Schwangerschaftsdermatosen: Hautkrankheiten in der Schwangerschaft

Neben den normalerweise bei Schwangeren auftretenden Hautveränderungen – etwa Schwangerschaftstreifen, Gefäßveränderungen, Hyperpigmentierungen (vermehrt braune Flecken, meist im Gesicht) und Hypertrichose (vermehrte Behaarung) – kommen manchmal auch Hauterkrankungen hinzu, die nur in der Schwangerschaft auftreten (Schwangerschaftsdermatosen) und danach wieder abheilen.

Schwangere Frau leidet an einer Schwangerschaftsdermatose und kratzt sich den Bauch © iStock

Polymorphes Exanthem der Schwangerschaft (PEP)

Eine dieser Hauterkrankungen ist das Polymorphe Exanthem der Schwangerschaft – kurz PEP (Polymorphic Eruption of Pregnancy). Etwa eine von 200 Schwangeren erkrankt daran.

Ursachen des Polymorphen Exanthems der Schwangerschaft (PEP)
Über die Ursachen des PEP gibt es derzeit nur Spekulationen – diskutiert werden ein Virus oder die hormonellen Umstellungen. Der Nachweis dafür ist aber nicht erbracht. Beobachtet wurde, dass Erstgebärende, Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften und Frauen, die in der Schwangerschaft stark zugenommen haben, häufiger an diesem juckenden Hautausschlag erkranken.

Symptome des Polymorphen Exanthems der Schwangerschaft (PEP)
Das PEP tritt in den letzten Schwangerschaftswochen auf – oft sogar erst kurz vor der Geburt und in seltenen Fällen auch direkt nach der Entbindung. Um den Bauchnabel herum und auf dem Po (vorzugsweise genau dort, wo auch die Schwangerschaftsstreifen entstanden sind) bilden sich plötzlich stark juckende Knötchen, die immer größer werden, ineinander übergehen und auf die Umgebung und sogar die Beine übergreifen. Für gewöhnlich sind Oberkörper und Gesicht nicht betroffen. Typischerweise vergleichen die erkrankten Frauen das Jucken mit dem Gefühl bei der Berührung von Brennnesseln.

Die entzündeten Knötchen verschwinden auch unbehandelt spätestens sechs Wochen nach der Entbindung und hinterlassen keine Narben. Für den Fötus besteht zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr durch PEP.

Behandlung des PEP
Da die Ursachen der Erkrankung unbekannt sind, kann man nur die Symptome – den Juckreiz und die Hauterscheinungen – behandeln: Der Arzt verschreibt eine Kortisonsalbe oder ein Antihistaminikum – beides birgt kein Risiko für das Kind und verschafft schon bald spürbare Linderung.

Pemphigoid gestationis (PG)

Eine weitere Schwangerschaftsdermatose ist das Pemphigoid gestationis. Die Hauterkrankung wird auch als Herpes gestationis bezeichnet, auch wenn es sich dabei um keine herpesbedingte Erkrankung handelt. Das PG beginnt plötzlich mit Blasenbildung um den Nabel herum und breitet sich dann auf der restlichen Haut aus – nur das Gesicht und die Schleimhäute sind in der Regel nicht betroffen. Grundsätzlich kann die Hauterkrankung jederzeit in der Schwangerschaft auftreten, im Durchschnitt beginnt sie jedoch um die 21. Woche und dauert meist einige Wochen an. Zur Linderung der Beschwerden kann der Arzt Glucokortikoide wie Kortison oder Antihistaminika verschreiben. Beim PG besteht ein erhöhtes Risiko für Frühgeburten, Plazentainsuffizienz und Untergewicht des Kindes, weshalb eine sorgfältige Überwachung der Schwangerschaft wichtig ist.

Intrahepatische Schwangerschaftscholestase (ISC)

Die intrahepatische Schwangerschaftscholestase (ISC), auch Pruritus gravidarum genannt, tritt besonders in der späten Schwangerschaft auf und hält bis zur Entbindung an. Bei dieser Hauterkrankung zeigen sich keine Hautveränderungen, sie zeichnet sich lediglich durch massiven Juckreiz – vor allem nachts – aus, der zu Kratzspuren führen kann. Zur Linderung des Juckreizes kann der Arzt der Schwangeren Präparate mit Ursodesoxycholsäure oder Polidocanol sowie Antihistaminika verschreiben. Auch kaltes Abduschen bessert die Beschwerden häufig schon deutlich. Bei der ISC ist das Risiko für Frühgeburten erhöht.

Atopisches Ekzem in der Schwangerschaft

Das atopische Ekzem ist keine Schwangerschaftsdermatose im engeren Sinne, da es auch außerhalb einer Schwangerschaft auftreten kann. Allerdings bricht diese Hauterkrankung besonders häufig erst in der Schwangerschaft aus – meist schon im ersten Schwangerschaftsdrittel. Es bilden sich juckende Papeln und Knötchen, die vor allem in den Ellen- und Kniebeugen, im Gesicht sowie an Hals und Dekolleté auftreten. Linderung können rückfettende Maßnahmen, kühles Abduschen und feuchte Umschläge, polidocanolhaltige Gele und Antihistaminika verschaffen. Auch eine zusätzliche Lichttherapie und Glukokortikoide können in schweren Fällen hilfreich sein. Für den Fötus besteht bei dieser Hauterkrankung keine Gefahr. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das atopische Ekzem in einer Folgeschwangerschaft erneut auftritt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 21.02.2017
  • Autor/in: Dr. med. Müller de Cornejo, Ärztin für Allgemeinmedizin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Dr. Kühl, Julia/Dr. Königsdorfer, Rebecca (2013): Schwangerschaftsdermatosen – eine praxisbezogene Übersicht (http://www.frauenheilkunde-aktuell.ch/frauenheilkunde-d/PDF-Ordner-FHA-Frauenheilkunde-aktuell/Frauenheilkunde-Aktuell-Ausgabe-13-03/FHA-Artikel_Schwangerschaftsdermatosen.pdf)
  • Dermatology Information System (DermIS): Herpes gestationis (http://www.dermis.net/dermisroot/de/26713/diagnose.htm)
  • Altmeyer, Peter (2014): Enzyklopädie Dermatologie, Allergologie, Umweltmedizin
  • Uhl, Bernhard (2013): Gynäkologie und Geburtshilfe compact