Schlaflabor: Hilfreiche Diagnostik bei Schlafstörungen

Es gibt in Deutschland rund 50 Schlafambulanzen und zirka 310 Schlaflabore. Das legt den Gedanken nahe, Schlaflabore spielten in der Diagnostik von Schlafstörungen eine größere Rolle als die Schlafambulanzen. Doch so ist es nicht:

Während sich die Ambulanzen für die Diagnose jeglicher Art von Schlafstörungen anbieten, ist eine Untersuchung im Schlaflabor nur sinnvoll bei Verdacht auf nächtliche Atmungsstörungen (Schlafapnoe), Narkolepsie und Bewegungsstörungen im Schlaf wie zum Beispiel das Schlafwandeln. Bei den weitverbreiteten Ein- und Durchschlafstörungen ist die Diagnostik im Schlaflabor nicht zwingend notwendig, weil der Arzt sie bereits durch einfaches Befragen des Patienten feststellen kann.

Atmung und Herz unter Beobachtung

Der Patient übernachtet meistens drei Nächte im Schlaflabor. Während er schläft, messen die Schlafmediziner
  • die Hirnströme mithilfe des Elektroenzephalogramms (EEG)
  • den Muskeltonus mit dem Elektromyogramm
  • die Herzfrequenz (EKG)
  • die Atmung
  • die Sauerstoffsättigung des Blutes
  • Beinbewegungen und Wechsel der Körperlage
Außerdem wird der Schlafende mit einer kleinen Infrarotkamera überwacht, ein Mikrophon nimmt eventuelle Schnarchgeräusche auf.

Genaue Analyse der Schlafphasen im Schlaflabor

Anhand der verschiedenen Messdaten und Aufzeichnungen können die Schlafmediziner feststellen, ob es in der Nacht zum Beispiel zu Herzrhythmusstörungen und Sauerstoffmangel kommt. Sie erstellen eine Art Schlafdiagramm, auch kardiorespiratorische Polysomnographie (PSG) genannt, das auch Auskunft über die verschiedenen Schlafphasen gibt. So lassen sich etwa anhand des EEG und der Augenbewegungen die Häufigkeit und Dauer der Traumphasen bestimmen. Schlafmediziner bezeichnen die Traumphasen auch als REM-Phasen, REM ist die Abkürzung für rapid eye movements (schnelle Augenbewegungen). Diese Phasen sind wichtig für die psychische Erholung. Bei Schlafmangel reduzieren sich die REM-Phasen, was die Dünnhäutigkeit schlafloser Menschen erklärt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.10.2014
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizin-Journalistin, Charité Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Dr. Ingo Fietze, Thea Herold, Der Schlafquotient, Hoffmann und Campe, Hamburg 2006
  • Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 27: Schlafstörungen, Berlin 2005
  • Interview mit Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité
  • Interview mit Psychologin Sandra Zimmermann vom Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum der Charité
  • Interview mit Dr. Peter Geisler vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universitätsklinik Regensburg
  • Interview mit Michael Maar, Atemtherapeut im Ilse-Middendorf-Institut in Berlin
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