Ursachen und Risikofaktoren für Verstopfung (Obstipation)

Um bei einer Verstopfung (Obstipation) die richtige Therapie zu finden, ist es wichtig, den Auslöser für die Verdauungsbeschwerden zu identifizieren. Ursachen für Verstopfungen können sein:

  • Abführmittel: Zu hoch dosierte Abführmittel sind mögliche Auslöser eines akuten Kaliummangels. Dadurch kann die Darmmuskulatur beeinträchtigt und so die Verstopfung sogar noch verstärkt werden. Anstatt allzu schnell Abführmittel einzusetzen, sollte deshalb zuerst die Ursache der Verstopfung geklärt werden.
  • Psychische Faktoren: Einige Menschen reagieren mit Verstopfung, wenn sie in einer ungewohnten Umgebung sind. Manchmal verursacht die Verstopfung schon der Gedanke daran, eine fremde Toilette benutzen zu müssen. Wer Angst vor diesem Gedanken hat, unterdrückt häufig unbewusst den Stuhldrang. Auch stressgeplagte Menschen schaffen sich ihre Verstopfung manchmal selbst: Aus vermeintlichem Zeitmangel unterdrücken sie – ebenfalls unbewusst – den Toilettengang.
  • Darmträgheit: Ein gestörtes Bewegungsvermögen des Darms ist ebenfalls eine mögliche Ursache für Verstopfung. Der Speisebrei wird dann im Darm zu langsam weitertransportiert. Dadurch wird dem Speisebrei mehr Wasser als nötig entzogen und der Stuhl wird hart. Ursachen hierfür sind meistens Grunderkrankungen – etwa Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, neurologische Erkrankungen wie Multiple Sklerose und Morbus Parkinson oder hormonelle Störungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion.
  • Darmverengungen: Der Darm kann im Falle bestimmter Erkrankungen an verschiedenen Stellen Verengungen (Stenosen) aufweisen. Diese Verengungen können Verstopfungen verursachen.
  • Stuhlentleerungshindernisse: Auch bestimmte „Hindernisse“ können die vollständige Entleerung des Darms verhindern. Dabei handelt es sich zum Beispiel um einen Enddarmvorfall (Rektumprolaps), bei dem sich Teile der Darmwand in den Analkanal stülpen, oder eine sogenannte Rektozele – also eine Aussackung des Enddarms in Richtung Scheide. In diesen Fällen kann eine Operation notwendig werden.

Die allgemeine Annahme, dass eine falsche Ernährung oder Bewegungsmangel Ursache einer chronischen Verstopfung sein kann, konnte bisher nicht bestätigt werden – die Studienergebnisse hierzu sind sehr uneinheitlich. Vielmehr ist es wohl so, dass diese Umstände eine vorbestehende Neigung zu Verstopfung erst deutlich werden lassen oder verschlechtern.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.03.2017
  • Autor/in: Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin, vitanet;
  • Quellen: Mythen und Märchen rund um die Verstopfung - Teil 3, DAZ, 14/2005
  • Karow / Lang: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 19. Aufl. 2011
  • Gesenhues /Ziesché: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, Elsevier, 6. Aufl. 2010
  • Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-019l_S2k_Chronische_Obstipation_2013-06_01.pdf)
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