Therapie bei Schulter-Arm-Schmerzen

Je nach Ursache der Schulter-Arm-Schmerzen kommen zur Behandlung der Zervikobrachialgie (auch Zervikobrachialsyndrom) lokale Maßnahmen, Medikamente und Physiotherapie zum Einsatz. Bessern sich die Beschwerden dadurch nicht ausreichend, kann eine Operation notwendig sein.

Allgemeine Verhaltensempfehlungen

Grundsätzlich sollten Betroffene brüske Bewegungen, extreme Drehungen sowie Vor- und Rückneigungen vermeiden. Sie sollten Halswirbelsäule und Schultern warm halten. Ein feiner Woll- oder Seidenschal verhindert, dass Luftzug oder plötzliche Kälteeinflüsse die Muskelspannung erhöhen und die Schmerzen verstärken.

Wärmebehandlung und Massage bei Zervikobrachialgie

Mit einer Wärmebehandlung – zum Beispiel einer Infrarot- oder Kurzwellenbestrahlung oder einer Fangopackung – und anschließender Massage kann der Therapeut  schmerzhaft verspannte Muskeln lockern.

Reizstrombehandlung und Ultraschall gegen die Schmerzen

Beim Zervikobrachialgiesyndrom haben sich Reizstrombehandlungen wie die Iontophorese und diadynamische Ströme sowie das Zweizellenbad bewährt. Dabei taucht der Betroffene die Unterarme in je ein Wasserbecken – ein sehr schwacher elektrischer Strom fließt über Arme und Rücken. Darüber hinaus kann Ultraschall in niedriger Dosierung angewendet werden.

Physiotherapie, Manuelle Medizin und Chirotherapie

Physiotherapeutische, manualmedizinische Behandlungen und chirotherapeutische Manipulationen sind Verfahren, bei denen der Therapeut durch Zug und spezielle Techniken versucht, Blockaden zu lösen, Muskeldysbalancen zu mindern und eingeklemmte Nerven zu befreien. Manipulationen an der Halswirbelsäule sind allein erfahrenen und speziell ausgebildeten Ärzten vorbehalten, da bei unsachgemäßer Behandlung schwere Schäden entstehen können.

Medikamente bei Zervikobrachialgie

Bei akuten Schmerzen kann es notwendig sein, Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure und Paracetamol einzusetzen. Gegen stärkere Schmerzen helfen beispielsweise Medikamente mit den Wirkstoffen Diclofenac und Indometacin. Zusätzlich hat sich die Einnahme von muskelentspannenden Präparaten bewährt. Bei chronischen Schmerzen ist immer eine individuelle Schmerztherapie erforderlich.

Quaddelbehandlung und therapeutische Lokalanästhesie

Oftmals entstehen schmerzhafte Muskelverspannungen durch Fehlbelastungen. Nebenwirkungsarm, aber oftmals effektiv, ist dann das Quaddeln der Haut mit einem lokalen Betäubungsmittel wie beispielsweise Procain. Auch das Einspritzen eines Lokalanästhetikums in die Muskulatur kann Muskelverspannungen lockern. Dadurch vermindert sich der auf den Nerven lastende Druck – so wird der Teufelskreis von Verspannung, schlechter Durchblutung der Muskulatur, Druckschädigung von Nerven und Schmerz durchbrochen.

Eine Halskrawatte schützt, wärmt und stützt

Eine Halskrawatte schützt die Wirbelsäule vor unbeabsichtigten Bewegungen, wärmt und stützt. Sie kommt allerdings nur bei bestimmten Erkrankungen und für eine begrenzte Zeit zum Einsatz. Betroffene sollten die Krawatte nicht dauernd tragen, sondern täglich für einige Stunden ablegen, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden.

Glisson-Schlinge kann Schulter-Arm-Schmerzen lindern

Die Glisson-Schlinge soll die Halswirbelsäule strecken und entlasten. Dabei legt der Therapeut einen gepolsterter Lederriemen um Kinn und Hinterkopf. Jetzt kann die Wirbelsäule über einen daran angreifenden leichten Zug entlastet werden. Eine täglich oder mehrmals wöchentlich stattfindende Behandlung von fünf bis 20 Minuten bessert die Beschwerden mancher Patienten.

Fachleute diskutieren allerdings, ob die Behandlung mit der Schlinge noch zeitgemäß ist, da es sich um eine recht grobe apparative Methode handelt. Wichtig: Vor jeder Behandlung muss die Diagnose geklärt sein. Nur so kann der Arzt beurteilen, ob der Zug an der Wirbelsäule eine geeignete Therapie ist. Nicht jeder Betroffene verträgt die Zugbehandlung. Sie muss angenehm sein und abgebrochen werden, falls Beschwerden auftreten oder zunehmen.

Schlingentisch lagert den Betroffenen schwerefrei

Bei der Behandlung auf dem Schlingentisch lagert der Patient in einer besonderen Vorrichtung praktisch schwerefrei. Das schaltet die Muskelspannung weitgehend aus – der Therapeut kann die Bewegungstherapie optimal durchführen.

Operative Behandlung – letztes Mittel beim Zervikobrachialgiesyndrom

Lässt der Befund - computertomografisch oder durch ein MRT - oder der Krankheitsverlauf keine Besserung erwarten, ist eventuell ein operativer Eingriff erforderlich. Der Arzt wird auch zur Operation raten, wenn eine Fehlstellung der Halswirbelsäule droht oder sich die Beschwerden trotz intensiver konservativer Therapie nicht bessern. Drohen dauerhafte Schäden an Rückenmark und Nervenwurzeln muss ebenfalls operiert werden. Bei den meisten Patienten bilden sich die verminderte Kraft und die Gefühlsstörungen durch die OP zurück. Die Schmerzen bessern sich oft bereits direkt nach dem Eingriff.

Falls Teile einer vorgefallenen Bandscheibe oder Knochenauswüchse Nerven einengen oder quetschen, befreit der Operateur die betroffenen Nerven von dem Gewebe, das die Beschwerden verursacht.
Bei einer ausgeprägten Instabilität der Halswirbelsäule wird der Arzt diese operativ stabilisieren. Das heißt: Er stellt wieder eine feste Verbindung zwischen den zwei betroffenen Wirbelkörpern her. Meist setzt er dazu einen sogenannten Cage, einen Knochenblock oder eine Bandscheibenprothese, ein und versteift das Segment. Mittlerweile gibt es auch neue, minimalinvasive Verfahren, die eine besonders schonende Behandlung ermöglichen.

Welche Operationsmethode geeignet ist, wird der Arzt für jeden Patienten individuell entscheiden. In den letzten Jahren wurden viele moderne Operationsmethoden bis hin zum „tissue engineering“ (Zellzüchtung und Gewebekonstruktion) eingeführt. Das Ziel ist es, möglichst schonende Operationstechniken weiter zu entwickeln, die nach der OP die natürlichen Bewegungsabläufe wenig beeinträchtigen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.04.2018
  • Autor/in: Anja Dolski, Medizinredakteurin, vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: www.leitlinien.net : Bandscheibenbedingte Ischialgie, Stand April 2002
  • www.orthopaede.com : Wirbelsäule
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