Formen von Schmerzen: Nozizeptor-Schmerz

Die Wahrnehmung von Schmerzen, also den Schmerzsinn, nennt man Nozizeption. Nozizeptoren oder auch Nozirezeptoren sind Nervenzellen mit freien Endungen in Haut, Organen und Knochen, die zum Rückenmark führen. Zu den Nozizeptor-Schmerzen gehören alle Schmerzarten, die auf einer Reizung dieser Rezeptoren beruhen. Je nach Ort der Reizung wird der Schmerz unterschiedlich empfunden und lokalisiert. Nozizeptor-Schmerzen haben in der Regel eine Warn- oder Schutzfunktion.

Wo Nozizeptor-Schmerzen entstehen

Bei Nozizeptor-Schmerzen wird zwischen somatischen und viszeralen Schmerzen unterschieden. Somatische Schmerzen unterteilen sich wiederum in Oberflächen- und Tiefenschmerzen.  

Bei Oberflächenschmerzen werden die Endigungen von Nozizeptoren erregt, die sich nahe der Hautoberfläche befinden. Damit am ganzen Körper Schmerz spürbar ist, sind viele Schmerzpunkte notwendig: Auf einem Quadratzentimeter Haut liegen in etwa 50 bis 200 Schmerzpunkte. Die Schmerzen sind auf der Hautoberfläche  – zum Beispiel nach einem Nadelstich – in der Regel unmittelbar an der betroffenen Stelle spürbar. Schmerzen an Knochen, Knorpeln, Muskeln und Bindegewebe werden als Tiefenschmerzen bezeichnet. Dazu zählen beispielsweise Muskelkrämpfe oder Kopfschmerzen.  

Entstehen Schmerzen durch eine Erregung bestimmter Schmerzsensoren im Körperinneren, wie etwa bei einer Gastritis, wird der Schmerz auf die Körperoberfläche übertragen. Dieser Eingeweide- (oder Viszeral-) Schmerz heißt deshalb auch „übertragener“ Schmerz.

Schmerzentstehung: Schmerzstoffe stimulieren Nozizeptoren

Um Oberflächen- oder Tiefenschmerzen wahrnehmen zu können, müssen Nozizeptoren stimuliert werden. Ist zum Beispiel Gewebe beschädigt, werden an dieser Stelle bestimmte Schmerzstoffe wie Bradykinin, Serotonin oder Histamin ausgestoßen. Diese körpereigenen Stoffe erregen die Nozizeptoren und lösen Schmerzen an der betroffenen Stelle aus.  

Die äußeren Reize, durch die die Nozizeptoren in der Folge stimuliert werden, können unterschiedlicher Natur sein. Nozizeptoren in der Haut reagieren auf chemische Stoffe und thermische Reize, also auf Hitze oder Kälte. Auch eine mechanische Erregung ist möglich, zum Beispiel durch das Ausüben von Druck.

Faserbeschaffenheit der Nozizeptoren bestimmt Schmerzqualität

Nozizeptoren können aus dünnen, markhaltigen (AδFasern) oder aus marklosen Nervenfasern (C-Fasern) bestehen. Je nach Beschaffenheit der Nozizeptoren haben Schmerzen unterschiedliche Qualitäten und treten zu verschiedenen Zeiten auf: Bestehen sie aus dünnen markhaltigen Nervenfasern, tritt sofort ein kurz andauernder Schmerz ein. Er ist hell, stechend, gut zu verorten und entsteht als erste Reaktion auf Oberflächenschmerzen. Der Reiz löst meist im Rückenmark einen Flucht- oder Abwehrreflex aus, um den Betroffenen vor der Gefahrenquelle zu schützen.  

In der Folge wird meist eine länger andauernde Schmerzwelle in Gang gesetzt. Die dafür zuständigen Nozizeptoren bestehen aus marklosen Nervenfasern. Sie lösen einen dumpfen oder brennenden Schmerz aus, der nicht exakt zu lokalisieren ist. Oft nimmt der Betroffene durch diesen Schmerz eine bewusste Schonhaltung an oder entwickelt Unlustgefühle. Da die marklosen Nervenfasern die Schmerzinformationen langsamer leiten, wird dieser Schmerz erst eine halbe bis eine Sekunde später spürbar. Auch Tiefenschmerzen sind meist als dumpf und schlecht lokalisierbar zu charakterisieren.

So wird der Schmerz im Gehirn verarbeitet

Nozizeptoren nehmen den Schmerzreiz auf, wandeln ihn in elektrische Impulse um, die dann ins Rückenmark und ins Gehirn weitergeleitet werden. Im Rückenmark werden so Abwehrreflexe ausgelöst. Im Gehirn sind unterschiedliche Bereiche für die Weiterverarbeitung des Schmerzes zuständig: In der Retikulärformation (Formatio reticularis), einer Nervenansammlung aus grauer Substanz im Stammhirn, werden vegetative Körperreaktionen ausgelöst. So kann zum Beispiel der Blutdruck steigen oder ein Brechreiz ausgelöst werden. Im limbischen System wird der Schmerz gefühlsmäßig bewertet. Eine genaue Verortung des Schmerzes findet im somatosensorischen Cortex, einem Bereich der Großhirnrinde, statt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.02.2013
  • Autor/in: Dr. med. Kathrin Fahl, Dr. med. Karen Strehlow, Charit - Universitätsmedizin - Berlin, Charlott Drung, vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter;
  • Quellen: Grundlagen der Schmerztherapie, Thomas Flöter (Hrsg.), Medizin
  • Therapie chronischer Schmerzen, Hans W. Striebel et al., Schattauer, F.K. Verlag, 2001
  • Kompendium der medikamentösen Schmerztherapie, E. Beubler, Springer, Wien, 2003
  • http://www.medizin.uni-koeln.de/stan/Schmerzmanual/TU/noziz.html
  • http://www.uni-leipzig.de/~pharm/phfn/PhKIV_ras.pdf
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