Sexualtherapie in den Wechseljahren – Hilfe für Paare

Erkaltete Leidenschaft – mit diesem Problem haben junge wie alte Paare zu kämpfen. Die Jüngeren finden meistens eine einfache Lösung: Sie trennen sich. Auch bei älteren Paaren geht oft die Leidenschaft verloren, vor allem während der Wechseljahre (Klimakterium) der Frau. Jedoch trennen sich ältere Paare um die 50 weniger schnell als junge – dann kann eine Sexualtherapie helfen.

Paare, die schon viele Jahre miteinander leben, trennen sich oft nicht – auch wenn die Partnerschaft für beide nicht mehr erfüllend ist und das Sexualleben schon lange zum Erliegen gekommen ist. Zu zahlreich sind die gemeinsamen Verpflichtungen, zu groß ist die wirtschaftliche und soziale Abhängigkeit voneinander. Wollen Paare sich nicht im kargen Nebeneinander einrichten, müssen sie also nach anderen Wegen suchen. Eine Sexualtherapie kann in solchen Fällen helfen.

Libidoverlust oft Ausdruck von Enttäuschungen

Eine sehr erfolgversprechende Variante für Paare beziehungsweise Frauen in den Wechseljahren ist eine sexualmedizinische Behandlung, die am Institut für Sexualmedizin der Charité in Berlin entwickelt wurde: die syndyastische Sexualtherapie. Die Sexualmediziner verstehen unter syndyastisch beziehungsfestigend und bindungsstabilisierend. Das Verschwinden der Lust ist für sie meistens Ausdruck von Spannungen und Enttäuschungen in der Partnerschaft. Die syndyastische Sexualtherapie nutzt die Sexualität, um die Partner wieder füreinander zu öffnen.

„Anders als bei der klassischen Sexualtherapie ist das Ziel nicht allein die Wiederherstellung der Sexualfunktionen. Es geht viel mehr darum, die Partner in die Lage zu versetzen, sich Grundbedürfnisse nach Akzeptanz, Geborgenheit und Nähe durch sexuelle Körperkommunikation wieder erfüllen zu können“, erklärt Christoph Ahlers vom Institut für Sexualwissenschaft und Sexualmedizin der Charité.

Streicheln und Küssen fördern Verständnis füreinander

Ähnlich wie die klassische Sexualtherapie nach Masters and Johnson arbeitet aber auch die syndyastische Sexualtherapie mit Sensualitätsübungen: Die beiden Partner streicheln sich gegenseitig – zum Beispiel in Rücken- und Bauchlage – ohne dabei Genitalien, Brüste oder Po zu berühren. Erst nach und nach werden die Berührungen intimer. Die Partner lernen bei diesem Therapieansatz, dass Berührungen auf einzigartige Weise Nähe stiften können. Sie beginnen Verständnis füreinander zu entwickeln und merken: Streicheln und Küssen haben nicht allein den Zweck, den Geschlechtsverkehr vorzubereiten.

Manche Frau in den Wechseljahren hält sich und ihren Partner möglicherweise für zu alt für eine solche Sexualtherapie. Doch diesen Bedenken kann Ahlers vorbeugen: „Die Therapieform wendet sich ausdrücklich an Paare ab 40. Außerdem: Es gibt kein Lebensalter, in dem das Thema Sexualität keine Rolle spielt.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.03.2017
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin - Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Prof. Dr. Herbert Kuhl: Klimakterium, Postmenopause und Hormonsubstitution, Uni-Med Verlag Bremen, 2001
  • Dr. Susan Love, Karen Lindsey: Dr. Susan Love's Menopause
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