Schuppenflechte (Psoriasis): Licht- und Klimatherapie

Für das Sonnenbad zu Heilzwecken prägte der griechische Historiker Herodot im 5. Jahrhundert vor Christus erstmals den Begriff „Heliotherapie“, (griech. helios, „Sonne“ und therapeia, „Pflege“). Das Wissen um die heilende Wirkung des Sonnenlichts ist uralt: Assyrer, Ägypter, Griechen, Römer und Germanen – eine Vielzahl antiker Kulturen stellte die Sonne Gott gleich und nutzte die Heilkraft des natürlichen Lichts, um Hautkrankheiten zu lindern.

Auch die Lichtempfindlichkeit erhöhende Pflanzenstoffe (Psoralen) oder klimatisch-physikalische Einflüsse wie Höhenluft oder Meerwasser (Helio-Thalasso-Therapie) kamen dabei zum Einsatz. Bis heute ist das Salzwasserbad unter Lichteinwirkung für die Behandlung der Schuppenflechte bedeutsam, zum Beispiel im Rahmen der Balneo-Fototherapie.

Die moderne Lichttherapie

Mit der Entdeckung des Sonnenlichtspektrums gegen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Ära der modernen Lichttherapie (Fototherapie) mit künstlichen Lichtquellen, die bis heute vor allem die ultravioletten Lichtanteile UVA und UVB nutzt. Der dänische Arzt Nils Ryberg Finsen gilt als Begründer der modernen dermatologischen Lichtbehandlung. Er entwickelte ein medizinisches Gerät, das künstliches UV-Licht erzeugen konnte, und setzte es zur Behandlung der Hauttuberkulose ein. Für seine Forschungen erhielt er 1903 den Medizinnobelpreis.

Therapie mit UV-Licht

UV-Strahlen kann man nicht sehen. Als unsichtbarer Teil des natürlichen Lichtspektrums haben die elektromagnetischen Strahlen Wellenlängen von 100 bis 400 Nanometern. Sie können Hautkrankheiten lindern, zugleich aber auch die Hautalterung beschleunigen oder Lichtschäden wie Sonnenbrand und Hautkrebs verursachen. Daher kommt die Fototherapie immer nur kurzfristig zum Einsatz, vor allem um akute Schuppenflechte-Schübe zu mildern, und nicht als Dauerbehandlung.

Bei der Fototherapie der Schuppenflechte kommt mittel- bis langwelliges UV-Licht zum Einsatz. Die Strahlen können Entzündungszellen zerstören oder das übermäßige Wachstum der Hautzellen verlangsamen. Zur Therapie mit künstlichem Licht gibt es unterschiedlichste Geräte, zum Beispiel Bestrahlungskabinen, kleinere UV-Geräte für die Bestrahlung von Händen und Füßen, Lichtkämme für die Kopfhaut, Punktstrahler zur Behandlung der Nägel oder Laser.

Für wen eignet sich eine Lichttherapie nicht?

UV-Licht kann genetische Schäden verursachen. Manche Menschen haben für solche Lichtschäden ein besonderes Risiko, etwa bei seltenen Erkrankungen durch Gendefekte, bei einigen Autoimmunerkrankungen, bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen sowie erhöhtem Hautkrebs-Risiko.

Wechselwirkungen

Eine Fototherapie kann Wechselwirkungen verursachen mit fotosensibilisierenden Medikamenten und Substanzen, die die Lichtempfindlichkeit erhöhen. Vorsicht geboten ist bei einigen Mitteln gegen Herzkrankheiten, Antimykotika, Antibiotika und Antidepressiva. Auch Desinfektionsmittel und Duftstoffe in Parfüms können unter Lichteinwirkung die Haut reizen. Gegenanzeigen für eine Lichttherapie mit Psoralenen wie der PUVA sind Schwangerschaft, Stillzeit, schwere Leberschäden (orale PUVA) oder die Einnahme von Ciclosporin.

Die richtige Lichtdosis

Vor jeder Lichttherapie muss der Arzt die optimale Lichtdosis ermitteln, die je nach Hauttyp für jeden Menschen anders ausfallen kann. Mit einem speziellen Messgerät lässt sich die Erythemschwelle bestimmen: Dabei testet der Hautarzt die Minimale Erythemdosis (MED), das heißt bei welcher Lichtdosis die Haut gerade noch mit einer minimalen Rötung reagiert. Von der Minimalen Fototoxischen Dosis (MPD) spricht man, wenn zusätzlich zur Lichttherapie die Lichtempfindlichkeit mit Psoralenen erhöht wird. Eine andere Möglichkeit ist das Dosierungsschema nach Hauttyp. In einem UV-Lichtpass sollte der Arzt alle Behandlungen dokumentieren.

UVB-Therapie (UV-Fototherapie)

Heute gilt die Schmalspektrum-Behandlung mit UVB311 als Therapiestandard. Sie hat sich gegenüber den früher angewandten Verfahren bei Schuppenflechte als effektiver und schonender erwiesen. Die Dosis wird dabei in der Regel nach jeder Sitzung gesteigert. Auch eine Kombination beispielsweise mit Vitamin-D3-Abkömmlingen oder Retinoiden ist gut möglich.

PUVA-Therapie (Fotochemotherapie)

Die PUVA-Therapie ist eine Fotochemotherapie, d. h. sie nutzt UVA-Licht in Kombination mit einem Lichtsensibilisator, dem Psoralen (8-Methoxypsoralen). Die Wirkung ist intensiver als bei der UVB-Therapie, denn das Psoralen erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut und wird kurze Zeit vor der Bestrahlung angewandt. Es gibt die orale PUVA mit Tabletten, die Bade-PUVA mittels Vollbad und die Creme-PUVA für kleinere, eingegrenzte Plaques oder Schuppenflechte an Händen und Füßen. Mögliche Nebenwirkungen sind Hautverbrennungen und Juckreiz, bei der oralen PUVA kann Übelkeit hinzukommen.

Durch das Psoralen können Haut und Augen bereits Stunden vor und nach der Behandlung sonnenempfindlich reagieren. Daher sollte man sich an Behandlungstagen gut vor der Sonne schützen – selbst im Schatten, bei bewölktem Himmel oder hinter Fensterglas. Experten raten zu maximal 200 PUVA-Therapien während des gesamten Lebens.

Lasertherapie

Sie eignet sich für Patienten mit kleinen Psoriasis-Herden. Dabei werden die betroffenen Hautstellen ganz gezielt mit speziellem Laserlicht bestrahlt, dem Excimer-Laser mit einer Wellenlänge von 308 Nanometer. Die umliegende, nicht betroffene Haut wird nicht mit bestrahlt, wie es bei den anderen Lichttherapien der Fall ist. Deshalb kann das Laserlicht von Therapiebeginn an stärker dosiert werden.

Die Methode ist aber nur sinnvoll, wenn nicht mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche von der Psoriasis betroffen ist. Ein anderer Laser, der sich zur Psoriasis-Therapie eignet, ist der gepulste Farbstofflaser. Mit ihm können die Gefäße unterhalb des Psoriasis-Herdes zerstört und so die Plaques vom Blutfluss abgeschnitten werden.

Klima- und Sole-Fototherapie (Fotosoletherapie)

Seit dem 1. Juli 2008 ist auch die Sole-Fototherapie wieder eine Kassenleistung. Die der Natur nachempfundene Kombination von Salzwasserbad und UVB-Licht ist laut Studien wirksamer als eine reine UVB-Lichttherapie. Bei der asynchronen Blaneo-Fototherpaie badet der Patient zunächst in einer Salzlösung und wird später bestrahlt. Es gibt auch spezielle Wannen für die gleichzeitige (simultane) Behandlung mit Licht und Sole. Die Sole-Fototherapie wird meist im Rahmen von stationären Kuren genutzt, ist aber auch ambulant bei spezialisierten Hautärzten oder in Behandlungszentren möglich.

Der Effekt kommt einer Badekur am Toten Meer gleich: Durch die geographische Lage mit 400 Meter unter dem Meeresspiegel entsteht ein heilsames Klima, mit zum Beispiel hohem Salzgehalt in Wasser und Luft und mildem Sonnenlicht. Grundsätzlich kann schon ein Klimawechsel durch einen längeren Aufenthalt im Hochgebirge oder am Meer bei Psoriasis Linderung verschaffen, zum Beispiel in den Alpen oder an der Nord- und Ostsee.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.02.2015
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Caroline Hansen, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: O. Braun-Falco, G. Plewig, H. Wolff: Dermatologie und Venerologie, Springer Verlag 1997
  • A. Bopp, V. Herbst: Handbuch Medikamente, Stiftung Warentest 2002
  • Pschyrembel - Klinisches Wörterbuch, 260 Auflage, de Gruyter Verlag Berlin 2004
  • Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (http://www.derma.de/leitlinien.html)
  • Online-Information des Kompetenznetzwerk Psoriasis (http://www.psoriasis-netzwerk.org/)
  • PSO-online (http://www.pso-online.de/), gemeinsamer Informationsdienst der Universitäts-Hautklinik Hamburg und der Zeitschrift PSO aktuell
  • Pharmakologie und Toxikologie, von Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Martin Wehling, Georg Thieme Verlag, 2006
  • Physiotherapie: Grundlagen und Techniken der Hydro-/Elektrotherapie und Massage, Johannes Christoph Cordes, Wolf Arnold, Brigitte Zeibig (Hrsg.), Elsevier, Urban & Fischer Verlag, 2002
  • Deutscher Psoriasis Bund e. V. (Hrsg.): Fibel zur Lichttherapie der Psoriasis, 2009
  • Altmeyer, P (2013): Enzyklopädie der Dermatologie, Allergologe, Umweltmedizin.
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