Ursachen und Risikofaktoren für Strahlenkrankheit und Strahlenschäden: Die Isotope des Jods

Die ersten Tage bis Wochen nach einem schweren radioaktiven Unfall sind vor allem die radioaktiven Isotope des Jods Ursachen für Strahlenschäden. Die Isotope des Jods sind leicht flüchtige Stoffe und werden bei einer Kernschmelze in großen Mengen freigesetzt.

Das radioaktive Jod entsteht bei der Kernspaltung im Reaktor, ist also ein sogenanntes Spaltprodukt. Die Jodisotope gelangen vor allem über die Atmung in den menschlichen Körper. Außerdem kann es über die Nahrung oder Getränke aufgenommen werden. Generell lagert unser Körper laufend „normales“, also nicht-radioaktives Jod in der Schilddrüse an. Gelangt das radioaktive Jod in unseren Körper, wird es ebenfalls in der Schilddrüse gespeichert. Die Wahrscheinlichkeit, später an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, steigt dadurch erheblich.

Jodisotope: Besonders in den ersten Tagen gefährlich

Die Gefahr, die von radioaktivem Jod ausgeht, ist in den ersten Tagen und Wochen nach einem Atomunfall am größten. Der Grund: Im Vergleich zu anderen radioaktiven Stoffen weisen sie eine relativ kurze Halbwertszeit auf. Die Halbwertszeit gibt an, in welcher Zeit die Hälfte der anfänglichen Menge einer Substanz zerfallen ist. Beispielsweise hat Jod-131 eine Halbwertszeit von acht Tagen. Das bedeutet, die Aktivität ist nach dieser Zeit bereits auf die Hälfte gesunken. Nach 16 Tagen reduziert sich die Aktivität auf ein Viertel, nach 24 Tagen auf ein Achtel und nach insgesamt drei Monaten auf weniger als ein Promille der Anfangsaktivität.

Zum Vergleich: Messungen in Tschernobyl haben ergeben, dass dort das Jod-131 bereits wenige Monate nach dem Unfall praktisch verschwunden war. Jod-133 zerfällt noch viel schneller: Es hat eine Halbwertszeit von nur etwa einem Tag. Beim Zerfall des radioaktiven Jods entsteht Beta-Strahlung. Beta-Strahlung ist sehr durchdringend. In der Luft hat sie eine Reichweite von einigen Metern, im menschlichen Körper von einigen Millimetern.

Wer ist besonders gefährdet?

Für Kinder und Jugendliche sind Jodisotope besonders gefährlich. Ihre Schilddrüse ist viel aktiver als die von Erwachsenen und lagert mehr Jod ein. Außerdem ist die Schilddrüse von Kindern kleiner. Deshalb belastet die gleiche Menge an radioaktivem Jod ihre Schilddrüse wesentlich stärker. Ungeborene Kinder und Säuglinge sind besonders empfindlich gegenüber der krebserzeugenden Wirkung von ionisierender Strahlung. Während der Stillzeit wird Jod auch über die Muttermilch abgegeben. Deshalb sollten schwangere und stillende Frauen sowie Säuglinge besonders gut vor radioaktiver Einwirkung geschützt werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.05.2012
  • Autor/in: Anja Dolski; Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; Christina Wiener, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Radioaktivität und Strahlenschutz; Bundesamt für Gesundheit (Schweiz): http://www.ensi.ch
  • Bundesamt für Strahlenschutz: http://www.bfs.de/de/ion/wirkungen/unfallfolgen.html
  • TORCH-Report: http://www.chernobylreport.org/torch.pdf
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