Schuppenflechte (Psoriasis): medikamentöse Therapie mit Salben und Cremes

Sind die Plaques schuppenfrei, kann die eigentliche topische Therapie beginnen. Es gibt verschiedene Medikamente mit schuppenhemmenden Wirkstoffen zur äußerlichen Anwendung:

Dithranol (Cignolin/Antralin)

Dithranol ist ein Mittel zur äußerlichen Behandlung der Schuppenflechte. Dithranol hemmt die Zellteilung und Entzündungen. Vor allem zur Erstbehandlung der Psoriasis wird der Wirkstoff zwar noch gerne eingesetzt, verliert wegen zahlreicher Nachteile aber immer mehr an Bedeutung. Dithranol reizt die Haut, daher ist es nicht für empfindliche Körperpartien wie Gesicht oder Intimregion geeignet. Außerdem verfärbt es Haut und Wäsche bräunlich.

Eine Therapie mit Dithranol findet meist in der Klinik statt: Dabei wird der Patient morgens mit der Salbe eingerieben, die dann 24 Stunden auf der Haut bleibt. Höher dosierte Dithranol-Cremes gibt es auch als Minutentherapie für zu Hause. Das Präparat bleibt dann nur für zehn bis 30 Minuten auf der Haut und wird danach gründlich abgeduscht.

Vitamin D3 und seine Abkömmlinge

Als hochwirksam und arm an Nebenwirkungen hat sich die äußerliche Behandlung mit Vitamin D3 und seinen Abkömmlingen erwiesen. Die Wirkstoffe Calcitriol, Calcipotriol und Tacalcitol bremsen die Zellteilung und hemmen Entzündungen. Die Mittel eigenen sich stoßweise zur Dauerbehandlung, können aber empfindliche Hautstellen reizen. Sind mehr als 30 Prozent der Hautfläche betroffen, eigenen sich Vitamin-D3-Präparate meist nicht zur Behandlung, da es zu einer Beeinflussung des Kalziumstoffwechsels kommen kann. Meist wird dann Vitamin D3 in Kombination mit Kortisonpräparaten eingesetzt.

Kortisonartige Präparate

Kortisonartige Wirkstoffe zählen zu den Immunsuppressiva und sind fast genauso aufgebaut wie das im Körper natürlich vorkommende Hormon Kortison. Entzündungen und überschießende Abwehrreaktionen der Haut lassen sich schnell und wirksam bekämpfen, weshalb Kortisonpräparate gerne zur Therapie der Schuppenflechte eingesetzt werden. Zudem lindern sie Juckreiz und verringern das Wachstum der Hautzellen.

Die Handhabung und Kombination mit anderen Mitteln zur lokalen Anwendung ist meist unproblematisch. Falsch angewandt können Kortisonpräparate die Haut jedoch schädigen: Dauergebrauch und großflächige Anwendung dünnen die Haut aus und machen sie anfällig für Verletzungen. Bei abruptem Absetzen kann sich der Hautzustand schnell wieder verschlechtern – es kommt zum sogenannten „Rebound“ (Rückfall). Deshalb werden Kortikoide ausgeschlichen, das heißt langsam reduziert.

Calcineurin-Inhibitoren

Calcineurin-Inhibitoren sind in Deutschland nur zur Behandlung der Neurodermitis zugelassen, dürfen aber inoffiziell (off-label) in begründeten Fällen zur Therapie der Schuppenflechte verschrieben werden. Sie blockieren das lokale Immunsystem der Haut, indem sie in speziellen Immunzellen die Herstellung von Entzündungsbotenstoffen (Zytokinen) blockieren.

Die Wirkstoffe Pimecrolimus und Tacrolimus haben sich insbesondere zur topischen Behandlung von Plaque-Herden im Gesicht oder in der Intimzone bewährt. Als Immunsuppressiva wirken sie ähnlich wie Kortisonpräparate, schnell, antientzündlich und verbessern die Hautreifung – mit einem entscheidenden Vorteil: Sie dünnen die Haut nicht aus. Aber: Es gibt keine Langzeitstudien über die Sicherheit dieser Wirkstoffklasse. Nebenwirkungen wie erhöhte Infektionsgefahr und Lichtempfindlichkeit sind möglich.

Steinkohlenteer

Teer hat entzündungshemmende Eigenschaften und kann die überschießende Vermehrung von Hautzellen hemmen. Die Wirkung ist allerdings nicht ausreichend wissenschaftlich belegt. Mangels Alternativen galten Teerpräparate in der Vergangenheit als bewährtes Mittel zur äußerlichen Behandlung bei Schuppenflechte. Heute stehen risikoärmere und besser anwendbare Medikamente bereit. Daher behandeln Hautärzte die Schuppenflechte nur noch in begründeten Ausnahmefällen mit Steinkohlenteer.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.02.2017
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Caroline Hansen, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: O. Braun-Falco, G. Plewig, H. Wolff: Dermatologie und Venerologie, Springer Verlag 1997
  • A. Bopp, V. Herbst: Handbuch Medikamente, Stiftung Warentest 2002
  • Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, 260 Auflage, de Gruyter Verlag Berlin 2004
  • Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (http://www.derma.de/leitlinien.html)
  • Online-Information des Kompetenznetzwerk Psoriasis (http://www.psoriasis-netzwerk.org/)
  • PSO-online (http://www.pso-online.de/), gemeinsamer Informationsdienst der Universitäts-Hautklinik Hamburg und der Zeitschrift PSO aktuell
  • Pharmakologie und Toxikologie, von Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Martin Wehling, Georg Thieme Verlag, 2006
  • Kinderdermatologie: Differenzialdiagnostik und Therapie bei Kindern und Jugendlichen, von Peter H. Höger, Schattauer Verlag, 2007
  • Online-Information des Universitätsklinikums Leipzig (http://www.uniklinikum-leipzig.de/)
  • Altmeyer, P (2013): Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologe, Umweltmedizin.
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