Therapie der Schlafstörungen mit Schlaftabletten

Viele Patienten betrachten Schlaftabletten mit großer Skepsis. Das schlechte Image dieser Medikamente kommt nicht von ungefähr: Durch das hohe Abhängigkeitspotenzial der früher massenhaft gegen Schlafstörungen verschriebenen Benzodiazepine sind Schlaftabletten in Verruf geraten.

Schlaftabletten © Thinkstock
Heute sind Schlafmediziner sehr vorsichtig beim Verschreiben von Schlaftabletten. Wenn ein Schlafmediziner nach der Diagnosestellung eine Pille für besseres Schlafen verschreibt, tut er das mit Bedacht. Die Therapie von Schlafstörungen mit Schlaftabletten erfolgt in angepassten Abstufungen: von niedriger Dosis bis zu höherer Dosis, vom schwachen zum stärkeren Wirkstoff.

Schlaftabletten können den Teufelskreis durchbrechen

Wenn weder eine kognitive Verhaltenstherapie noch pflanzliche Mittel Linderung bringen, sind klassische Schlaftabletten nötig. Sie helfen, den Teufelskreis aus Schlafstörungen und Angst vor den Schlafstörungen zu durchbrechen. Denn sie zeigen dem Schlaflosen, dass Schlafen noch möglich ist. Gleichwohl stellen Schlaftabletten keine Dauerlösung dar und behandeln immer nur eine akute Schlafstörung, nie aber ihre Ursachen.

Schlaftabletten: Z-Präparate entspannen emotional

Als moderne Schlafmittel gelten heute die sogenannten Z-Präparate, die zum Beispiel Zaleplon, Zolpidem und Zopiclon heißen. Diese Schlaftabletten wirken im Schlafzentrum unseres Gehirns auf den Neurotransmitter Gamma-Amino-Buttersäure. Außerdem beeinflussen sie die Wirkung von Noradrenalin, Acetylcholin und Serotonin. Diese Neurotransmitter beeinflussen vegetative Vorgänge im Körper wie die Gefäß- und Bronchienweitung, aber etwa auch den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Stimmung. Die Z-Präparate wirken emotional entspannend und beruhigend. Diese Schlaftabletten haben außerdem den Vorteil, dass sie weniger abhängig machen als Benzodiazepine.

Oft werden auch Antidepressiva und Neuroleptika verschrieben. Sie wirken ebenfalls schlaffördernd, außerdem lindern Antidepressiva die depressive Verstimmung, die oft Folge einer andauernden Schlafstörung ist.

Vorsicht vor Alkohol oder einer Therapie mit Antihistaminika

Als beliebte rezeptfreie Schlaftabletten werden bei Schlafstörungen oft ältere Antihistaminika benutzt – ursprünglich Medikamente gegen allergische Reaktionen, die allerdings eine einschläfernde Nebenwirkung haben. Doch Schlafexperten raten von Antihistaminika als Schlaftabletten ab: Sie haben ein höheres Abhängigkeitspotenzial als Benzodiazepine, die rezeptpflichtig sind, und sie wirken morgens lange nach. Außerdem können sie Organe wie die Leber schädigen. Im schlimmsten Fall rufen sie gefährliche körperliche Abhängigkeits- und Entzugserscheinungen hervor. Der schnelle Wirkungsverlust spricht ebenfalls gegen eine Therapie mit diesen Medikamenten.

Gänzlich abzuraten ist von Alkohol als Schlafmittel: Er hilft zwar beim Einschlafen, doch er stört den Tiefschlaf und verhindert das Durchschlafen.

Für alle Schlaftabletten – auch pflanzliche – gilt: Die Therapie nie abrupt, sondern immer schrittweise beenden.
Pflanzliche Schlafmittel wirken nicht sofort
Besonders bei Schlaflosigkeit sind Hopfen, Baldrian und Melisse einen Versuch wert. Am besten wirken Kombinationspräparate. Allerdings beginnen sie erst nach vier bis sechs Wochen hochdosierter Einnahme zu wirken.

Es ist sinnvoll, pflanzliche Mittel gleich zu Beginn der Schlafstörung einzunehmen, denn bei bereits lange bestehender und unbehandelter Schlaflosigkeit wirken sie oft nicht mehr.  Schlafmediziner raten, während der Therapie mit pflanzlichen Schlafmitteln ein Schlafprotokoll zu führen und einen Termin bei einem Schlafmediziner zu vereinbaren.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.10.2014
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizin-Journalistin, Charité Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Dr. Ingo Fietze, Thea Herold, Der Schlafquotient, Hoffmann und Campe, Hamburg 2006
  • Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 27: Schlafstörungen, Berlin 2005
  • Interview mit Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité
  • Interview mit Psychologin Sandra Zimmermann vom Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum der Charité
  • Interview mit Dr. Peter Geisler vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universitätsklinik Regensburg
  • Interview mit Michael Maar, Atemtherapeut im Ilse-Middendorf-Institut in Berlin