Vorzeitiger Blasensprung in der Schwangerschaft

Schon in der vierten Woche der Schwangerschaft wird der Embryo rundum von Fruchtwasser umgeben. Das verhindert einerseits, dass er mit der Fruchtblase verwächst, andererseits schützt es das Kind von Anfang an vor Stößen. Normalerweise reißen die Eihäute der Fruchtblase erst während der Geburt. Kommt es vorher zum Blasensprung und zum Austreten von Fruchtwasser, ist das immer ein Notfall, der versorgt werden muss.

Ursachen und Risikofaktoren eines vorzeitigen Blasensprungs

Die häufigste Ursache ist eine Scheideninfektion: Keime wandern in die Gebärmutter und führen dazu, dass die Eihäute leichter einreißen. Auch vermehrte Fruchtwasserbildung, eine Mehrlingsschwangerschaft, Anomalien in der kindlichen Entwicklung, Gebärmutterausschabungen, eine frühere Fehlgeburt oder Abtreibung sowie eine Fruchtwasseruntersuchung  kommen als Auslöser infrage.

Symptome eines vorzeitigen Blasensprungs

Beim vorzeitigen Blasensprung geht das rosafarbene Fruchtwasser im Schwall oder tröpfchenweise ab – je nachdem, wie das Baby liegt und wie groß der Riss ist. Frauen, die schon einmal entbunden haben, kennen den süßlichen Geruch nach frischem Brot, der typisch für Fruchtwasser ist.

Beim kleinsten Verdacht, dass Fruchtwasser abgeht, sollten Sie sofort Kontakt mit Ihrem Arzt aufnehmen: Es besteht die Gefahr, dass Krankheitskeime durch den Riss in der Fruchtblase zum Kind gelangen oder dass durch den vorzeitigen Blasensprung Wehen ausgelöst werden.

Behandlung eines vorzeitigen Blasensprungs in unterschiedlichen Stadien der Schwangerschaft

Entscheidend für die Therapie ist der Zeitpunkt in der Schwangerschaft, an dem es zum Blasensprung gekommen ist:
  • Vor der 24. Woche:
    Bei einem so frühen Blasensprung sind die Überlebensaussichten des Ungeborenen nicht sehr gut. Solange aber weder eine Infektion noch Wehen auftreten, besteht die Hoffnung, dass die Mutter das Kind halten kann. Sie bleibt in der Klinik, muss Bettruhe halten und wird ständig überwacht. Dabei bemühen sich die Ärzte vor allem darum, einer Infektion vorzubeugen und überprüfen regelmäßig, ob genügend Fruchtwasser nachgebildet wird und das Herz des Ungeborenen schlägt.
  • Zwischen der 24. und Ende der 34. Woche:
    Zu einem so frühen Zeitpunkt ist das Ungeborene diversen Gefahren ausgesetzt, wenn es zu einem vorzeitigen Blasensprung kommt: Zum einen droht eine Frühgeburt, zum anderen kann das Kind durch einen Nabelschnurvorfall ums Leben kommen. Eine Infektion muss vermieden werden, um Schaden für Mutter und Kind abzuwenden. Die werdende Mutter muss in der Klinik rund um die Uhr überwacht werden. Es wird Bettruhe verordnet – zusätzlich eventuell Antibiotika und wehenhemmende Mittel sowie ein Lungenreifungsmittel.
  • Ab der 34. Woche:
    Bei einem Blasensprung ab der 34. Woche steht die Geburt kurz bevor. Wenn die Wehen ausbleiben und keine Fruchtwasserinfektion besteht, muss dafür gesorgt werden, dass trotzdem innerhalb der nächsten 24 Stunden entbunden werden kann. Denn ohne den Schutz einer unversehrten Fruchtblase können Krankheitskeime ungehindert zum Kind vordringen. Sollten jedoch schon Anzeichen einer Infektion (Amnioninfektionssyndrom, kurz AIS) vorliegen, wird die Schwangerschaft ohne Verzögerung beendet, indem ein Kaiserschnitt (sectio cesarea) eingeleitet wird.

Vorbeugung eines vorzeitigen Blasensprungs

Inwieweit man einem vorzeitigen Blasensprung vorbeugen kann, ist nicht ganz geklärt. Bei bekannten Risikofaktoren wird die Schwangere genauer überwacht. Ein konsequenter Verzicht auf Alkohol und Nikotin trägt in jedem Fall sehr viel dazu bei, dass sich die Schwangerschaft festigen kann und ohne Probleme verläuft.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.02.2017
  • Autor/in: Dr. med. Müller de Cornejo, Ärztin für Allgemeinmedizin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin