Dilemma: Heim- oder Hauspflege?

Es gibt Menschen, denen kaum anzumerken ist, dass sie einen Schlaganfall erlitten haben. Doch das sind die wenigsten. Für die meisten geht ein Schlaganfall weniger glimpflich aus. Trotz bester Behandlung behalten viele Patienten schwere Schäden, wie eine dauerhafte Halbseitenlähmung und auffällige Sprachstörungen. Das bedeutet einen dramatischen Einschnitt in ihr Leben – und in das ihrer Familie.

Was tun, wenn der Vater oder die Mutter durch einen Schlaganfall pflegebedürftig wird? Bei vielen Kindern löst diese Frage Gewissenskonflikte aus. Einerseits haben sie sich geschworen, ihre Eltern niemals in einem Heim unterzubringen. Andererseits: Die Mutter zu sich nach Hause zu nehmen, ihr fortan jede Stunde des Tages zur Verfügung zu stehen, die nächsten Jahre auf Berufstätigkeit, Ausflüge oder gar den Urlaub zu verzichten – diese Vorstellung löst bei vielen Angehörigen Beklemmungen aus.

Koordinierungsstellen bieten individuelle Beratung

Doch die Frage muss nicht immer „Heim oder Selbstaufgabe?" lauten. Bei genauer Betrachtung lassen sich oft Alternativen finden. Koordinierungsstellen gibt es in ganz Deutschland. Ihre Mitarbeiter kennen die Angebote der Sozialstationen und sind Experten in Fragen der Finanzierung. Ihre Arbeit geht über das hinaus, was man üblicherweise unter Beratung versteht. Sie bieten fast eine Art Coaching.

Die Koordinierungsstelle stellt zudem Kontakt zu Angehörigengruppen und zu Experten in der Klinik – etwa zu den Neuropsychologen – her, die wissen, wie Angehörige die emotionalen Tiefs der Mutter oder des Vaters am besten auffangen. Tipps für ein angenehmes Miteinander kennen aber auch die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.09.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Allgemeinmedizinerin, Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Hans Christoph Diener: Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Motorische Therapien für die obere Extremität zur Behandlung des Schlanganfalls: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 2009