Symptome: Jeder hat ein persönliches Schmerzempfinden

Schmerzen entstehen nicht nur durch die akute Reizung von Schmerzrezeptoren. Auch Verletzungen und Entzündungen von Nervenbahnen oder Nervengifte verursachen Schmerzen. Daher werden zwei Arten von Schmerzen unterschieden: der nozizeptive und der neurogene oder neuropathische Schmerz. Beide unterscheiden sich in ihrer Symptomatik.

Der nozizeptive Schmerz an oberflächlichen Strukturen wie Haut, Muskeln und Knochen äußert sich oft als ziehender, scharfer, gut lokalisierbarer Schmerz. Allerdings können nozizeptive Schmerzen der inneren Organe auch dumpf drückend und schwer einzuordnen sein.

Charakteristische Merkmale von Schmerzen, die durch Nervenschädigungen entstehen, sind: brennender Dauerschmerz, einschießender stechender Schmerz, elektrisierender Schmerz, Kribbeln und Pelzigkeit, Überempfindlichkeit auf einen schmerzhaften Reiz und Empfindlichkeit auf einen normalerweise nicht schmerzhaften Reiz.

Unterschiedliche Wahrnehmung

Die Schmerzwahrnehmung und das Schmerzerleben, die sogenannte individuelle Schmerztoleranz, sind sehr unterschiedlich. Ob Schmerzen und vor allem wie Schmerzen empfunden werden, ist von vielen Dingen abhängig, wie zum Beispiel:
  • Begleitumstände
  • Persönlichkeit
  • kultureller Hintergrund
  • „innere“ Einstellung
  • körperliche Gesamtverfassung
In unserer westlichen Welt gilt Schmerz grundsätzlich als fremd und störend. Die Menschen haben verlernt, Schmerzen als Teil des natürlichen Lebens zu erkennen. Zusätzlich beeinflusst die Erwartungshaltung des Betroffenen das Schmerzerleben und den Umgang mit Schmerzen erheblich. Viele ältere Menschen „gewöhnen sich“ an ein Maß an Schmerzen, da sie diese als gegebenen Teil des Alterns einschätzen.

Ein weiterer, zentraler Punkt sind Begleiterkrankungen und andere schwächende Faktoren. Sie müssen unbedingt berücksichtigt werden, soll die Schmerztherapie erfolgreich sein. Dies trifft in besonderem Maß auf ältere, multimorbide Schmerzpatienten zu. Auch trägt die persönliche Lebenssituation zum Schmerzerleben bei. In manchen Situationen ist man „verletzlicher“.

Da sich vor allem aus chronischen Schmerzen erhebliche Veränderungen der Lebensqualität (Depression, Schlafstörungen, Gehbehinderungen) ergeben können, entstehen durch sie häufig Ängste. Mitgefühl, Verständnis und praktische Hilfe durch die soziale Umgebung (Familie, Freunde, Kollegen) können für Betroffene positiv und schmerzlindernd sein.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.02.2013
  • Autor/in: Dr. med. Kathrin Fahl, Dr. med. Karen Strehlow, Charité - Universitätsmedizin - Berlin; Redaktion vitanet.de: Anja Dolski, Medizinredakteurin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter;
  • Quellen: Grundlagen der Schmerztherapie, Thomas Flöter (Hrsg.), Medizin
  • Therapie chronischer Schmerzen, Hans W. Striebel et al., Schattauer, F.K. Verlag, 2001
  • Kompendium der medikamentösen Schmerztherapie, E. Beubler, Springer, Wien, 2003
  • Dr. med. Robert Reining, Dr. rer. nat. Anita Schweiger: Endlich weniger Schmerzen. Stuttgart 2006.
  • Renée Bader, Guido Gallacchi: Schmerzkompendium – Schmerzen verstehen und behandeln. Stuttgart 2001.
  • Ulf Werner: Alarmsignal Schmerz – Seelische Ursachen von Schmerzen verstehen und behandeln. Stuttgart 2004.
  • http://www.akh-consilium.at/daten/schmerz (Universitätsklinikum Wien)
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