Schlaganfall: Seltene Ursachen

Die meisten Schlaganfälle werden durch Arteriosklerose hervorgerufen. In seltenen Fällen kann ein Schlaganfall auch durch Krankheiten bedingt sein, die nicht - oder auf den ersten Blick nicht - mit einer Arteriosklerose in Zusammenhang stehen. Zu diesen zählen Krankheiten des Bindegewebes, auch Kollagenosen genannt, entzündliche Gefäßkrankheiten und Krankheiten, die mit Eiweißablagerungen in den Gefäßwänden einhergehen, wie die Amyloidosen.

Auch Krankheiten, die das Blut dickflüssiger machen, können zu Hirninfarkten führen. Hierzu zählen seltene Krankheiten wie:
  • Leukämie
  • Polyglobulie - eine Vermehrung der roten Blutkörperchen
  • Sichelzellanämie - eine erbliche Erkrankung, die zum Verklumpen der roten Blutkörperchen führen kann
  • Dysproteinämie - eine veränderte Eiweißzusammensetzung des Blutes
Auch extremer Flüssigkeitsverlust oder ein Hitzschlag können einen Schlaganfall hervorrufen.

Fett- oder Luftembolien, wie sie nach schweren Verletzungen oder Tauchunfällen auftreten, sind ebenfalls seltene Ursachen für einen Schlaganfall. Tritt die Embolie nach einem Taucherunfall auf, sprechen Mediziner von der Caisson-Krankheit. In den Tropen können Hirninfarkte auch durch Parasiten, etwa Malaria-Parasiten, die sich im Blut befinden und Arterien verstopfen, ausgelöst werden.

Schlaganfall durch Medikamente, Drogen und Migräne

Schließlich gibt es auch Medikamente und Drogen, die zu einer plötzliche Verengung – sogar bis zu einem Verschluss – der Arterien führen können. Hier sind an erster Stelle Ergotamin, Amphetamine und Kokain zu nennen. Zytostatika, die versehentlich in eine Arterie anstatt einer Vene injiziert werden, führen ebenfalls zu Infarkten.

In Fällen der Migraine Accompagée, einer Migräne, die mit Muskellähmungen oder anderen neurologischen Ausfällen einher geht, treten gelegentlich auch Schlaganfälle auf. Frauen im gebärfähigen Alter, die unter Migräne mit Aura leiden, haben ein etwa 1,5- bis 2-fach höheres höheres Schlaganfall-Risiko als ihre Altersgenossinnen. Das Risiko erhöht sich, wenn Frauen die Pille einnehmen, unter Bluthochdruck leiden oder rauchen. Diese Frauen neigen zu Arteriosklerose, was bei einem durch die Migräne ausgelösten Gefäßspasmus leichter zu einem Gefäßverschluss führt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.06.2011
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Allgemeinmedizinerin, Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Hans Christoph Diener: Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Motorische Therapien für die obere Extremität zur Behandlung des Schlanganfalls: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 2009
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