Formen von Schlafstörungen: Narkolepsie und Hypersomnie

Bei Schlafstörungen denkt jeder sofort an durchwachte Nächte. Doch auch das Gegenteil ist möglich: Auch wenn jemand nachts reichlich schläft und trotzdem tagsüber müde ist und von Einschlafattacken gequält wird, sprechen Schlafmediziner von einer Schlafstörung. Sie bezeichnen dieses extrem große Schlafbedürfnis als Hypersomnie.

Ursache für eine Hypersomnie ist häufig, dass sich der Betroffene während des Nachtschlafs nicht ausreichend erholt, weil er durch eine Schlafapnoe oder ein Restless-Legs-Syndrom gestört wird.

Narkolepsie: Von Schlafattacken überwältigt

In seltenen Fällen verbergen sich hinter der Hypersomnie auch Schlafanfälle (Narkolepsie). Das Wachzentrum im Gehirn schaltet sich von einer zur anderen Sekunde ab, sodass der Schlafende meistens sofort in der Traumphase landet. In einigen Fällen kommt es auch zu Kataplexien: ein emotional ausgelöster, plötzlicher Tonusverlust – also ein Erschlaffen der Muskulatur oder einzelner Muskelgruppen. Gelegentlich versagt die gesamte Haltefunktion der Muskulatur und der Betroffene stürzt. Außenstehende halten diese Kataplexien häufig für einen Herzinfarkt oder Kreislaufkollaps. 

Ursache für die Narkolepsie ist ein genetischer Defekt, der zu einem Mangel an den schlafregulierenden Neuropeptiden Hypocretin beziehungsweise Orexin führt. Die Narkolepsie ist relativ selten: Von 2.000 Menschen ist einer betroffen. Besteht bei Ihnen der Verdacht auf Narkolepsie, sollten Sie auf eine Überweisung ins Schlaflabor drängen.

Effektive Medikamente gegen Narkolepsie

Therapieren lässt sich die Narkolepsie mit dem Medikament Modafinil: Es wirkt stimulierend auf die Psyche, außerdem verstärkt es den Tiefschlaf und damit die erholsame Wirkung des Schlafs. Modafinil hat nur ein geringes Abhängigkeitspotenzial. Darüber hinaus bietet sich Gamma-Hydroxybuttersäure (GHB) an, die ebenfalls den Nachtschlaf verbessert sowie die Kataplexien am Tage mindert. GHB wirkt jedoch nur kurze Zeit und ist deshalb für die Dauertherapie der Schlafstörung nicht geeignet. Auch Hypnotika bieten sich in einigen Fällen an, bei Kataplexien außerdem trizyklische Antidepressiva, die die Traum-Phasen unterdrücken.
Nicht Auto fahren
Plötzliches Einschlafen ist sehr gefährlich, gerade am Steuer. Wer unter einer unbehandelten oder nicht behandelbaren Narkolepsie leidet, darf nicht Auto fahren und keinen Beruf ausüben, der jede Minute volle Konzentration erfordert – zum Beispiel Schweißer, Chirurg oder Pilot. Nach erfolgreicher Behandlung und Begutachtung kann jedoch eine Fahreignung oder eine bedingte Fahreignung ausgesprochen werden, die in regelmäßigen Abständen von einem Neurologen überprüft werden sollte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.09.2016
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizin-Journalistin, Charité Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Dr. Ingo Fietze, Thea Herold, Der Schlafquotient, Hoffmann und Campe, Hamburg 2006
  • Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 27: Schlafstörungen, Berlin 2005
  • Interview mit Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité
  • Interview mit Psychologin Sandra Zimmermann vom Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum der Charité
  • Interview mit Dr. Peter Geisler vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universitätsklinik Regensburg
  • Interview mit Michael Maar, Atemtherapeut im Ilse-Middendorf-Institut in Berlin
  • Bericht der Bundesanstalt für Straßenwesen (bast): Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahrteignung (http://www.bast.de/DE/Verkehrssicherheit/Fachthemen/BLL/Begutachtungsleitlinien-2014.pdf?__blob=publicationFile&v=5)
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