone – hoch im Kurs. Sie haben den Ruf, wirksam und zugleich arm an Nebenwirkungen zu sein. Doch nach dem aktuellen Kenntnisstand sind entsprechende Nahrungsergänzungsmittel gegen Beschwerden in den Wechseljahren nicht empfehlenswert.

Phytohormone gegen Beschwerden in den Wechseljahren

Als sie anfingen, die Wirkung von Phytoöstrogenen zu untersuchen, gingen Forscher davon aus, einen positiven Einfluss auf Wechseljahresbeschwerden feststellen zu können. Denn es war gezeigt worden, dass Asiatinnen seltener Brustkrebs bekommen und weniger unter Beschwerden in den Wechseljahren leiden. Man vermutete, dass der Grund im höheren Verzehr von Sojaprodukten liegt. Soja enthält östrogenähnliche Stoffe, sogenannte Phytoöstrogene, die im Körper eine dem natürlichen Hormon ähnliche Wirkung hervorrufen.

Es gibt weitere Pflanzen, die andere, ebenfalls hormonähnliche, Stoffe enthalten – beispielsweise die Traubensilberkerze: Sie enthält eine Substanz, die verwandt mit Progesteron ist. Der Überbegriff für solche hormonähnlichen Stoffe, die in Pflanzen vorkommen, lautet Phytohormone.

Keine Wirkung von Phytohormonen bestätigt

Die Wirksamkeit von pflanzlichen Mitteln mit Phytohormonen gegen Beschwerden in den Wechseljahren konnte jedoch durch Studien nicht bestätigt werden. Nach Einschätzung des Krebsinformationsdienstes des Deutschen Krebsforschungszentrums ist sie angesichts der Studienlage vernachlässigbar. Außerdem konnte keine Schutzwirkung gegen Brustkrebs gezeigt werden – Nahrungsergänzungsmittel, die konzentrierte Phytoöstrogene enthalten, steigern das Brustkrebsrisiko möglicherweise sogar.

Es wird vermutet, dass vor allem der gesündere Lebensstil asiatischer Frauen für das niedrigere Brustkrebsvorkommen verantwortlich ist. Bei leichten Beschwerden – und wenn keine Hormonersatztherapie in Frage kommt – kann ein mehrmonatiger Versuch mit Pflanzenstoffen, nach Absprache mit dem Arzt, unternommen werden.

Nahrungsergänzungsmittel gegen Wechseljahresbeschwerden nicht empfehlenswert

Während Extrakte der Traubensilberkerze (Cimicifuga) in gegen Wechseljahresbeschwerden zugelassenen Arzneimitteln enthalten sind, werden Präparate mit konzentrierten Phytoöstrogenen – sogenannten Isoflavonen – als Nahrungsergänzungsmittel eingestuft. Da Isoflavone im Körper ähnlich wirken wie natürliche Östrogene, besteht der Verdacht, dass sie in entsprechender Konzentration auch ähnliche Nebenwirkungen hervorrufen können wie die Hormontherapie: unter anderem ein erhöhtes Brustkrebsrisiko.

Dagegen verhält sich der Wirkstoff aus der Traubensilberkerze lediglich östrogenartig und hat generell nicht dieselben Nebenwirkungen wie die Hormontherapie. Allerdings gilt bereits bestehender Brustkrebs als Gegenanzeige – als Nebenwirkung können schwere Leberschäden auftreten. Anzeichen einer Leberschädigung sind beispielsweise Gelbsucht, dunkler Urin, Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Appetitverlust oder Müdigkeit. Treten diese auf, sollte die Einnahme der Nahrungsergänzungsmittel sofort abgebrochen und ein Arzt aufgesucht werden.

Eine Klassifizierung als Nahrungsergänzungsmittel, wie es bei Präparaten mit Isoflavonen aus Soja oder Rotklee häufig der Fall ist, bringt es mit sich, dass Wirkung und mögliche Nebenwirkungen nicht umfassend untersucht wurden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) rät von der Einnahme solcher Nahrungsergänzungsmittel in einer Stellungnahme von 2007 generell ab. Es betont im Bezug auf Frauen in und nach der Menopause, die ohnehin ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, dass „die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen für diese Verbrauchergruppe nicht ohne Risiko“ sei.

Sojareiche Ernährung in den Wechseljahren sinnvoll

In der Stellungnahme heißt es weiter, dass der gegenwärtige Kenntnisstand nicht ausreiche, um Zufuhrempfehlungen für einzelne Stoffe geben zu können. Da in Bevölkerungsstudien der Verzehr von Sojaprodukten mit verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen verbunden war, werde eine Ernährung, die Sojaprodukte, Getreide, Gemüse und Obst reichlich enthält, empfohlen. Von der Einnahme entsprechender Nahrungsergänzungsmittel rate die Deutsche Gesellschaft für Ernährung jedoch ab.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.03.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Daniela Frank, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Risiko Brustkrebs – hormonelle Faktoren: Hormonspiegel, Geburten, Stillzeiten, Hormoneinnahme, Webauftritt des Deutschen Krebsforschungszentrums, Krebsinformationsdienst https://www.krebsinformationsdienst.de/tumorarten/brustkrebs/brustkrebsrisiken-familienplanung.php, Abruf am 18.05.2011
  • Für gesunde Frauen: Hormone nehmen gegen Wechseljahresbeschwerden?, Webauftritt des Deutschen Krebsforschungszentrums, Krebsinformationsdienst https://www.krebsinformationsdienst.de/themen/risiken/hormonersatztherapie1.php, Abruf am 18.05.2011
  • Frauen mit und nach Brustkrebs: Wechseljahresbeschwerden – was tun?, Webauftritt des Deutschen Krebsforschungszentrums, Krebsinformationsdienst http://www.krebsinformationsdienst.de/themen/risiken/hormonersatztherapie2.php, Abruf am 18.05.2011
  • Isolierte Isoflavone sind nicht ohne Risiko, Aktualisierte Stellungnahme Nr. 039/2007 des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom 3. April 2007 http://www.bfr.bund.de/cm/343/isolierte_isoflavone_sind_nicht_ohne_risiko.pdf
  • http://www.menopause-gesellschaft.de/mpg/downloads/Anwendungsempfehlung%20Patientin.pdf
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