Schlaganfall: Akuttherapie

Der erste und wichtigste Schritt nach einem Schlaganfall ist die Stabilisierung der lebenswichtigen Funktionen wie Atmung und Kreislauf. Ein bewusstloser oder sogar beatmungspflichtiger Patient mit Verdacht auf einen Schlaganfall wird auf die Intensivstation gebracht. Der wache Patient sollte nach Möglichkeit in ein Krankenhaus mit einer auf Schlaganfälle spezialisierten Abteilung (Stroke Unit) gebracht werden.

Computertomografie ist Standard

Bei eher niedrigem Blutdruck – das heißt, wenn der obere, systolische Wert unter 120 mmHg liegt – verabreicht der Arzt eine Infusion mit 500 Millilitern 0,9-prozentiger Kochsalzlösung. Wenn der Blutdruck extrem hoch ist, also über 220 mmHg systolisch, erhält der Patient ein blutdrucksenkendes Medikament. Denn bei einem Schlaganfall durch Mangeldurchblutung ist ein optimaler Blutdruck in den Hirngefäßen sehr wichtig. So muss der Arzt zum Beispiel einen zu hohen und zu niedrigen Blutdruck vermeiden, weil dies die Durchblutung verschlechtert.

Nach der allgemeinen körperlichen und neurologischen Untersuchung ziehen die Ärzte idealerweise einen Neurologen hinzu, in jedem Fall aber veranlassen sie eine bildgebende Untersuchung, entweder eine Computertomografie (CT) oder eine Kerspintomografie, die Auskunft über Ort, Ausdehnung und Ursache der Durchblutungsstörung geben soll.

Im Falle einer Hirnblutung oder eines ausgeprägten Hirnödems – wenn also das Gehirn infolge eines Schlaganfalls anschwillt und durch den Schädelknochen in dieser Ausdehnung behindert wird – erwägen die Ärzte in Abhängigkeit von der Schwere des Befundes eine Operation, genauer eine Trepanation: Es wird ein Stück Knochen entfernt, um dem Gehirn genügend Raum für eine weitere Ausdehnung zu geben. Der Knochen kann später wieder eingepflanzt werden.

Lyse-Therapie innerhalb von viereinhalb Stunden

Die medikamentöse Wiedereröffnung eines Gefäßverschlusses – von Fachleuten auch als Lyse bezeichnet – ist nur in den ersten viereinhalb Stunden nach dem Schlaganfall sinnvoll. Sind mehr als viereinhalb Stunden vergangen, ist diese Behandlung nur noch in ausgewählten Fällen möglich. Das Medikament wird über ein Blutgefäß in den Blutstrom gespritzt. Zuvor muss jedoch per CT oder MRT eine Hirnblutung ausgeschlossen worden sein. Auch darf kein anderes Blutungsrisiko – zum Beispiel eine Gerinnungsstörung oder ein therapeutisch nicht beeinflussbarer Bluthochdruck – vorliegen.

Schlaganfalltherapie: Die Stroke-Unit

In den letzten Jahren sind immer mehr Stationen eingerichtet worden, die auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert sind. Sie finden sich in neurologischen Abteilungen größerer Kliniken und werden auch Stroke-Units genannt. Inzwischen gibt es in Deutschland zahlreiche Stroke-Units, deren Adressen sich auf den Seiten der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe finden.

Eine Stroke-Unit muss folgende Kriterien erfüllen:
  • ein Facharzt für Neurologie ist rund um die Uhr anwesend,
  • ein Internist ist ständig verfügbar,
  • Computertomografie (CT), Ultraschalluntersuchung und Labor müssen ebenfalls rund um die Uhr verfügbar sein,
  • bestimmte Untersuchungen – zum Beispiel Angiografie oder MRT – müssen jederzeit möglich sein,
  • Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten müssen in ausreichendem Maße für die Frührehabilitation zur Verfügung stehen.
Nach Einlieferung nehmen die Ärzte eine umfassende Diagnostik vor und leiten, wenn erforderlich, spezifische Behandlungen ein. Sobald keine Gefährdung mehr gegeben ist, kann der Patient auf die allgemeine Krankenstation oder eventuell schon in eine Rehabilitationsklinik entlassen werden.

Schließlich sollte die Rehabilitation so früh wie möglich beginnen. Auf der Stroke-Unit ist eine frühe Rehabilitation Standard – ebenso wie in den meisten geriatrischen Fachkliniken. Nach Beendigung der Akutbehandlung, was bereits nach wenigen Tagen der Fall sein kann, soll die dort begonnene frühe Rehabilitation in eine reguläre, länger dauernde Rehabilitationsbehandlung einmünden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.09.2014
  • Autor/in: Dr. Maria-Beate Effertz, Allgemeinmedizinerin, Kirsten Gaede, Medizinjournalistin, Charité - Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin.
  • Quellen: Hans Christoph Diener: Herzinfarkt und Schlaganfall
  • Motorische Therapien für die obere Extremität zur Behandlung des Schlanganfalls: Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, 2009
  • Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Akuttherapie des ischämischen Schlaganfalls (http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-046l_S1_Akuttherapie_des_ischmischen_Schlaganfalls_2012_1.pdf)
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