Psychische Beschwerden in den Wechseljahren

Kaum jemand wird behaupten, Beschwerden in den Wechseljahren (Klimakterium) seien in erster Linie durch die Psyche bedingt: Die Zusammenhänge zwischen hormonellen Veränderungen und vegetativen Beschwerden wie Hitzewallungen sind erwiesen. Auf der anderen Seite leiden viele Frauen in den Wechseljahren an psychischen Beschwerden. Was Sie dann tun sollten.

Ältere Frau schaut besorgt © Thinkstock
Die meisten Frauen in den Wechseljahren glauben, dass sie andere nicht mehr „schön“ finden. Diese pessimistische Aussage legt zumindest eine Studie der Freien Universität Berlin unter Frauen zwischen 45 und 55 Jahren nahe. Von den 230 Befragten hielten sich 75 Prozent zwar noch immer für gut aussehend, fünf Prozent meinten sogar, sie hätten in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen. Ganz anders fielen jedoch die Antworten in Bezug auf die Fremdeinschätzung aus: Über die Hälfte der Teilnehmerinnen fühlte sich im öffentlichen Ansehen eher abgewertet oder „bereits zum alten Eisen gezählt“. Auch andere Untersuchungen zu den Wechseljahren belegen: Viele Frauen im Klimakterium spüren in ihrer Umgebung nachlassende Aufmerksamkeit.

Das Gefühl, gering geschätzt zu werden, hinterlässt Spuren: Teilnehmerinnen, die sich von ihrer Umgebung nicht anerkannt fühlten, klagten meistens auch über ausgeprägtere Beschwerden im Bereich der Psyche.

Aktiver Lebensstil kann vor Wechseljahresbeschwerden schützen

Wechseljahresbeschwerden sind also auch eine Frage der Psyche und der Einstellung. Kraftvolle, zufriedene und dem Leben zugewandte Frauen leiden seltener unter Beschwerden in den Wechseljahren als eher ängstliche Typen. Oft leiden diejenigen Frauen am wenigsten unter klimakterischen Symptomen, die:
  • ein hohes Selbstwertgefühl haben
  • berufstätig und beruflich erfolgreich sind
  • sportlich aktiv sind
  • eine relativ niedrige Körpersensibilität besitzen
  • sexuell unverändert aktiv sind
  • sich als attraktiv empfinden
Offenbar scheint eine aktive Lebensführung einen gewissen Schutz vor Beschwerden in den Wechseljahren zu bieten. Hinzu kommt: Frauen, die zufrieden mit ihrem Leben sind – und das sind meistens die eher aktiven – reagieren oft anders auf die Beschwerden im Klimakterium. Hat eine Frau ein sehr ausgefülltes Berufsleben und fühlt sie sich auch familiär und partnerschaftlich einigermaßen glücklich, dann schenkt sie vorhandenen Symptomen wie Hitzewallungen, Reizbarkeit oder Ängstlichkeit nicht solche Beachtung.

Wechseljahre: Chance zur Neuorientierung?

Für einige Frauen sind die Wechseljahre sogar eine ausgesprochen positive Phase. Sie nutzen den Lebensabschnitt zur Neuorientierung. In der Regel handelt es sich allerdings um Frauen, die schon vor dem Klimakterium aufgeschlossen, selbstbewusst und selbstkritisch waren.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.03.2017
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin - Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet.de;
  • Quellen: Prof. Dr. Herbert Kuhl: Klimakterium, Postmenopause und Hormonsubstitution, Uni-Med Verlag Bremen, 2001
  • Dr. Susan Love, Karen Lindsey: Dr. Susan Love's Menopause
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