Therapie bei Verstopfung: Pflanzliche Mittel und Abführtees

Bei leichter Verstopfung (Obstipation) können pflanzliche Mittel wegen ihrer Ballaststoffe (auch Füll- und Quellstoffe) hilfreich sein. Bekannte natürliche Abführmittel wie Flohsamen (indischer Flohsamen und Flohsamenschalen), Weizenkleie oder Leinsamen sind vielen geläufig.

Diese natürlichen Abführmittel können auch langfristig eingenommen werden. Sie binden Wasser im Darm. Der Stuhl wird voluminöser und weicher, dadurch kommt der Darm in Bewegung. Natürliche Abführmittel funktionieren meistens gut, allerdings nur, wenn dazu auch ausreichend getrunken wird. Patienten mit Verstopfungsproblemen sollten mindestens eineinhalb bis zwei Liter Wasser oder Tee am Tag trinken.

Vorsicht:
Die Anwendung von Quellstoffen bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr kann sogar gefährlich sein und unter Umständen zu einem Darmverschluss (Ileus) führen. Es dauert allerdings einige Tage, bis die Wirkung der Quellstoffe einsetzt. Manche Menschen reagieren anfangs auch mit Blähungen auf die zusätzlichen Ballaststoffe. Probieren Sie aus, ob Sie die Mittel vertragen und die Verstopfung dadurch gebessert wird. Wenn nicht, steigern Sie die Menge langsam, damit Ihr Körper sich daran gewöhnen kann.

Rein pflanzlich heißt nicht schwach wirksam

Pflanzliche Mittel und ihre Inhaltsstoffe, beispielsweise Anthrachinone aus Sennes (Sennesblätter und Sennesfrüchte), Aloe- oder Faulbaum, gelten als natürliche Abführmittel, da sie aus Pflanzen gewonnen und nicht synthetisch im Labor hergestellt werden. Pflanzliche Mittel wirken jedoch nicht automatisch schwächer als chemisch hergestellte. Im Gegenteil: Man muss sich nur einmal vor Augen führen, dass viele stark wirkende Arzneimittel (beispielsweise Morphin, Digitalis und viele andere) ursprünglich aus Pflanzen isoliert wurden.

Anthachinone sind starke natürliche Abführmittel und können auch bei schweren Verstopfungen eingesetzt werden. Sie führen zu einem Wassereinstrom in den Darm. Dadurch machen die Wirkstoffe den Stuhl weicher und regen den Darm an. Der Speisebrei wird schneller transportiert. Wenden Sie dieses pflanzliche Mittel abends nach dem Essen an. Es wirkt innerhalb von acht bis zwölf Stunden. Am nächsten Morgen ist also mit Stuhlgang zu rechnen.

Sennesblätter und -früchte dürfen (wie die meisten Abführmittel) nur kurzfristig angewandt werden. In der Schwangerschaft sind pflanzliche Mittel wie dieses kontraindiziert – das heißt, sie dürfen nicht angewendet werden, da sie Kontraktionen der Gebärmutter bewirken können. Auch in der Stillzeit sind sie kontraindiziert, denn sie gehen in die Muttermilch über.

Auch das früher allseits bekannte Rizinusöl regt den Wassereinstrom in den Darm an. Dieses natürliche Abführmittel sollte aber aufgrund seiner starken, oft unvorhersehbaren Wirkung und der schlechten Dosierbarkeit nicht mehr eingesetzt werden. Es kann zu Bauchschmerzen, Durchfall, Krämpfen und Störungen des Mineralhaushalts führen.

Wirkstoffe

  • Entharzte Sennesblätter
  • Tinnevelly Sennesblätter
  • Tinnevelly-Sennesfrüchte
  • Mischung aus Plantago-ovata-Samen, Plantago-ovata-Samenschalen und Tinnevelly-Sennesfrüchten
  • Kombination aus Sennesblätter und Tinnevelly-Sennesfrüchten
  • Trockenextrakt aus Alexandriner-Sennesfrüchten und Trockenextrakt aus Tinnevelly-Sennesfrüchten
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.09.2011
  • Autor/in: Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Karow / Lang: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 19. Aufl. 2011
  • Gesenhues /Ziesché: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, Elsevier, 6. Aufl. 2010
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