Folgeerkrankungen bei Strahlenbelastung

Wird der Körper ionisierender Strahlung ausgesetzt, kann dies, abhängig von Dosis, Einstrahlungszeit und Größe der Einwirkungsfläche, Strahlenschäden zur Folge haben. Denn die ionisierende Strahlung löst in den Zellen des Körpers biochemische Reaktionen aus. Dies kann beispielsweise dazu führen, dass die Zellen die Kontrolle über ihr Wachstum verlieren. Sie wuchern dann unkontrolliert, Krebs entsteht. Auch Folgeerkrankungen wie Erbkrankheiten, Augenerkrankungen und Herz-Kreislauf-Krankheiten werden mit ionisierender Strahlung in Verbindung gebracht.

Krebs als Folgeerkrankung

Ionisierende Strahlung kann in Abhängigkeit von der Dosis und der Einstrahlungszeit in nahezu jedem Organ langfristig Krebs auslösen. Zwischen der Bestrahlung und der Krebsentstehung können 20 bis 60 Jahre vergehen. In schwerst belasteten Zonen rund um den Katastrophenreaktor von Tschernobyl wurde ein durchschnittlicher Anstieg von 40 Prozent bei der Krebsrate ermittelt.

Welche Krebsart entsteht, hängt auch von den freigesetzten Stoffen ab. Werden radioaktive Jodisotope freigesetzt, kann es zu einem starken Anstieg von Schilddrüsenkrebs kommen, da sich der Stoff in der Schilddrüse ablagert. Von dieser Folgeerkrankung sind besonders Kinder und Jugendliche betroffen.

Ein möglicherweise erhöhtes Krebsrisiko der Atemorgane kann darauf zurückgeführt werden, dass radioaktive Stoffe über die Atemluft aufgenommen werden und sich in der Lunge festsetzen. Auch wird vermutet, dass vermehrt Fälle von Leukämie nach ionisierender Strahlung auftreten können. Studien deuten darauf hin, dass Menschen, die damals von der Katastrophe in Tschernobyl betroffen waren, ein höheres Risiko für die Entstehung der Erkrankung haben. Ebenfalls vermutet wird ein erhöhtes Brustkrebsrisiko bei Frauen, die bei der Strahlenbelastung jünger als 45 Jahre sind.

Weitere Krankheiten als Folgeerkrankungen

Nachzuweisen ist auch ein Anstieg der Augenerkrankung Grauer Star sowie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach einem atomaren Unfall. Unbestritten ist zudem, dass ionisierende Strahlung das Erbgut, also Gene und Chromosomen im Körper schädigt. Demnach wird vermutet, dass als Folgeerkrankungen schwere Erbkrankheiten bei Kindern auftreten können. Gesicherte Studien darüber liegen derzeit nicht vor.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.11.2012
  • Autor/in: Anja Dolski; Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; Christina Wiener, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Radioaktivität und Strahlenschutz; Bundesamt für Gesundheit (Schweiz): http://www.ensi.ch
  • Bundesamt für Strahlenschutz: http://www.bfs.de/de/ion/wirkungen/unfallfolgen.html
  • TORCH-Report: http://www.chernobylreport.org/torch.pdf
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