Ursachen und Risikofaktoren für Strahlenkrankheit und Strahlenschäden: Plutonium und Strontium

Ob weniger flüchtige Stoffe wie Plutonium, Uran, Strontium und Antimon nach einem nuklearen Unfall ein Risiko für Strahlenschäden und die Strahlenkrankheit verursachen, hängt vom Verlauf des Unfalls ab.

Kommt es beispielsweise zu einer starken Explosion, können auch diese Stoffe hoch in die Atmosphäre geschleudert werden und sich so über weitere Strecken verteilen. Es bedarf extrem hoher Hitzeentwicklung, damit diese Stoffe überhaupt freigesetzt werden. Sollte das der Fall sein, verteilen sie sich als Staubteilchen oder sind an solche gebunden.

Plutoniumisotope – die lange, tödliche Gefahr

Wird Plutonium (Pu) in den Körper aufgenommen, haben bereits kleinste Mengen des Stoffs Strahlenschäden zur Folge. Der Grund ist die äußerst lange Halbwertszeit von beispielsweise 24.000 Jahren bei Pu 239 und etwa 80 Millionen Jahren bei Pu 244. Konkret bedeutet das: Freigesetzes Plutonium 239 behält 24.000 Jahre seine potentiell tödliche Kraft. Auch nach 50.000 Jahren bleibt der Stoff für den Menschen weiterhin lebensgefährlich. Beim Zerfall von Plutonium entsteht meistens Alpha-Strahlung.

Plutonium kann, da es an Staubpartikel angelagert ist, eingeatmet werden. So gelangt es in die Lunge. Bereits kleinste Menge an eingeatmetem Plutonium können – auch aufgrund der langen Halbwertszeit – zu Lungenkrebs führen. Ein Teil davon kann auch in Knochen oder Leber gelangen. Zudem kann Plutonium über die Nahrung aufgenommen werden und sich ablagern.

Strontiumisotope – vor allem die Knochen sind betroffen

Von der Struktur her ähnelt Strontium dem Element Kalzium. Wird radioaktives Strontium in den Körper aufgenommen, lagert es sich aufgrund dieser Ähnlichkeit besonders im Knochengewebe ab und führt dort zu Strahlenschäden. Mit einer Halbwertszeit von 29 Jahren bei Strontium 90 entsteht beim Zerfall kontinuierlich Beta-Strahlung. Experten vermuten, dass Strontiumisotope vor allem das Risiko für Leukämie und Knochenkrebs stark erhöhen.

Auch beim Unglück von Tschernobyl spielte die Belastung mit Strontiumisotopen über Jahrzehnte hinweg, zumindest im direkten Umfeld des Reaktors, eine große Rolle.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.05.2012
  • Autor/in: Anja Dolski; Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; Christina Wiener, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Radioaktivität und Strahlenschutz; Bundesamt für Gesundheit (Schweiz): http://www.ensi.ch
  • Bundesamt für Strahlenschutz: http://www.bfs.de/de/ion/wirkungen/unfallfolgen.html
  • TORCH-Report: http://www.chernobylreport.org/torch.pdf
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