Therapie bei Verstopfung: Abführmittel

Bei Verstopfung werden häufig die Wirkstoffe Bisacodyl und Natriumpicosulfat eingesetzt. Sie regen den Wassereinstrom in den Darm an. Der Stuhl wird voluminöser und weicher, der Darm reagiert mit stärkeren Bewegungen und der Nahrungsbrei wird schneller transportiert.

Bisacodyl wirkt etwa acht bis zwölf Stunden nach der Einnahme. Erfolgt die Anwendung morgens auf nüchternen Magen, kann die Wirkung bereits nach fünf Stunden einsetzen. Zäpfchen führen noch kurzfristiger zur Darmentleerung (meist nach 30-60 Minuten).

Der Wirkstoff Natriumpicosulfat wird als Tropfen, Tabletten, Pastillen, Täfelchen oder Kapseln eingenommen. Er wirkt bei diesen Darreichungsformen nach etwa vier bis sechs Stunden als Abführmittel. Die meisten Medikamente mit diesen Inhaltsstoffen haben einen magensaftresistenten Überzug und sollten daher unzerkaut geschluckt werden.

Bittersalz, Milchzucker, Macrogol und Glycerin helfen gegen Verstopfung

Salze (Bittersalz), Zucker (Milchzucker, Lactulose) und Alkohole (Macrogol) zählen zu den Wasser bindenden Abführmitteln. Durch das zusätzliche Wasser im Darm ist der Stuhl weniger trocken und hart. Außerdem entsteht ein Druck auf die Darmwand (Volumenvergrößerung) und die Darmtätigkeit wird angeregt. Es kommt zu einer abführenden Wirkung.

Nebenwirkungen
Bittersalzsalze können bei längerer Anwendung den Mineralstoffhaushalt durcheinander bringen. Zucker können im Darm durch Bakterien gespalten werden, wodurch vermehrt Gase entstehen können. Deshalb reagieren manche Menschen auf diese Stoffe mit starken Blähungen. Diabetiker sollten bei zuckerhaltigen Präparaten die auf der Packung angegebenen Broteinheiten (BE) beachten.

Macrogol wird nicht aus dem Darm in den Körper aufgenommen, nicht von Bakterien gespalten und unverändert ausgeschieden. Durch die gute Verträglichkeit eignet es sich gut zur Behandlung der chronischen Verstopfung (Obstipation) und kann bei Bedarf auch länger als zwei Wochen angewandt werden.

Glyzerin
-Zäpfchen werden nicht ins Blut aufgenommen und eignen sich deshalb auch zur Behandlung von Verstopfung bei Kindern und Schwangeren. Die Wirkung setzt 20-30 Minuten nach der Verabreichung ein. Die Wirkung entsteht zum einen durch einen reflektorischen Effekt: Durch den Kontakt des Glycerins mit der Rektalschleimhaut wird der Defäkationsreiz gesteigert. Zum anderen wirkt ein osmotischer Effekt: Durch den Wassereinstrom in das Darmlumen wird der Stuhl weicher und gleitfähiger. Die Verstopfung lindert sich.

Abführmittel möglichst kurzfristig anwenden

Der falsche Gebrauch von Abführmitteln kann die Beschwerden bei einer Verstopfung sogar verstärken. Wenden Sie Abführmittel daher möglichst kurzfristig und in der niedrigsten noch wirksamen Dosierung an: Der Stuhl sollte unter Wirkung der Mittel immer noch „normal“ beschaffen sein, nicht sehr weich oder gar wässrig. Werden Abführmittel zu häufig und/oder hoch dosiert eingenommen, erhöht sich auch das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen und Folgeschäden. Durch zu starkes Abführen verliert der Körper Flüssigkeit und wichtige Salze (Elektrolyte), vor allem Kalium. Der Mineralhaushalt gerät aus dem Gleichgewicht. Dies äußert sich durch Schweregefühl in den Muskeln, Herz-Kreislauf-Beschwerden und vor allem durch Verstopfung.

Wenn Sie regelmäßig auf Abführmittel angewiesen sind, sollten Sie sich von Arzt oder Apotheker beraten lassen, welche Medikamente für Sie geeignet sind und wie Sie Nebenwirkungen vermeiden können. Bei bestehenden Darmerkrankungen sollten Sie nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt Abführmittel anwenden.

Wirkstoffe

  • Bisacodyl
  • Glycerol
  • Lactulose
  • Magnesiumsulfat
  • Natriumpicosulfat
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.09.2011
  • Autor/in: Elisabeth Kanz, Apothekerin und Fachjournalistin für Medizin und Pharmazie; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Karow / Lang: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 19. Aufl. 2011
  • Gesenhues /Ziesché: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, Elsevier, 6. Aufl. 2010
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