Zahn- und Zahnfleischveränderungen in der Schwangerschaft

In der Schwangerschaft ist eine sorgfältige und regelmäßige Zahnpflege besonders wichtig: Zähne und Zahnfleisch sind durch die hormonellen Veränderungen besonders anfällig.

Frau schaut in den Spiegel © Thinkstock
Außerdem schützt die richtige Mundhygiene wahrscheinlich auch das ungeborene Kind. Denn die Stoffwechselprodukte von Bakterien bei Zahnfleischentzündungen stehen im Verdacht, Frühgeburten auszulösen.

Ursachen von Zahn- und Zahnfleischveränderungen

Die Hormonumstellung bewirkt, dass die Mundschleimhaut lockerer wird, das Zahnfleisch anschwellen kann und so für Bakterien leichter passierbar wird – die besten Voraussetzungen für die Entwicklung von Zahnfleischerkrankungen. Auch bestimmte Bakterien im Mund werden in diesem Milieu begünstigt, sodass sich schneller Zahnbeläge bilden, die ebenfalls Erkrankungen des Zahnfleisches und der Zähne fördern.

Ein weiterer Risikofaktor für Probleme mit Zahnfleisch und Zähnen ist das Schwangerschaftserbrechen, unter dem viele Frauen in den ersten Wochen nach der Empfängnis leiden. Wenn es sehr stark ausgeprägt ist, fällt die Mundhygiene oft schwer, denn die Zahnbürste kann bei besonders empfindlichen Schwangeren einen Würgereiz auslösen. Außerdem enthält das Erbrochene viel Magensäure und greift die Zahnsubstanz an.

Symptome bei Zahn- und Zahnfleischveränderungen

Schwellungen des Zahnfleisches können oft erspürt werden, wenn man mit der Zunge über die betroffenen Bereiche fährt. Meist kommt es auch zu Zahnfleischblutungen beim Zähneputzen und bei der Reinigung mit Zahnseide. Auch die Veränderungen des Speichels sind mit der Zunge spürbar: Durch sie kommt es vermehrt zu Belägen, den sogenannten Plaques, die Voraussetzung für Karies und Parodontitis (Zahnfleischentzündung) sind.

Gegenmaßnahmen bei Zahn- und Zahnfleischveränderungen in der Schwangerschaft

Grundlage für gesunde Zähne und Zahnfleisch ist auch in der Schwangerschaft die konsequente und richtige Mundhygiene. Experten empfehlen sogar, die Zähne zahnärztlich untersuchen und professionell reinigen zu lassen, wenn eine Schwangerschaft geplant ist beziehungsweise gleich zu Beginn einer Schwangerschaft. Wenn umfangreichere Behandlungen erforderlich sind, sollten Sie sie – wenn möglich – auf die Zeit nach der Entbindung legen. Bei akuten Zahnschmerzen muss natürlich während der Schwangerschaft behandelt werden.

Damit die Einflüsse während der Schwangerschaft keine Folgen an Ihren Zähnen hinterlassen, empfiehlt es sich, folgende Tipps bei der Mundhygiene zu beherzigen:
  • Putzen Sie sich mindestens zweimal, besser dreimal täglich mit etwas zeitlichem Abstand nach den Mahlzeiten die Zähne und verwenden Sie dazu eine gute, weiche Zahnbürste – durch die abgerundeten Borsten kann sie das Zahnfleisch nicht verletzen.
  • Zusätzlich sollten Sie mindestens einmal täglich – am besten vor dem Zubettgehen – die Zähne mit Zahnseide und Interdentalbürsten reinigen. Wenn Sie damit noch keine Erfahrung haben, berät Ihr Zahnarzt oder Apotheker Sie gern.
  • Einmal wöchentlich empfiehlt sich eine Zahnreinigung mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta, die den Zahnschmelz härtet und so besser vor Säuren schützt.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Schwangeren, ihren täglichen Fluoridbedarf entweder durch Fluortabletten (1 mg/Tag) oder durch fluorhaltiges Mineralwasser, fluoridiertes Speisesalz oder schwarzen Tee zu decken. Davon profitiert der Fötus ebenfalls, denn das Fluor schützt auch seine Zahnanlagen.
  • Wenn Sie unter Schwangerschaftserbrechen leiden, tun Sie Ihren Zähnen schon sehr viel Gutes, wenn Sie sich anschließend mit lauwarmem Wasser den Mund ausspülen.
Auch durch Ihre Ernährung können Sie die Gesundheit Ihrer Zähne erhalten:
  • Verzichten Sie möglichst auf süßen Nachtisch oder Süßigkeiten zwischendurch. Wenn Sie doch etwas naschen und sich nicht gleich die Zähne putzen können, kauen Sie einen zuckerfreien Kaugummi. Ein Ersatz für das Zähneputzen ist das zwar nicht, es regt aber den Speichelfluss an und verhindert, dass sich Zahnbeläge bilden.
  • Nehmen Sie viel Milch und Milchprodukte zu sich. Sie enthalten viel Kalzium, das Ihre Knochen und Zähne schützt.
  • Vollkornprodukte sind nicht nur reicher an Vitaminen und Spurenelementen als Produkte aus weißem Mehl, sie müssen auch ausgiebiger gekaut werden. Das Kauen massiert das Zahnfleisch und trägt so zur Gesundheit Ihrer Zähne bei.

Betäubung bei Zahnbehandlungen

Trotz bester Vorsorge und Zahnpflege kann es immer mal wieder zu Karies oder Parodontitis kommen. Wenn sich ein zahnärztlicher Eingriff wegen der Schmerzen nicht auf die Zeit nach der Geburt verschieben lässt, ist der Einsatz von speziellen Betäubungsspritzen möglich, die auch von Schwangeren gut vertragen werden. Möchten Sie am liebsten ganz darauf verzichten, dann erkundigen Sie sich nach einem Zahnarzt, der Hypnose anbietet. In manchen Fällen wird dadurch eine Zahntherapie möglich. Auf Röntgenaufnahmen sollte möglichst verzichtet werden.

Voraussetzung für jede Behandlung beim Zahnarzt ist, dass Sie ihm gesagt haben, dass Sie schwanger sind.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.02.2017
  • Autor/in: Dr. med. Müller de Cornejo, Ärztin für Allgemeinmedizin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin