Schlaganfall: Ergotherapie schafft Alltagskompetenz

Mit dem griechischen Wort „Ergon" (bedeutet „Handeln“ oder „Tun") ist der Schwerpunkt der Tätigkeit von Ergotherapeuten recht gut beschrieben. Gesamtziel der Ergotherapie ist die Schulung körperlicher und geistiger Fähigkeiten zur Wiederherstellung beziehungsweise Erhaltung der Selbstständigkeit der Patienten im persönlichen und sozialen Bereich.

Um zu erreichen, dass ein Patient zu Hause möglichst selbstständig sein wird, werden schon im Krankenhaus grundlegende tägliche Aktivitäten trainiert. Wenn dafür Hilfsmittel notwendig sind, wird der Umgang mit diesen geübt.

Ergotherapeuten bereiten Schlaganfall-Patienten auf den Alltag vor

Anziehen, Einkaufen, Baden, Waschen, Zähneputzen – diese alltäglichen Tätigkeiten müssen viele Schlaganfall-Patienten Schritt für Schritt wieder einstudieren. Oft sind sie körperlich so beeinträchtigt, dass es ihnen schwer fällt, den Pullover über den Kopf und die Hose hochzuziehen. Auch die Handlungsplanung bereitet meistens Schwierigkeiten. Das bedeutet: Die Patienten wissen beispielsweise oft nicht mehr, ob sie zuerst das Unterhemd oder den Pullover anziehen sollen oder an welchem Ende sie die Hose halten müssen.

Praktische Übungen: Kaffee kochen, Einkaufen und Kochen

Ergotherapeuten bieten Schlaganfall-Patienten Unterstützung bei Alltagsproblemen, proben mit ihnen zum Beispiel in einer Übungsküche das Kaffee kochen. In manchen Fällen führt der Ergotherapeut die Handlung des Patienten richtiggehend: Beim Schreibtraining kann es vorkommen, dass er sich hinter den Patienten stellt und die Aufmerksamkeit durch engen Körperkontakt und Berührung des Handrückens auf die Handlung lenkt. Dieses intensive Lenken eignet sich besonders, wenn der Patient unter einem Neglect leidet.

Die Handlungsplanung lässt sich besonders gut beim Kochen trainieren: Der Patient muss zunächst die Zutaten notieren, anschließend geht er zusammen mit dem Ergotherapeuten in einen Supermarkt, um die Einkaufsliste abzuarbeiten. Danach wird gekocht, was – das merken auch Gesunde – extrem viel Konzentration, Handlungsplanung und Zeitmanagement erfordert.

Zu den Aufgaben der Ergotherapeuten gehört außerdem, Hilfsmittel auszuwählen und den Patienten sowie die Angehörigen mit einem Rollator, einem Badewannenlifter und Ähnlichem vertraut zu machen. Schließlich bleiben Hilfsmittel oft ungenutzt – werden schlimmstenfalls sogar zu einer Gefahr –, wenn die Familie sie nicht richtig zu nutzen weiß. Auch Übungen zur Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln gehören zum Maßnahmenkatalog der Ergotherapie – genauso wie Hausbesuche zur eventuellen Wohnraumanpassung.

Ergotherapeuten kennen Tricks bei Gedächtnisschwäche

Überhaupt sind Ergotherapeuten Experten für alle Alltagsfragen: Wenn etwa ein Patient im Supermarkt nie seinen Einkaufswagen wiederfindet, empfehlen sie ihm beispielsweise, seinen Schal an die Lenkstange zu hängen.

Ziele und Aufgaben der Berufsgruppe Ergotherapie

  • Training motorisch-funktioneller Fähigkeiten
  • Verbesserung der Wahrnehmung und Ausführung von Bewegungen
  • Schulung zur Bewältigung (täglicher) lebenspraktischer Aufgaben
  • Förderung der Eigenaktivität des Patienten zur Verbesserung seiner Lebenssituation
  • Schulung der Patienten im Umgang mit Hilfsmitteln
  • Beratung und Anleitung von Angehörigen zur Unterstützung der betroffenen Person
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.09.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Allgemeinmedizinerin, Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Hans Christoph Diener: Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Motorische Therapien für die obere Extremität zur Behandlung des Schlanganfalls: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 2009