Schlaftabletten als Therapie bei Schlafstörungen

Schlaftabletten sind wirksam, sollten aber wegen möglicher Nebenwirkungen nur kurzfristig angewendet werden. Außerdem sollte eine medikamentöse Therapie bei Schlafstörungen erst erfolgen, wenn andere Therapieformen nicht erfolgreich waren. 

Schlaftabletten © Thinkstock
Schlaftabletten haben ein schlechtes Image. Das kommt nicht von ungefähr: Früher wurden bei Schlaflosigkeit vor allem Benzodiazepine, scheinbar bedenkenlos und in großer Menge, verschrieben. Diese haben ein hohes Abhängigkeitspotenzial.

Heute sind Schlafmediziner sehr vorsichtig beim Verschreiben von Schlaftabletten. Wenn ein Schlafmediziner nach der Diagnosestellung eine Pille für besseres Schlafen verschreibt, tut er das mit Bedacht. Die Therapie von Schlafstörungen mit Schlaftabletten erfolgt in angepassten Abstufungen: von niedriger Dosis bis zu höherer Dosis, vom schwachen zum stärkeren Wirkstoff.

Chance: den Teufelskreis durchbrechen

Wenn eine kognitive Verhaltenstherapie keine Linderung bringt, empfiehlt die aktuelle Leitlinie, dass Patient und Arzt gemeinsam entscheiden, ob eine medikamentöse Therapie ausprobiert wird. Schlaftabellen können helfen, den Teufelskreis aus Schlafstörungen und Angst vor den Schlafstörungen zu durchbrechen. Denn sie zeigen dem Betroffenen, dass Schlafen noch möglich ist. Gleichwohl stellen Schlaftabletten keine Dauerlösung dar und behandeln immer nur eine akute Schlafstörung, nie aber ihre Ursachen. Allerdings sollten Sie Schlaftabletten nie auf eigene Faust einnehmen. Wichtig ist, dass Sie in ständigem Kontakt zu Ihrem Hausarzt oder einer Schlafambulanz stehen und nur die dort verordneten Medikamente nehmen.

Schlaftabletten: Benzodiazepine und sedierende Antidepressiva

Medikamente mit dem Arzneistoff Benzodiazepin wirken beruhigend und entspannend und können die Schlaflosigkeit daher effektiv lindern. Allerdings sind die Nebenwirkungen hoch und die Risiken einer Langzeitbehandlung nicht abzuschätzen. Daher werden die Medikamente in der Regel nicht länger als vier Wochen angewendet.

Oft werden auch sedierende Antidepressiva verschrieben. Sie wirken ebenfalls entspannend und schlaffördernd. Außerdem lindern sie die depressive Verstimmung, die oft Folge einer andauernden Schlafstörung ist. Aber auch hier wird eine Langzeitbehandlung nicht empfohlen.

Schlaftabletten: Z-Präparate entspannen emotional

Als moderne Schlafmittel gelten heute die sogenannten Z-Präparate, wie Zolpidem oder Zopiclon. Diese Schlaftabletten wirken im Schlafzentrum des Gehirns auf den Neurotransmitter Gamma-Amino-Buttersäure. Außerdem beeinflussen sie die Wirkung von Noradrenalin, Acetylcholin und Serotonin. Diese Neurotransmitter beeinflussen vegetative Vorgänge im Körper wie die Gefäß- und Bronchienweitung, aber etwa auch den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Stimmung. Die Z-Präparate wirken emotional entspannend und beruhigend. Diese Schlaftabletten haben außerdem den Vorteil, dass sie weniger abhängig machen als Benzodiazepine.

Vorsicht vor Alkohol und Antihistaminika

Als beliebte rezeptfreie Schlaftabletten werden bei Schlafstörungen oft ältere Antihistaminika benutzt – ursprünglich Medikamente gegen allergische Reaktionen, die allerdings eine einschläfernde Nebenwirkung haben. Doch Schlafexperten raten von Antihistaminika als Schlaftabletten ab:  Sie können Organe wie die Leber schädigen. Auch können bei unsachgemäßer Dosierung epileptische Anfälle ausgelöst werden oder Muskel- und Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Blutbildveränderungen auftreten. Im schlimmsten Fall rufen sie bei längerer Einnahme gefährliche körperliche Entzugserscheinungen hervor. Der schnelle Wirkungsverlust spricht ebenfalls gegen eine Therapie mit diesen Medikamenten.

Gänzlich abzuraten ist von Alkohol als Schlafmittel: Er hilft zwar beim Einschlafen, doch er stört den Tiefschlaf und verhindert das Durchschlafen.

Für alle Schlaftabletten – auch pflanzliche – gilt: Die Therapie nie abrupt, sondern immer schrittweise beenden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.02.2019
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizin-Journalistin, Charité Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Dr. Ingo Fietze, Thea Herold, Der Schlafquotient, Hoffmann und Campe, Hamburg
  • Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 27: Schlafstörungen, Berlin
  • Interview mit Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité
  • Interview mit Psychologin Sandra Zimmermann vom Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum der Charité
  • Interview mit Dr. Peter Geisler vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universitätsklinik Regensburg
  • Interview mit Michael Maar, Atemtherapeut im Ilse-Middendorf-Institut in Berlin
  • Systemische Antihistaminika, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.: online unter http://www.medikamente-und-sucht.de/behandler-und-berater/pharmakologie-und-behandlung/systemische-antihistaminika.html (10.09.2018)