Autofahren nach einem Schlaganfall?

Selbst wenn ein Patient nach einem Schlaganfall keine offensichtlichen Schäden wie eine Halbseitenlähmung davonträgt: Es können sich Störungen der Hirnleistung einstellen, die die Fähigkeit zur Führung eines Kraftfahrzeugs infrage stellen. Oft leiden die Aufmerksamkeit, die Konzentration, die Reaktion, das Gedächtnis, das Denken und das Verstehen. Vielen Patienten mangelt es zudem an Einsicht, Kritikfähigkeit und Belastbarkeit.

Bei guter Heilung ist Autofahren wieder möglich

Experten äußern sich in den „Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrzeugeignung“ deshalb auch zurückhaltend. In den Leitlinien heißt es sinngemäß: „Wer an den Folgen eines Schlaganfalles leidet, ist bei Vorliegen relevanter neurologischer oder neuropsychologischer Ausfälle (zum Beispiel Lähmungen, Sprachstörungen, Gesichtsfeldeinschränkungen, Konzentrationsstörungen) nicht in der Lage, den gestellten Anforderungen zum Führen von Kraftfahrzeugen gerecht zu werden. Nach erfolgreicher Therapie kann, abhängig von den besonderen Umständen des Einzelfalles, angenommen werden, dass der Betreffende bedingt wieder in der Lage ist, Kraftfahrzeuge zu führen.“

Nach dem Schlaganfall darf ein Patient also nicht ohne weiteres Auto fahren. Es muss abgewartet werden, wie erfolgreich die Therapie ist. Erst nach einer erneuten Beurteilung der Fähigkeiten sollte entschieden werden, ob sich der Patient wieder hinter das Lenkrad setzt oder nicht.

Fit für den Straßenverkehr nach einem Schlaganfall?

Es gibt einige Kriterien die erfüllt sein sollten, bevor ein Schlaganfall-Patient wieder Auto fährt:
  • der Zustand des Patienten hat sich wieder stabilisiert
  • es sind keine körperlichen oder psychischen Störungen zurückgeblieben, die das Autofahren beeinträchtigen könnten
  • es besteht keine erhöhte Rückfallgefahr mehr
Zur Beurteilung der Verkehrstauglichkeit des Patienten ist eine gründliche Untersuchung notwendig. Experten raten, sich an die Verwaltungsbehörde beziehungsweise Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten zu wenden. Die Behörde verlangt ein verkehrsmedizinisches Gutachten. Oft fordert sie zusätzlich eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU). Die dabei entstehenden Kosten muss der Patient selbst tragen.

Fehlende rechtliche Prüfung ist hohes Risiko

Es ist in jedem Fall empfehlenswert, nach einem Schlaganfall die Fahreignung rechtsverbindlich überprüfen zu lassen. Anderenfalls drohen gravierende Konsequenzen: Bei einem Unfall kann die Versicherung ihre Haftung infrage stellen, wenn bekannt wird, dass der Versicherte in der Vergangenheit einen Schlaganfall hatte. Im Einzelfall ist sogar eine Gefängnisstrafe möglich.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.09.2014
  • Autor/in: vitanet.de; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Hans Christoph Diener: Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Motorische Therapien für die obere Extremität zur Behandlung des Schlanganfalls: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 2009