Schlafstörungen: Diagnosestellung am besten in der Schlafambulanz

Je länger Schlafstörungen anhalten, desto schwerer sind sie zu behandeln. Leicht entsteht ein Teufelskreis: Zu den Schlafstörungen gesellt sich schnell die Angst vor den Schlafstörungen, was ein friedliches Schlummern erst recht verhindert. Experten raten deshalb, den Arzt aufzusuchen, wenn die Schlafstörungen länger als vier Wochen dauern.

Schlafstörungen: zunächst Besuch beim Hausarzt

Erster Ansprechpartner bei Schlafstörungen ist der Hausarzt. Wenn Sie ein vertrauensvolles Verhältnis zu Ihrem Hausarzt haben, kann Ihnen ein ausführliches Beratungsgespräch, in dem Sie auch mögliche Auslöser beleuchten, oft schon weiterhelfen. Hat der Arzt den Verdacht, dass es für Ihre Schlafstörungen körperliche Ursachen gibt, wird er eventuell auch Blut abnehmen oder ein EKG machen. Kann er keine Diagnose stellen, sollte er Sie zu einer Schlafambulanz oder einem Schlaflabor überweisen.

Diagnosefindung in der Schlafambulanz durch intensive Befragung

Sollten Ihre Schlafstörungen anhalten, drängen Sie auf eine Überweisung zu einer Schlafambulanz. Inzwischen gibt es rund 50 Schlafambulanzen in Deutschland. Die Schlafmediziner, die dort arbeiten, fragen Sie nach:
  • Ihrer Schlafdauer und -qualität
  • Einschlafproblemen
  • Besonderheiten im Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Lebensgewohnheiten und Schlafhygiene
  • Schnarchen
  • häufigen nächtlichen Wachphasen
  • nächtlichen Gängen zur Toilette
  • Schmerzen oder Kribbeln in den ruhenden Beinen
  • Albträumen
  • Zähneknirschen
  • auffälligen Bewegungen im Schlaf
  • Nachtschweiß
  • nächtlichen oder morgendlichen Kopfschmerzen
  • frühmorgendlichem Erwachen
  • Tagesmüdigkeit
  • unfreiwilligem Einschlafen am Tage
  • Leistungsfähigkeit.
Es besteht außerdem die Möglichkeit, die Bestandsaufnahme in der Schlafambulanz durch Fragebögen zu ergänzen, die auch gezielt das subjektive Empfinden der Müdigkeit ermitteln. Auch Fragen zu Gedächtnisleistung, Geschicklichkeit und Konzentrationsfähigkeit finden sich darunter.

Ein Aktimeter misst die Wach- und Schlafphasen

Manchmal geben die Schlafmediziner in der Schlafambulanz dem Patienten auch ein Aktimeter mit nach Hause, das aussieht wie eine Armbanduhr und nachts getragen wird. Das Aktimeter enthält einen Sensor, der aufzeichnet, wann sich der Körper bewegt und wann er bewegungslos ist. Es liefert somit ein Bild des tatsächlichen Schlaf-Wach-Rhythmus. Dies ist hilfreich, weil der Patient sein Schlafverhalten nie objektiv beobachten und schlecht beschreiben kann – weshalb auch Schlaftagebücher meistens ungenau sind.

Nasenbrille und Bauchgurt bei Verdacht auf Schlafapnoe

Die Ärzte in der Schlafambulanz geben Patienten mit Verdacht auf Schlafapnoe oft auch ein Screening-Gerät mit, das wie ein Mobiltelefon aussieht und mittels Nasenbrille die Atmung aufzeichnet sowie mittels Brustgurt die Bewegung des Brustkorbs und des Zwerchfells. Außerdem registriert es die Sauerstoffsättigung des Blutes, den Puls, die Wechsel der Körperlage und das Schnarchen. Haben die Schlafexperten den Verdacht, dass Sie im Schlaf unter Atemstörungen leiden (Schlafapnoe), werden sie Ihnen meistens nach der Untersuchung in der Schlafambulanz eine weitere, genauere Untersuchung im Schlaflabor empfehlen, wo auch eine akustische und visuelle Überwachung Ihres Schlafs möglich ist.
Schlaftagebuch erleichtert die Diagnose in der Schlafambulanz
Die Wartelisten der Schlafambulanzen sind lang. Doch lassen Sie sich davon nicht abschrecken: Allein das Wissen, dass einem bald Experten zur Seite stehen werden, beruhigt und kann bereits den Schlaf fördern. Dokumentieren Sie Ihre Schlafstörungen während der Wartezeit vier Wochen lang in einem Schlaftagebuch, in dem Sie Ihre Einschlaf- und Aufwachzeiten notieren. Das erleichtert den Schlafexperten in der Schlafambulanz später die Diagnostik. Ein Schlaftagebuch können Sie bei der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) bestellen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.10.2014
  • Autor/in: Kirsten Gaede, Medizin-Journalistin, Charité Universitätsmedizin Berlin; medizinische Qualitätssicherung: Cornelia Sauter, Ärztin
  • Quellen: Dr. Ingo Fietze, Thea Herold, Der Schlafquotient, Hoffmann und Campe, Hamburg 2006
  • Robert Koch-Institut, Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 27: Schlafstörungen, Berlin 2005
  • Interview mit Dr. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums der Charité
  • Interview mit Psychologin Sandra Zimmermann vom Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrum der Charité
  • Interview mit Dr. Peter Geisler vom Schlafmedizinischen Zentrum der Universitätsklinik Regensburg
  • Interview mit Michael Maar, Atemtherapeut im Ilse-Middendorf-Institut in Berlin
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