Erste Hilfe bei Vergiftungen

Beachten Sie: Einfache Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Vergiftungen richten sich nach der eingenommenen Substanz und sollten bestenfalls nach Rücksprache mit einer Beratungsstelle erfolgen. Die wichtigste Regel lautet deshalb immer, sofort eine Giftnotrufzentrale anrufen oder sogar den Notarzt.

Kind mit Reinigungsmitteln © Thinkstock

Hier einige generelle Maßnahmen bei Vergiftungen:


  • Bei einer Vergiftung über den Mund sollte der Betroffene viel Wasser trinken, um die giftige Substanz zu verdünnen. Lösen Sie nie selbstständig Erbrechen aus. Das alte Hausmittel, bei einer Vergiftung Milch zu trinken, ist ein schlechter Rat. Milch kann die Aufnahme der Giftstoffe über den Darm sogar beschleunigen.
  • Bei einer Vergiftung über die Haut (zum Beispiel mit Pflanzenschutzmittel) sollte der Betroffene sich vollständig entkleiden und die Haut unter fließendem Wasser gründlich abwaschen, dabei aber nicht reiben.
  • Bei Giftaufnahme über die Lunge sollten Sie den Betroffenen an die frische Luft bringen oder Fenster und Türen öffnen und eventuell eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung durchführen. Atmen Sie dabei wegen der Gefahr der Selbstvergiftung nie über, sondern stets neben dem Vergifteten ein. Wärmen Sie den Betroffenen mit einer Decke, damit er nicht auskühlt.
  • Bei einer Verätzung der Augen sollten Sie diese mindestens zehn Minuten unter fließendem Wasser ausspülen. Dabei sollten die Augen offen gehalten werden.
  • Bei Bewusstlosigkeit sollten Sie den Betroffenen in die stabile Seitenlage bringen, die Atemwege frei halten und eventuell Reste oder Gegenstände aus dem Mund entfernen.
  • Bei Atemstillstand sollten Sie den Betroffenen in die Rückenlage bringen, die Atemwege, das heißt Mund- und Rachenraum, mit einem Finger oder Tuch frei machen und eine Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung durchführen. Atmen Sie vorsichtshalber nicht über, sondern neben dem Patienten ein (Gefahr der Selbstvergiftung).
  • Bei Herzstillstand sollten Sie eine Herzdruckmassage durchführen: Nach jeder 30. Herzmassage erfolgen zwei Mund-zu-Mund-Beatmungen. Bitte beachten Sie: Die Herzmassage bei Babys erfolgt lediglich mit zwei Fingern.
Wichtig: Sollte der oder die Betroffene sich übergeben, ist es außerordentlich wichtig, das Erbrochene aufzubewahren bis der Notarzt kommt. Sichern Sie außerdem wenn möglich die Reste der verdächtigen Substanz und bringen Sie auch diese im Falle einer Klinikeinweisung mit. Anhand des sichergestellten Materials lässt sich feststellen, um welchen giftigen Stoff es sich gehandelt hat.

Hilfe in der Klinik:
Falls Lebensgefahr besteht, werden zuerst die bekannten lebenserhaltenden Notfallmaßnahmen durchgeführt, etwa Herzmassage und Beatmung. Magenauspumpen und Abführen helfen in vielen Fällen, den gefährlichen Stoff schneller loszuwerden. Um die Entgiftung des Körpers zu unterstützen, können Blutreinigungsverfahren sinnvoll sein. Ist das auslösende Gift bekannt, werden spezifische Gegengifte und Medikamente eingesetzt, die die Wirkung des Toxins aufheben oder mildern.
Tipp
Anleitungen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung und dem richtigen Verhalten in Notfällen lernen Sie in Erste-Hilfe-Kursen, zum Beispiel beim Deutschen Roten Kreuz, den Johannitern oder Maltesern.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.04.2013
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de; Monika Preuk, Medizinjournalistin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Giftinformationszentrale Mainz
  • Giftnotruf Berlin
  • Universitätsklinikum Freiburg: Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg: http://www.uniklinik-freiburg.de/giftberatung/live/index.html;jsessionid=fsbijb383e7q9
  • Universitätsklinikum Bonn: Zentrum für Kinderheilkunde, Informationszentrale gegen Vergiftungen: http://www.gizbonn.de/
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