Schlaganfall: Mindestens drei Wochen Reha sind üblich

In einem guten Krankenhaus erhält der Patient bereits in der Akutphase Rehabilitation, das heißt: Physiotherapie, Logopädie, Ergotherapie und eine neuropsychologische Betreuung, in der beispielsweise mithilfe von speziellen Computerprogrammen Symptome wie der Neglect behandelt werden.

Nach dem Krankenhausaufenthalt sollte die Rehabilitation, oft auch kurz Reha genannt, weitergehen. Viele Experten aus dem Gesundheitswesen sprechen überhaupt erst in diesem Stadium von Rehabilitation. Das hat formale Gründe: Die Rehabilitation gehört nicht mehr zum regulären Krankenhausaufenthalt und muss beantragt werden. Bei jüngeren Menschen, die im Beruf stehen, kommt auch ein anderer Kostenträger als die Krankenkasse für die Rehabilitation auf – nämlich die Rentenversicherung.

Zuzahlung für die Rehabilitationsleistungen

Die Kosten der Reha übernimmt fast vollständig der Träger, sprich die Krankenkasse oder der Rententräger. Eine Selbstbeteiligung für Krankenhaus und Reha-Einrichtung in Höhe von zehn Euro pro Tag besteht für maximal 42 Tage im Jahr.
Anträge für die Rehabilitation gibt es beim  zuständigen Leistungsträger. Bei Patienten, die im Krankenhaus liegen, beantragen in der Regel die Ärzte und die Sozialarbeiter die Reha. Der Antrag sollte bereits in den ersten Tagen des Krankenhausaufenthalts gestellt werden. Es empfiehlt sich für die Angehörigen, nach etwa einer Woche auf Station zu fragen, ob der Antrag auch wirklich läuft.

Oft werden mehr als die üblichen drei Wochen gewährt

Die Reha sollte nahtlos an den Klinikaufenthalt anschließen. Heute setzt sich immer mehr die ambulante Rehabilitation durch, etwa in einer Tagesklinik. Diese Versorgungsform hat den Vorteil, dass die Patienten weniger aus ihrem Alltag, sozialen sowie familiären Strukturen herausgerissen werden. Zudem spart die ambulante Variante Kosten. Ob die Rehabilitation ambulant oder stationär stattfindet, ist in erster Linie vom Zustand des Patienten abhängig. Wer noch viel Hilfe benötigt, etwa beim Aufstehen oder Essen, der ist mit einer stationären Reha besser beraten.

Eine Reha dauert im Regelfall drei Wochen. Es gibt allerdings Ausnahmen für die neurologische Reha, zu der auch die Behandlung eines Schlaganfalls gehört. So gibt es Krankenkassen, die zunächst einmal 10 bis 14 Tage bewilligen und dann in einem neurologischen Assessment feststellen lassen, wie viel Rehabilitation noch notwendig und sinnvoll ist. So können sich noch einmal gut drei bis vier Wochen anschließen – in Ausnahmefällen sogar mehrere Monate.

Woran eine gute Reha-Klinik zu erkennen ist

Für die Reha-Kliniken sind externe Qualitätskontrollen schon seit mehreren Jahren Pflicht. Die Krankenkassen sind über die Ergebnisse dieser Kontrollen informiert. Wer auf der Suche nach einer passenden Reha-Klinik ist, kann sich also bei seiner Kasse informieren. Der Patient kann die Reha-Klinik frei wählen.

Wichtige Angebote: Muskelaufbautraining und Alltagsbewältigungsstrategien

Neurologische Kliniken haben oft einen sehr guten Standard. Viele bieten zum Beispiel ein komplexes Muskelaufbautraining an und vermitteln Strategien zur Alltagsbewältigung. Außerdem sollte man auf folgende Punkte achten:
  • tägliche Stationsvisiten
  • Ergotherapie-Angebot
  • Logopädie-Angebot
  • Neurologische Kompetenz
  • Sozialarbeiter
  • Patientenkonferenzen, an denen die Ärzte und alle Therapeuten teilnehmen
  • Nachsorge-Angebote
  • behindertengerechte Ausstattung – zum Beispiel Hebelifter, automatische Türöffnung
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.09.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Allgemeinmedizinerin, Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Hans Christoph Diener: Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Motorische Therapien für die obere Extremität zur Behandlung des Schlanganfalls: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 2009