Schwindel – die Untersuchungen

Ansprechpartner bei Schwindel ist zuerst der Hausarzt, der eine ausführliche Anamnese durchführt. Bei diesem Gespräch wird er danach fragen, wie sich die Schwindelbeschwerden ausdrücken und in welchen Situationen sie auftreten.

Weitere wichtige Hinweise für die Diagnosefindung sind Krankheiten, die der Patient früher hatte oder die momentan bestehen, bestimmte Medikamente sowie seine persönliche Lebenssituation. Danach überweist der Hausarzt den Patienten zum entsprechenden Facharzt – einem HNO-Arzt, Internisten, Neurologen, Orthopäden, Augenarzt oder Psychotherapeuten.

Um zu erkennen, ob und in welchem Bereich das Gleichgewichtssystem gestört ist, führt der HNO-Arzt oder der Neurologe Gleichgewichtsprüfungen durch. Dazu muss der Patient beispielsweise auf der Stelle marschieren oder mit geschlossen Augen auf die Nasenspitze tippen.

Der Kalorische Test

Mit einer weiteren Diagnosemethode, dem Kalorischen Test, stellt der Arzt fest, ob das Gleichgewichtsorgan beeinträchtigt ist, ob beide oder nur das rechte oder das linke betroffen ist und wie gut die Sinneszellen im Gleichgewichtsorgan funktionieren. Dabei werden die Ohren einzeln mit kaltem und anschließend warmem Wasser gespült. Ausschließlich gesunde Sensorzellen im Gleichgewichtsorgan registrieren diese Temperaturreize als Lageveränderung. Funktionieren sie richtig, senden sie diese Information ans Gehirn. Das Gleichgewichtsorgan auf der anderen Seite, das nicht mit warmem oder kaltem Wasser gespült wurde, übermittelt diese Nachricht jedoch nicht. Das Gehirn bekommt also von der einen Seite die Information „Richtungswechsel“ und von der anderen nicht. Das erzeugt einen Datenkonflikt im Gehirn und es reagiert mit Schwindel, der durch kurzfristigen Nystagmus für den Arzt offensichtlich wird. Fehlt diese Reaktion, ist das ein Hinweis auf Schäden im Gleichgewichtsorgan.

Hörprüfung testet Nervenfunktion

Häufig ist außerdem eine Hörprüfung sinnvoll, weil Gleichgewichtsorgan und Hörorgan über die gleichen Nervenbahnen ihre Informationen ans Gehirn senden. Um zu erkennen, ob diese Nervenverbindungen fehlerlos funktionieren, werden dem Patienten über Kopfhörer Geräusche vorgespielt. Währenddessen misst der Arzt sogenannte Akustisch Evozierte Potentiale (AEP), also die durch die Geräusche hervorgerufenen Nervenimpulse. Wie beim Elektroenzephalogramm (EEG) werden dazu elektrische Sonden auf bestimmte Stellen am Kopf geklebt. Sie zeichnen auf, wie stark und schnell die Nervenimpulse weitergeleitet werden

Augenbewegungen prüfen

Auch spezielle Sehtests helfen bei der Diagnose von Schwindelbeschwerden. Dabei trägt der Patient eine beleuchtete Untersuchungsbrille (Frenzel-Brille). Sie vergrößert seine Augen stark. So erkennt der Arzt, ob und nach welchem Muster sich die Augen bewegen. Dieses unwillkürliche Augenzucken (Nystagmus) ist typisch bei Schwindel. Seine Form – horizontal, vertikal oder in Drehbewegungen – lässt Rückschlüsse auf Art und Ursache der Gleichgewichtsstörung zu.

Internistische Untersuchungen und bildgebende Verfahren

Vermutet der Arzt, dass eher Herz- und Kreislaufprobleme Ursache für die Schwindelbeschwerden sind, wird eine internistische Untersuchung angeordnet. Dazu gehört beispielsweise eine Überprüfung des Blutdrucks und der Herzfunktion. Auch bildgebende Verfahren wie Ultraschall, MRT und Computertomografie kommen zum Einsatz, wenn die Anamnese Hinweise auf Veränderungen an der Halswirbelsäule oder im Gehirn liefert.

Handelt es sich dagegen vermutlich um psychogenen Schwindel, untersucht der Psychologe oder Psychiater das genauer. Mit gezieltem Hinterfragen kann er herausfinden, ob die Beschwerden Ausdruck von Stress, Depression oder einer Angststörung sind. Der phobische Schwankschwindel (Angstschwindel) lässt sich mit der Posturografie untersuchen. Dabei soll der Betroffene auf einer beweglichen Platte stehen, die mit Messfühlern ausgerüstet ist.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.05.2012
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Monika Preuk, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin;
  • Quellen: Informationsmaterial vom Berufsverband der HNO-Ärzte im Netz 2011
  • Informationsmaterial des Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrums für Schwindel, Gleichgewichts- und Augenbewegungsstörungen des Klinikums der Universität München, 2011
  • Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie; 4. überarbeitete Auflage 2008, S. 654 ff, ISBN 978-3-13-132414-6; Georg Thieme Verlag Stuttgart
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