Strahlenkrankheit und Strahlenschäden

Ein Unfall in einem Kernkraftwerk, wie 1986 in Tschernobyl oder 2011 in Fukushima, kann weitreichende gesundheitliche Folgen für die Menschen in der Umgebung haben. Die radioaktiven Stoffe, die bei einem solchen atomaren Unglück freigesetzt werden, können im Körper zu Strahlenschäden führen. Bei sehr starker Bestrahlung treten akute Strahlenschäden, auch Strahlenkrankheit genannt, auf.

Ursachen für Strahlenschäden und die Strahlenkrankheit sind verschiedene radioaktive Stoffe (Radionuklide) wie etwa radioaktives Jod, radioaktives Cäsium, Plutonium oder Strontium. All diese können bei einem Reaktorunglück freigesetzt werden und auch langfristig Folgeerkrankungen wie Krebs auslösen. Zur Vorbeugung von Strahlenschäden und der Strahlenkrankheit wird die Regierung eines betroffenen Landes den Menschen mitteilen, was zu tun ist. Beispielsweise wird zum Schutz der Schilddrüse angeordnet, dass Jodtabletten zu verteilen sind.

Wie kommt es überhaupt zu Radioaktivität?

Zunächst muss man den Grundzustand des Atomkerns betrachten, der entweder stabil oder instabil ist. Ein instabiler Atomkern, wie bei Radionukliden, neigt dazu, unter Abgabe von energiereicher Strahlung, der ionisierenden Strahlung, zu zerfallen und sich in andere Kerne zu verwandeln. Dabei wird die energiereiche Strahlung entweder als Teilchenstrahlung oder als Gamma- Strahlung freigesetzt. Diese energiereiche Strahlung kann aus anderen Atomen oder Molekülen Elektronen herauslösen, sodass sehr reaktionsfreudige Teilchen übrigbleiben, die Radikale. Diese Radikale wiederum sind für die biologischen Veränderungen durch die Radioaktivität verantwortlich.

Alpha-Strahlung: Beim Alpha-Zerfall werden elektrisch geladene Teilchen freigesetzt, deren Strahlung nur eine Reichweite von wenigen Zentimetern hat. Sie kann schon durch sehr einfache Mittel wie beispielsweise ein Blatt Papier abgeschirmt werden. Sollte sie allerdings mit Staub, etwa beim Einatmen, in den Körper gelangen, kann die Alpha- Strahlung dort beispielsweise Tumoren auslösen.

Beta-Strahlung: Auch die Beta- Strahlung ist eine Teilchenstrahlung. Ihre Reichweite ist mit einigen Metern höher als bei der Alpha-Strahlung. Auch Beta-Strahlung gilt als krebserregend.

Gamma-Strahlung: Sie entsteht meistens zusätzlich nach einem Alpha- oder Beta-Zerfall und hat mit mehreren hundert Metern die höchste Reichweite der drei Strahlungsarten. Es handelt sich hierbei um elektromagnetische Strahlung.

Strahlenkrankheit und Strahlenschäden durch äußere und innere Bestrahlung

Generell wird in zwei Arten von Strahlenbelastung unterschieden, die Strahlenschäden oder die Strahlenkrankheit verursachen können:

Eine äußere Bestrahlung entsteht, wenn eine sogenannte radioaktive „Wolke“ vorbeizieht und der Mensch der Strahlung dieser Wolke ausgesetzt ist. Auch wenn sich radioaktive Substanzen im Boden ablagern, beispielsweise durch Niederschläge, strahlen sie weiter. Hält man sich auf diesem verstrahlten Boden auf, bekommt man die Strahlung ab.

Eine innere Bestrahlung entsteht, wenn radioaktive Stoffe in den Körper aufgenommen werden. Dort werden sie abgelagert und bestrahlen den Körper von innen. Das passiert, wenn radioaktive Stoffe beispielsweise als Staubpartikel eingeatmet werden oder sich in der Nahrung befinden. Auch auf diese Weise können Strahlenschäden oder die Strahlenkrankheit entstehen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.05.2012
  • Autor/in: Anja Dolski; Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; Christina Wiener, Medizinredakteurin, vitapublic GmbH; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Radioaktivität und Strahlenschutz; Bundesamt für Gesundheit (Schweiz): http://www.ensi.ch
  • Bundesamt für Strahlenschutz: http://www.bfs.de/de/ion/wirkungen/unfallfolgen.html
  • TORCH-Report: http://www.chernobylreport.org/torch.pdf
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