Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft

Selbst, wenn eine Schwangerschaft lange ersehnt wurde, kann es passieren, dass die werdende Mutter alles andere als freudig reagiert, wenn es endlich dazu gekommen ist. Stimmungsschwankungen und Ambivalenz erleben viele Schwangere. Das ist völlig normal und eine Reaktion, die nicht nur psychische Gründe hat.

Frau ist traurig © Thinkstock

Ursachen von Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft

Die körperlichen Ursachen für die Stimmungsschwankungen liegen in der Hormonumstellung. Normalerweise werden die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron von den Eierstöcken produziert und durch einen komplizierten hormonellen Regelkreis koordiniert.

In der Schwangerschaft tritt plötzlich eine völlig neue Situation ein: Der Mutterkuchen (Plazenta) übernimmt nach und nach die Aufgabe der Hormonproduktion, bis er schließlich um den fünften Monat herum die Eierstöcke ersetzt. Viele Schwangere reagieren darauf mit einer Stimmungslabilität, die sie sich selbst nicht erklären können: In der einen Minute überschwemmt von Glücksgefühlen und in der nächsten den Tränen nahe. Im zweiten Schwangerschaftsdrittel beginnt sich die Lage aber zu beruhigen.

Symptome bei Stimmungsschwankungen

Die labile Stimmungslage zu Beginn der Schwangerschaft erleben Außenstehende oft als Reizbarkeit und Launenhaftigkeit. Allerdings führen Ermunterungen meist nur zu Schuldgefühlen, die alles schlimmer machen. Gerade das Gefühl, sich freuen zu müssen, setzt vielen Schwangeren zu, denn zur hormonell bedingten Stimmungslabilität kommen auch Sorgen und Ängste vor anstehenden Veränderungen, die viele Schwangere plagen.

Nach drei bis vier Monaten beruhigt sich normalerweise nicht nur die hormonelle Situation der Mutter, auch die Schwangerschaft und das Selbstvertrauen haben sich gefestigt und die Stimmungsschwankungen klingen allmählich ab.

Manchmal steckt jedoch mehr hinter der Labilität: Wenn Gefühle wie Angst, Beklemmung oder Aggression (gegenüber sich selbst, dem Partner oder dem ungeborenen Kind) überwiegen oder über die ersten drei Monate hinaus weiterbestehen, könnte eine psychische Erkrankung die eigentliche Ursache sein. Dann benötigt die werdende Mutter professionelle Unterstützung. Wenn eine Frau in ihrer Schwangerschaft überwiegend negative Gefühle entwickelt, braucht sie ärztliche Hilfe, denn möglicherweise leidet sie zum Beispiel an einer Depression.

Gegenmaßnahmen bei Stimmungsschwankungen

Setzen Sie sich selbst nicht unter Druck. Keine Schwangere hat jeden Tag gute Laune – auch nicht, wenn ihr sehnlicher Wunsch nach einem Baby in Erfüllung gegangen ist. Gestatten Sie sich, auch einmal niedergeschlagen, missgelaunt oder sorgenvoll zu sein – das geht wieder vorbei.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.02.2017
  • Autor/in: Dr. med. Müller de Cornejo, Ärztin für Allgemeinmedizin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin