Therapie bei Schulter-Arm-Schmerzen

Die Zervikobrachialgie (auch Schulter-Arm-Schmerzen oder Zervikobrachialsyndrom) ist im Allgemeinen kein Grund zur Sorge. Nachdem sich der Arzt vergewissert hat, dass die seitlich der Halswirbelsäule austretenden Nerven genügend Platz haben und ein Bandscheibenvorfall unwahrscheinlich ist, leitet er in der Regel eine möglichst schonende Behandlung ein.

Der Patient sollte es vermeiden, brüske Bewegungen, extreme Drehungen sowie Vor- und Rückneigungen auszuführen. Halswirbelsäule und Schultern sind warm zu halten. Ein feiner Woll- oder Seidenschal verhindert, dass der Luftzug oder plötzliche Kälteeinflüsse die Muskelspannung erhöhen und die Schmerzen verstärken. Gut bewährt hat sich ein Watteverband.

Glisson-Schlinge

Halswirbelsäulenbeschwerden lassen sich mit einem leichten Zug am Kopf bessern. Daran setzen das Konstruktionsprinzip und die Wirkungsweise der Glisson-Schlinge an. Ein gepolsterter Lederriemen wird um Kinn und Hinterkopf gelegt. Jetzt kann die Wirbelsäule über einen daran angreifenden leichten Zug entlastet werden. Durch eine täglich oder mehrmals wöchentlich stattfindende Behandlung von 5 bis 20 Minuten lassen sich die Beschwerden vielfach erheblich bessern. Allerdings verträgt nicht jeder Patient diese Zugbehandlung gleich gut. Sie muss abgebrochen werden, sobald die Beschwerden zunehmen oder eine Taubheit in den Fingern auftritt.

Schlingentisch

Bei der Behandlung auf dem Schlingentisch wird der Patient in einer besonderen Aufhängevorrichtung praktisch schwerefrei gelagert und der Therapeut hat nun die Möglichkeit, seine Bewegungstherapie unter weitgehender Ausschaltung der Muskelspannung durchzuführen.

Wärmebehandlung

Mit einer Wärmebehandlung – zum Beispiel einer Infrarot- oder Kurzwellenbestrahlung oder einer Fangopackung und vorsichtigen Massagen – lassen sich die schmerzhaft verspannten Muskeln auflockern.

Reizstrombehandlung und Ultraschall

Reizstrombehandlungen wie die Iontophorese und diadynamische Ströme haben sich ebenso wie das Zweizellenbad bewährt, bei dem die Unterarme in je ein Wasserbecken getaucht werden und ein sehr schwacher elektrischer Strom über die Arme und den Rücken fließt.

Darüber hinaus kann der Ultraschall in niedriger Dosierung zur Anwendung kommen.

Chirotherapie

Chirotherapeutische Manipulationen, bei denen durch Zug und spezielle zusätzliche Bewegungen versucht wird, den Nerv zu befreien, sind allein dem erfahrenen Arzt vorbehalten. Dieses Behandlungsverfahren ist bei der Zervikobrachialgie mit äußerster Vorsicht anzuwenden.

Medikamente

In den ersten Tagen kann es notwendig sein, Schmerzmittel mit Wirkstoffen wie Acetylsalicylsäure und Paracetamol einzusetzen. Stärkere Schmerzen lassen sich durch Antirheumatika (zum Beispiel Diclophenac und Indometacin) beeinflussen. Zusätzlich hat sich die Gabe von muskelentspannenden Präparaten bewährt. In erster Linie ist hier an Diazepam in niedriger Dosierung zu denken.

Quaddelbehandlung

Weitgehend unschädlich, aber gut wirksam ist das Quaddeln der Haut oder Infiltrieren der Muskulatur mit einem lokalen Betäubungsmittel. Mit der Muskelentspannung vermindert sich der auf dem Nerven lastende Druck – der Teufelskreis von Schmerz, Verspannung und Druckschädigung des Nervs lässt sich vielfach durchbrechen.

Halskrawatte

Dieses Hilfsmittel, das die Wirbelsäule vor unbeabsichtigten Bewegungen schützt, wärmt und stützt, wird gelegentlich für eine begrenzte Zeit verordnet. Die Krawatte sollte nicht dauernd getragen, sondern täglich für einige Stunden abgelegt werden, um einen Gewöhnungseffekt zu vermeiden.

Operation

Lässt der computertomografisch festgestellte Befund oder der Verlauf keine Besserung erwarten, so kann ein operativer Eingriff erforderlich werden. Hierbei befreit der Operateur den Nerven von dem Gewebe, das die Beschwerden verursacht. Es kann sich um einen Teil der vorgefallenen Bandscheibe oder um Knochenauswüchse handeln.

Muss mit einer Instabilität zwischen zwei Wirbelkörpern gerechnet werden, dann wird man eine operative Verbindung anstreben. Das heißt, der Operateur wird einen Knochenspan, der aus dem Beckenkamm des Patienten entnommen wird, zwischen die beiden Halswirbelkörper einsetzen. Nach zwei bis drei Monaten ist der Knochen fest eingeheilt, und die Kopfstütze, die bis dahin getragen werden muss, kann wieder abgelegt werden. Durch eine Krankengymnastik wird die Beweglichkeit der Halswirbelsäule weitgehend wiederhergestellt.

Bei den meisten Patienten bilden sich die Kraftminderung und die Gefühlsstörungen zurück, die Schmerzen verschwinden oft direkt nach der Operation.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.10.2014
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: www.leitlinien.net : Bandscheibenbedingte Ischialgie, Stand April 2002
  • www.orthopaede.com : Wirbelsäule
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