10 Regeln im Umgang mit Schmerzen

Viele Menschen müssen mit chronischen Schmerzen leben. Das ist nicht leicht. Die folgenden zehn Regeln können dabei helfen, besser mit dem Schmerz umzugehen.

  1. Machen Sie sich zunächst bewusst, wer die wichtigste Person ist, wenn es darum geht, Ihre Situation zu verbessern: Es sind Sie selbst.
  2. Als hilfreich erweist es sich, ein Schmerztagebuch zu führen. Denn wer seine Schmerzauslöser erkennt, kann lernen, mit ihnen umzugehen oder sie zukünftig zu vermeiden. Auf diese Weise gewinnen Sie entscheidenden Einfluss auf Ihre Schmerzen.
  3. Wichtig ist, dass Sie sich im Umgang mit Ihren Schmerzen persönliche Ziele setzen. Die übergeordneten Ziele sollten Sie dabei auf konkrete Wochenziele herunterbrechen. Wenn es zum Beispiel Ihr großes Ziel ist, wieder zwei Kilometer am Stück laufen zu können, dann könnte ein gutes Wochenziel sein, zunächst an zwei Tagen in der Woche jeweils 500 Meter zu laufen. Möglicherweise setzen Sie sich in der nächsten Woche das Ziel, diese Strecke jeweils an drei Tagen zu laufen und so weiter.
  4. Für manche Patienten ist es auch wichtig, zu lernen, mehr Pausen zu machen und sich nicht durch übertriebene körperliche Aktivität selbst immer wieder in die Schmerzen zu treiben. Wenn Sie Pausen einlegen, bevor der Schmerz Sie dazu zwingt, werden Sie Ihre Arbeit vermutlich schneller wieder aufnehmen können. Entscheidend dabei ist, dass Sie die Pausen nach einem festen Zeitplan machen und sie sich nicht von den Schmerzen (oder dem Fortschritt der Arbeit) diktieren lassen.
  5. Auch Ihre Gedanken und Gefühle haben großen Einfluss auf Ihre Schmerzen. Machen Sie sich die Gedankengänge bewusst, die automatisch Schmerzen bei Ihnen auslösen. Sie können nun üben, diesen „Giftsätzen“ positive Gedanken entgegenzustellen. Statt zu denken: „Ich halte das nicht mehr aus!“, könnten Sie sich etwa daran erinnern, dass Sie ähnliche Situationen schon oft durchgestanden haben, und zu sich sagen: „Ich weiß, morgen geht es mir schon wieder besser.“ Auf diese Weise können Sie lernen, mit sich selbst so zu reden, wie Sie mit einem guten Freund reden würden, der in einer vergleichbaren Situation steckt.
  6. Es gibt noch mehr, was Sie für Ihre Stimmung tun können: Gönnen Sie sich möglichst viele angenehme Aktivitäten. Auf diese Weise schaffen Sie ein positives Gegengewicht zu den Schmerzen. Suchen Sie sich zunächst eine Aktivität aus, die Ihnen Freude machen könnte. Das kann etwas sein, was Sie schon lange nicht mehr gemacht haben oder auch etwas ganz Neues. Planen Sie diese Aktivität wie eine Verabredung: Notieren Sie sie im Terminkalender, treffen Sie die erforderlichen Vorbereitungen. Genießen Sie die Vorfreude. Aber achten Sie darauf, bei Ihren Plänen realistisch zu bleiben.
  7. Besonders hilfreich für viele Schmerzpatienten ist, wieder mehr unter Menschen zu kommen. Zwischenmenschliche Kontakte lenken ab, erzeugen positive Erlebnisse und Gefühle und machen Ihnen bewusst, dass Sie nicht alleine sind. Insbesondere, wenn Sie wegen Ihrer Schmerzen nicht arbeiten können und vielleicht Selbstbestätigung vermissen, kann es eine gute Idee sein, sich eine Aufgabe zu suchen, zum Beispiel eine ehrenamtliche Tätigkeit.
  8. Ihre Familie, Ihre engsten Freunde können eine wichtige Quelle der Unterstützung für Sie sein. Wenn Sie bei sich oder Ihren Familienmitgliedern negative Gefühle im Zusammenhang mit den Schmerzen wahrnehmen, sollten Sie diese unbedingt miteinander besprechen. Das ist wichtig, damit Sie weiter an einem Strang ziehen können. Überlegen Sie gemeinsam, welche Aufgaben Sie zurzeit abgeben möchten und welche Sie stattdessen übernehmen könnten. Vielleicht brauchen Sie Unterstützung bei bestimmten Gartenarbeiten, können dafür aber die Hausaufgabenbetreuung der Kinder übernehmen. Sprechen Sie auch miteinander darüber, was genau Sie als hilfreich und unterstützend erleben und was nicht. Respektieren Sie aber auch, dass Ihre Angehörigen genau wie Sie eigene Bedürfnisse haben und Freiräume brauchen. Es hilft allen Beteiligten, wenn die Schmerzen nicht der Mittelpunkt Ihrer Partnerschaft oder Familie werden.
  9. Sie merken: Es gibt viele Möglichkeiten, sich als Mensch mit chronischen Schmerzen an die schwierige Situation anzupassen. Möglicherweise fällt Ihnen das leichter, wenn Sie Ihre Schmerzen zum gegenwärtigen Zeitpunkt als Teil Ihres Lebens akzeptieren. Das hat nichts mit Resignation zu tun, im Gegenteil. Wenn Sie nicht mehr versuchen, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen (nach dem Motto: „Ich will keine Schmerzen mehr haben!“), können Sie Ihre Energie in eine konstruktivere Richtung lenken. Vielleicht kommen Sie ja besser ans Ziel, wenn Sie dem Schmerz durch geschicktes Anpassen ein Schnippchen schlagen, anstatt ständig mit ihm zu hadern.
  10. Vielleicht werden Sie mit der Zeit sogar feststellen, dass die Schmerzen Ihr Leben bereichern. Das mag in Ihren Ohren erst einmal ungeheuerlich klingen. Aber immer wieder berichten Schmerzpatienten, dass sie persönlich an ihren Schmerzen gewachsen sind. Vielleicht wird Ihnen durch die Schmerzen klar, was Ihnen wirklich wichtig ist im Leben. Vielleicht entdecken Sie neue, ungeahnte Stärken an sich. Und könnte Ihr Schmerz nicht möglicherweise auch ein unangenehmes, aber hilfreiches Warnsystem sein, das Sie darauf hinweist, mehr auf sich selbst zu achten?
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.03.2019
  • Autor/in: Redaktion vitanet.de: Anja Dolski; Medizinredakteurin
  • Quellen: Dipl.-Psych. Peter Mattenklodt, Schmerzzentrum, Universitätsklinikum Erlangen, Krankenhausstr. 12, 91054 Erlangen.
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