Mit Jodtabletten Strahlenschäden an der Schilddrüse vorbeugen

Um Strahlenschäden und ihren Folgen an der Schilddrüse vorzubeugen, wird die Bevölkerung bei einem Reaktorunfall mit hochdosierten Jodtabletten versorgt. Genauer gesagt handelt es sich um sogenannte Kaliumjodid-Tabletten.

Die Einnahme der Tabletten soll verhindern, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse ansammelt – dies wird als Jodblockade bezeichnet. Aufgrund der hohen Dosen an Jod, die man mit den Jodtabletten zu sich nimmt, ist diese bereits mit Jod gesättigt, wenn radioaktives Jod in den Körper gelangt. Die Folge: Die Schilddrüse kann kein radioaktives Jod mehr einlagern.

Dabei ist besonders wichtig, die Jodtabletten zum richtigen Zeitpunkt einzunehmen. Unsere Schilddrüse nimmt ständig Jod auf und baut es auch laufend wieder ab. Laut Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, erreicht eine Jodblockade ihren maximalen Höhepunkt etwa 40-50 Stunden nach Einnahme der Tabletten. Danach fällt der Schutz relativ schnell wieder ab.

Das bedeutet: Nimmt man die Kaliumjodid-Tabletten zu früh ein, kann es sein, dass das nicht-radioaktive Jod schon wieder teilweise abgebaut ist, radioaktives kann wieder aufgenommen werden. Nimmt man sie zu spät ein, ist die Schilddrüse noch nicht gesättigt – radioaktives Jod kann trotzdem eingelagert werden.

Jodtabletten: bereits bewährte Maßnahme nach Tschernobyl

Bereits beim Reaktorunfall von Tschernobyl wurden Jodtabletten an die Bevölkerung ausgegeben. Als die radioaktive Wolke über Polen hinweg zog, wurden mehrere Millionen Kinder und Erwachsene der polnischen Bevölkerung mit Kaliumjodid-Tabletten versorgt. Spätere Untersuchungen zeigten, dass die Schilddrüsenkrebshäufigkeit bei diesen Menschen nicht zugenommen hat, im Gegensatz zu anderen, ebenfalls kontaminierten Personen die keine Tabletten erhalten haben.
Info
Übrigens: Auch bei einem Unfall in Deutschland würden Kaliumjodid-Tabletten an die Bevölkerung verteilt werden. Laut Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit werden immer genügend Jodtabletten bereitgehalten, um die betroffenen Personen gut zu versorgen.

Jodtabletten nie auf eigene Faust einnehmen

Die Kaliumjodid-Tabletten sollten nie ohne konkrete Anweisung der zuständigen Behörden eingenommen werden. Zum einen ist der genaue Einnahmezeitpunkt entscheidend für einen ausreichenden Schutz, zum anderen enthalten die entsprechenden Jodtabletten eine sehr hohe Menge an Jod. Besonders bei Menschen mit Stoffwechselstörungen der Schilddrüse, einer Überempfindlichkeit gegen Jod oder speziellen Erkrankungen können Nebenwirkungen und eine jodbedingte Schilddrüsenüberfunktion auftreten. Bei diesen Personen können unter anderem erhöhter Puls, Schweißausbrüche, Zittrigkeit oder Durchfall die Folge sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.11.2012
  • Autor/in: Anja Dolski; Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; Christina Wiener, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Radioaktivität und Strahlenschutz; Bundesamt für Gesundheit (Schweiz): http://www.ensi.ch
  • Bundesamt für Strahlenschutz: http://www.bfs.de/de/ion/wirkungen/unfallfolgen.html
  • TORCH-Report: http://www.chernobylreport.org/torch.pdf
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